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12.02.2008 
Handelsblatt Business-Monitor

Finanzkrise lässt Top-Manager kalt

von Dorit Heß

Die Unternehmen in Deutschland zeigen sich von der turbulenten Entwicklung an den weltweiten Finanzmärkten und der drohenden Rezession in den USA weitgehend unbeeindruckt. Der Handelsblatt Business-Monitor schwächt sich nur leicht ab. Die Botschaft ist damit eindeutig.

 Dem Handelsblatt-Business-Monitor zufolge planen viele Unternehmen einen Zuwachs ihrer Mitarbeiterzahl. Foto: dpaLupe

Dem Handelsblatt-Business-Monitor zufolge planen viele Unternehmen einen Zuwachs ihrer Mitarbeiterzahl. Foto: dpa

FRANKFURT. Die Unternehmen wollen weiterhin mehrheitlich sowohl ihre Investitionen als auch die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöhen oder zumindest konstant halten. Das lässt sich am Handelsblatt Business-Monitor ablesen, einer regelmäßigen Umfrage unter deutschen Top-Managern. Mit einer Verbesserung der Standortbedingungen rechnet allerdings kaum einer der Befragten.

Damit stützen die Umfrageergebnisse die Meinung all jener, die zumindest bislang noch keine nachhaltigen Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die deutsche Konjunktur erwarten. Auch der in Deutschland am stärksten beachtete Stimmungsindikator, der Ifo-Geschäftsklimaindex, war Ende Januar gestiegen. Allerdings war ein Großteil der Umfrage vor Einbruch der Aktienmärkte bei dem Institut eingegangen. Der ZEW-Index, eine Umfrage unter den derzeit gebeutelten Finanzmarktexperten, wird heute veröffentlicht – und wird den Prognosen nach sinken.

Die Botschaft der vom Psephos-Institut im Auftrag des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. befragten knapp 800 Führungskräfte ist eindeutig: 90 Prozent wollen in den kommenden zwölf Monaten mehr oder gleich viel investieren.

Mit 56 Prozent wollen mehr als die Hälfte der Unternehmen künftig so viel investieren wie bislang geplant. Ein gutes Drittel der Befragten (34 Prozent) will in den kommenden zwölf Monaten sogar seine Investitionen erhöhen. Vor allem mittlere Unternehmen mit 500 bis 5000 Mitarbeitern und Großunternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten planen dies. Überdurchschnittlich groß sind die Investitionspläne auch in der Gruppe Handel, Nachrichtenübermittlung und Verkehr: Hier geben 46 Prozent der Befragten an, sie wollten in den kommenden Monaten mehr Geld für Investitionen ausgeben.


» Handelsblatt-Indikatoren: Die frühzeitige und zuverlässige Schätzung für Wirtschaft und Investoren


Die positiven Auswirkungen des Investitionsbooms werden sich offenbar auch in den kommenden Monaten auf dem Arbeitsmarkt niederschlagen – wenn auch in etwas geringerem Umfang als in den Vormonaten: Während 36 Prozent der Firmen planen, zusätzliche Beschäftigte einzustellen, haben mit 14 Prozent deutlich weniger vor, Beschäftigte abzubauen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vor allem Großunternehmen wollen Mitarbeiter einstellen

Vor allem Großunternehmen haben vor, weitere Mitarbeiter einzustellen: Mit 48 Prozent liegt die Einstellungsbereitschaft hier weit über dem Durchschnitt. Auch mit Blick auf die Branchen unterscheidet sich der Bedarf an Mitarbeitern deutlich: Während in der Metallerzeugung sowie dem Maschinen- und Fahrzeugbau 45 Prozent der Unternehmen Mitarbeiter einstellen wollen, planen dies im Baugewerbe nur noch 19 Prozent.

Insgesamt dürfte die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt allerdings leicht abnehmen, deutet die Umfrage an: Der Saldo war in den zurückliegenden Monaten größer als derzeit. Im Sommer 2007 hatten 41 Prozent geplant, Beschäftigte einzustellen und nur elf Prozent, Mitarbeiter abzubauen.

Volkswirte wie Andreas Scheuerle von der Deka-Bank warnen aber davor, aus den Umfrageergebnissen zu schließen, es werde keine konjunkturelle Abschwächung geben: „Die Delle kommt, die Frage ist nur, wie tief sie sein wird.“ Dass die Unternehmen offenbar nur mit einer temporären Abschwächung rechnen, kann er nachvollziehen: „Es spricht viel dafür, dass nach einem schwachen ersten Halbjahr die deutsche Konjunktur wieder Fahrt gewinnen wird.“ Seine Argumente: Die Inflation dürfte sinke, die Löhne steigen und dank der höheren Realeinkommen der private Konsum zunehmen.

Ausschlaggebend für die Pläne der Manager dürfte auch ihr Vertrauen in den hiesigen Standort sein. Mit 80 Prozent hält eine breite Mehrheit die Bedingungen für die Wirtschaft für „gut“ (17 Prozent) oder „eher gut“ (63 Prozent). Dass sie in den kommenden zwölf Monaten noch besser werden, halten zwar nur drei Prozent für wahrscheinlich. So gut wie derzeit dürften sie aber bleiben, erwarten immer noch 58 Prozent der Manager – und das, obwohl der Anteil der Pessimisten deutlich von 18 auf 27 Prozent gestiegen ist.

Wie gut die Ausgangslage derzeit ist, zeigen Daten der Industrie: Sie erwirtschaftete 2007 ihr drittstärkstes Umsatzplus seit der Wiedervereinigung.

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Bundesregierung 1,2 1,7
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