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28.12.2007 
Handelsblatt Business-Monitor International

Europas Manager: Kreditkrise bedroht Weltwirtschaft

von Dorit Heß

Die Subprime-Krise bedroht die Weltwirtschaft im kommenden Jahr – das eigene Unternehmen aber kaum. Diese Einschätzung der europäischen Wirtschaftselite ist eines der Kernergebnisse des „Handelsblatt Business-Monitor International“. In einem Land sind die Sorgen der Führungskräfte besonders groß.

Europas Wirtschaftselite fürchtet, dass die Kreditkrise wird auch im neuen Jahr zu spüren sein wird. Foto: dpaLupe

Europas Wirtschaftselite fürchtet, dass die Kreditkrise wird auch im neuen Jahr zu spüren sein wird. Foto: dpa

FRANKFURT. Fast acht von zehn Wirtschaftsführern rechnen damit, dass sich die Finanzmarktkrise 2008 weltweit auf die Konjunktur auswirken wird, geht aus dem „Handelsblatt Business-Monitor International“ hervor, einer exklusiven Umfrage unter Spitzenmanagern aus sechs Ländern. Davon erwarten 30 Prozent, dass sie „in erheblichem Maße“ Einfluss haben wird, weitere 47 Prozent gehen davon aus, dass nachteilige Effekte spürbar sein, aber eher gering ausfallen werden. Gerade acht Prozent prognostizieren, dass sich die Krise gar nicht auswirken wird; 14 Prozent trauen sich keine Prognose zu.

Besonders groß sind die Sorgen der Führungskräfte in Frankreich – dem Land, das seit Mai 2007 Nicolas Sarkozy als neuen Staatspräsidenten hat. Mehr als die Hälfte aller dort befragten Manager erwartet „erhebliche“ Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Weltkonjunktur. In Italien und Deutschland ist diese Gruppe mit 17 beziehungsweise 21 Prozent deutlich kleiner. Unter den deutschen Spitzenmanagern will mit 71 Prozent allerdings eine überdurchschnittlich große Gruppe „geringfügige“ Effekte nicht ausschließen.

Konjunkturexperten sorgen sich vor allem um die US-Wirtschaft. Sie werde 2008 unter der Krise am Immobilienmarkt und den Turbulenzen an den Finanzmärkten leiden – dies werde „die Konjunkturentwicklung der anderen Länder durch direkte und indirekte Kanäle beeinträchtigen“, schreibt etwa die Commerzbank in ihrem Ausblick auf 2008.

Obwohl die Wirtschaftselite annimmt, dass die Kreditvergabe infolge der Subprime-Krise schwieriger wird, sind ihre Befürchtungen gering, dass ihr eigenes Unternehmen unter den Folgen leiden wird. Europaweit erwartet nur jeder zehnte der befragten Firmenlenker, dass die gegenwärtige Finanzkrise erhebliche Spuren in der eigenen Firma hinterlassen wird. Ein gutes Drittel (37 Prozent) rechnet mit „geringfügigen“ Auswirkungen, weitere 38 Prozent meinen, dass die globale Finanzkrise ihre eigene Wirtschaftstätigkeit „gar nicht“ beeinträchtigen wird.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Optimistische Italiener

Wiederum sind die französischen Manager die pessimistischsten, die italienischen die optimistischsten. Bei den deutschen Managern erwartet eine Hälfte keine, die andere erhebliche (acht Prozent) oder geringfügige (42 Prozent) Auswirkungen. So fürchtet nur jedes fünfte Unternehmen durch Subprime-Krise und Dollar-Schwäche eine verstärkte Konkurrenz aus Ländern, die an den Dollar gebunden sind. Der schwache Dollar ist im Schnitt für 71 Prozent kein Anlass zur Sorge vor einer intensiveren Konkurrenz auf dem Weltmarkt.

Wie sehr die Krise aber den Bankensektor erschüttert hat, lässt sich aus Sicht der befragten Manager deutlich an der Kreditvergabe ablesen. Im Durchschnitt aller sechs Länder meint jeder zweite Manager, Kredite seien teurer und/oder schwerer zu bekommen: Zwölf Prozent halten es heute für schwerer, einen Kredit zu bekommen, auch wenn dabei die Zinskonditionen unverändert geblieben sind, 15 Prozent berichten, Kredite seien teurer geworden, und 24 Prozent beobachten beides.

Trotzdem blicken die Unternehmenslenker voller Optimismus in das kommende Jahr. „Dank der hohen Unternehmensgewinne haben sie überwiegend keinen akuten Finanzierungsbedarf und können daher gut mit den verschärften Kreditbedingungen umgehen“, argumentiert Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Die befragten Manager rechnen zwar mit einem geringeren Umsatz- und Ertragsplus als im Vorjahr, aber weiterhin mit deutlichen Zuwächsen.

Im Durchschnitt rechnen sie mit Wachstumsraten für ihre Umsatzentwicklung von gut sechs Prozent. Während die Erwartungen der Franzosen mit 5,9 Prozent knapp, die der Italiener mit 3,2 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt liegen und die Briten genau dem Mittelwert entsprechen, prognostizieren die Führungskräfte der drei deutschsprachigen Länder überdurchschnittliche Umsatzzuwächse. Die deutschen Manager erwarten ein Plus von 7,2 Prozent, die Schweizer 7,5 Prozent, die österreichischen gar um 10,6 Prozent höhere Erlöse.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Mit Blick auf die Ertragszuwächse sind die Manager voller Zuversicht

Dass viele der Manager – mit Ausnahme der deutschen – auf diese Frage mit „keine Angabe“ geantwortet haben, relativiert die Ergebnisse allerdings. Offenbar ist vor allem in Frankreich, wo die Subprime-Krise besonders große Sorgen auslöst, auch die Verunsicherung ausgeprägt.

Auch mit Blick auf die Ertragszuwächse sind die Manager voller Zuversicht: Mit 55 Prozent rechnet mehr als die Hälfte der Manager im Durchschnitt aller sechs Länder, dass sich die Ertragslage ihres Unternehmens 2008 gegenüber 2007 verbessern wird. Vor einem Jahr hatten das allerdings noch 62 Prozent der Befragten erwartet. Dafür hat die Gruppe derer, die mit einer gleichbleibend günstigen Ertragslage ihres Unternehmens rechnen, zugelegt: von 22 auf 29 Prozent. Pessimistisch blickt eine Minderheit von acht Prozent in das neue Jahr.

Wie stabil die Unternehmen ihre Situation trotz der Sorgen wegen der konjunkturellen Entwicklung einschätzen, lässt sich auch an ihren Investitions- und Beschäftigungsplänen ablesen. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Mitarbeiterzahl in den kommenden zwölf Monaten erhöhen wollen, übertrifft den Anteil derjenigen, die einen Beschäftigungsabbau planen, um 31 Prozentpunkte.

In den sechs Ländern lassen sich allerdings gegenläufige Trends beobachten. Während sich die Schweiz, Italien und Frankreich positiv entwickeln, ist der Trend in der Bundesrepublik, Großbritannien und Österreich leicht rückläufig. Das sind die drei Länder, in denen in den letzten Jahren eine kontinuierliche Aufwärtsdynamik zu beobachten war.

Auf die Investitionsplanung wirkt sich die Krise am Finanzmarkt offenbar deutlicher aus. Hier ist der Abwärtstrend quer über alle Befragungsländer erkennbar. Aber auch wenn die Absicht, verstärkt zu investieren, nicht mehr so ausgeprägt ist wie bei der letzten Befragung vor etwa einem halben Jahr, heißt das nicht, dass in großem Umfang bereits geplante Investitionen zurückgestellt oder gar aufgegeben werden. Die Manager geben eher an, dass sie bereits ins Auge gefasste Investitionen konstant halten wollen.

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