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03.07.2007 
Business-Monitor International

Europas Wirtschaft boomt und boomt

von Dorit Heß

Der Handelsblatt Business-Monitor International, eine exklusive Unternehmer-Umfrage, zeigt: Europas Spitzenmanager beurteilen die Lage euphorisch wie lange nicht. Sie wollen vor allem am heimischen Standort weiter kräftig investieren und zusätzliche Mitarbeiter einstellen.

DÜSSELDORF. Hoch oben in den sonnigen Alpen mäht er, die qualmende Pfeife im Mund, mit der Sense die saftigen Blumenwiesen: der glückliche Schweizer. Dieses Klischee hatte Thomas Straubhaar jüngst bei einem Vortrag in Basel im Gepäck. Was der Chef des Hamburgischen Instituts für Weltwirtschaft (HWWI), der selbst aus der Eidgenossenschaft stammt, aber im Ausland lebt, seinen Landsleuten mit diesem Bild sagen wollte: „Die Schweiz von außen ... ein Paradies.“

Sie ist es auch von innen – sagen die Schweizer, zumindest die Top-Manager. Nicht eine einzige der für den Handelsblatt Business-Monitor befragten Führungskräfte (siehe „Der Internationale Handelsblatt Business- Monitor“) beschreibt die Standortbedingungen seiner Heimat in diesem Sommer als schlecht. Zwei Drittel bezeichnen die derzeitige Lage als „gut“, ein Drittel nennt sie „eher gut“. Damit hat sich die im vergangenen Jahr bereits euphorische Stimmung in dem kleinen Nachbarland der Bundesrepublik nochmals verbessert. „Der Aufschwung ist da“, sagte ein anderer prominenter Schweizer, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bei der diesjährigen Hauptversammlung seines Instituts Ende Mai. Das freue alle – „besonders die Wirtschaft“.

Wie Recht er hat, zeigt die exklusive Handelsblatt-Umfrage. Auch wenn die Stimmung nicht überall derart bombastisch ist wie in dem reichen Alpenland, so ist sie doch unter den Managern aller sechs an der Umfrage beteiligten Länder – Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich, Österreich und die Schweiz – sehr positiv. Acht von zehn Führungskräften beurteilen die gegenwärtigen Standortbedingungen in ihrem Heimatland jeweils mit „gut“ oder „eher gut“. So hoch war die Zufriedenheit noch nie im Mittel aller europäischen Länder, seit das Handelsblatt die internationale Umfrage im Winter 2003 gestartet hat.

Überdurchschnittlich gut schätzen neben den Schweizern auch die Spitzenkräfte der Wirtschaft in Österreich und Deutschland die Lage in ihrer Heimat ein. In der Alpenrepublik sind mit 97 Prozent nahezu so viele Befragte optimistisch gestimmt wie in Helvetia. Und beim großen Nachbarn Deutschland beurteilt mit 89 Prozent ebenfalls eine breite Mehrheit ihren Standort ausgesprochen gut.

„Mit Sorge“ hatte der Vorstandschef der Metro AG, Hans-Joachim Körber, noch im Mai 2006 auf der Hauptversammlung seines Unternehmens die konjunkturellen Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung auf alle Nonfood-Artikel im Jahr 2007 gesehen. Immerhin handelte es sich bei der Erhöhung um drei Prozentpunkte um einen in der Geschichte des Landes nie da gewesenen Sprung. Ein Jahr später, wiederum auf der Metro-Hauptversammlung, war Körber etwas besser gestimmt: „Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland beurteilen wie mit verhaltenem Optimismus.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Führungskräfte insgesamt zufrieden

Die Aussage der für den Handelsblatt Business-Monitor befragten Führungskräfte in diesem Frühsommer ist noch wesentlich deutlicher: Mit 38 Prozent beurteilen überdurchschnittlich viele Unternehmen des Sektors Handel sowie aus den Bereichen Nachrichtenübermittlung und Verkehr die Bedingungen als „gut“, 50 Prozent als „eher gut“. Als „schlecht“ stuft die Situation derzeit nicht einer der befragten Manager ein.

„Die Unternehmen haben auch alle Berechtigung, stolz und zufrieden zu sein“, sagt HWWIChef Straubhaar mit Blick auf die Firmen aller Branchen. Gerade in Deutschland hätten sie „ihre Hausaufgaben gemacht“ und damit deutlich an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Beispielsweise durch „Kostendisziplin auf der Lohnseite“ oder „effizientere Produktionsabläufe“, zählt die Bundesbank in einer Analyse auf. Die deutschen Unternehmen hätten sich zudem die Kostenvorteile ausländischer Standorte selbst zunutze gemacht – und durch die Auslagerung von Produktionsprozessen ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit erhöht.

Die derzeit hohe Zufriedenheit der Manager wirkt sich auf ihre Pläne aus. Europaweit wollen die Wirtschaftslenker vor allem ihren jeweils eigenen Standort stärken. Das zeigen ihre Investitionspläne. In allen sechs Ländern zeichnet sich das gleiche Bild ab: Jeweils mehr als zwei Drittel der Manager planen, an ihrem heimischen Standort mehr als bislang zu investieren. Der Anteil ist auch in Frankreich und Österreich derart hoch – obwohl er in beiden Nationen im Vergleich zum Jahresende 2006, als letztmals diese Frage gestellt wurde, sank.

Hoch im Kurs steht bei den europäischen Führungskräften auch die Nachbarschaft: Knapp ein Drittel der befragten Manager geben an, dass sie innerhalb der Europäischen Union investieren wollen – die mit Abstand beliebteste Region außerhalb der Heimat. Ganz besonders populär ist die EU in der Alpenrepublik Österreich: Zwei Drittel der Befragten planen dort Investitionen.

Anziehungskraft gewonnen hat Asien. Während in China nach wie vor durchschnittlich 16 Prozent der Manager investieren wollen, lockt es in andere Teile Asiens inzwischen 14 Prozent und damit mehr als Ende 2006. Insbesondere deutsche Manager zieht es in die Ferne: Jeder fünfte aus der Bundesrepublik plant für die kommenden zwölf Monate, Geld in Asien auszugeben.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: „Deutsche Firmen zieht es dort hin, wo die Märkte wachsen“

„Deutsche Firmen zieht es dort hin, wo die Märkte wachsen“, schlussfolgert der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner. „Nach Ostasien, nach China, nach Russland.“ Wie erfolgreich diese Strategie sei, zeige der derzeitige Konjunkturboom. Deutschland profitiere deutlich mehr von der expandierenden Weltwirtschaft, als man noch im vergangenen Jahr habe annehmen können.

Das zahlt sich im Inland aus: Im Juni hatten 3,6 Millionen Menschen keine Arbeit – das waren so wenige wie zuletzt im November 2000. Dieser positive Trend dürfte anhalten, ergibt die Handelsblatt- Umfrage. Knapp die Hälfte (44 Prozent) aller deutschen Spitzenmanager haben eigenen Angaben zufolge vor, in den kommenden zwölf Monaten weitere Stellen zu schaffen. Weitere rund 40 Prozent wollen an der Zahl ihrer Mitarbeiter nichts ändern. Und während vor einem Jahr noch knapp 30 Prozent aller Führungskräfte Mitarbeiter entlassen wollten, haben das in den kommenden zwölf Monaten nur noch 15 Prozent vor.

Damit spiegelt Deutschland eine Entwicklung wider, die auf den Arbeitsmärkten aller sechs Befragungs-Länder erkennbar ist. In Großbritannien und Österreich haben besonders viele Führungskräfte vor, zusätzliche Beschäftigte einzustellen: sechs beziehungsweise sieben von zehn. In der Schweiz planen zwar „nur“ 44 Prozent und damit im Durchschnitt so viele Führungskräfte wie in Deutschland, zusätzliches Personal in den kommenden zwölf Monaten einzustellen. Aber keiner der befragten Manager in der Schweiz gibt an, dass er in den kommenden Monaten Mitarbeiter entlassen will. Dabei gilt der Kündigungsschutz in der Eidgenossenschaft bekanntermaßen als besonders locker.

Trotz der überaus hohen Zufriedenheit sind sich die Führungskräfte international weitgehend einig, dass sich die Situation in ihrem jeweiligen Heimatland noch weiter verbessern – oder zumindest so gut wie derzeit bleiben kann. In der ohnehin in Höchststimmung schwelgenden Schweiz erwarten 26 Prozent der Manager, dass sich die Standortbedingungen in den nächsten zwölf Monaten verbessern werden. 72 Prozent rechnen damit, dass die Lage so gut bleiben wird, wie sie zur Zeit ist. Damit geht nahezu kein Manager aus dem kleinen Land davon aus, dass sich die Hochstimmung abkühlen wird.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Gute Aussichten auch für Deutschland

Hier zu Lande zeichnen die Führungskräfte ein ähnlich euphorisches Zukunftsbild. Insgesamt rechnen knapp 90 Prozent der Befragten damit, dass sich die Bedingungen am Standort D verbessern werden oder gleich gut bleiben. In keiner Branche weichen die Führungskräfte von dieser Einschätzung ab.

Auch wenn die Manager aller Länder insgesamt mehrheitlich sehr positiv gestimmt sind, verraten die Details doch große Unterschiede. So ist beispielsweise in Frankreich kurz nach der Präsidentschaftswahl die Situation eine deutlich andere als noch vor einem Jahr. Die Gruppe derer, die mit „verbesserten“ Bedingungen rechnet, ist deutlich gewachsen: von 33 auf 58 Prozent. Dafür rechnen nur 18 Prozent mit „gleich guten“ Bedingungen, so dass die Zahl der Optimisten in Frankreich insgesamt kleiner als in anderen Befragungsländern ist. In Österreich dagegen erwarten nur noch sechs Prozent eine Verbesserung, dafür rechnen aber mehr als 80 Prozent der ohnehin hochzufriedenen Manager der Alpenrepublik damit, dass die Bedingungen so gut bleiben wie bislang. Was haben die kleinen Länder den großen voraus? „Sie wissen, dass sie sich bewegen müssen“, meint Ökonom Straubhaar. „Und sie tun es auch – und zwar schnell.“ Auf die Stärke ihrer großen Nachbarn sind sie dabei aber angewiesen: Die prächtige Entwicklung der deutschen Wirtschaft, sagt der HWWI-Chef, sei eine der wesentlichen Voraussetzungen für das Wachstum der kleinen Nachbarländer.

Europa ist wiedererstarkt. Dass die Region die USA als Wachstumslokomotive ablösen könnte, sehen aber selbst Volkswirte wie der als Optimist geltende Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, Holger Schmieding, skeptisch. Er rechnet dem Währungsgebiet zwar Chancen aus, kurzzeitig schneller zu wachsen als die US-Wirtschaft. Für 2007 prognostiziert der Bankökonom ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent im Euro- Raum und nur 2,3 Prozent in den USA. Aber bereits im kommenden Jahr dürfte die amerikanische Wirtschaft die Euro-Zone wieder überflügeln. „Das Bevölkerungswachstum in den USA ist deutlich höher – da können wir nichts machen.“

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