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29.04.2008 
Strategien der Topmanager

Große Trends, große Chancen

von Bert Fröndhoff

Welche Megatrends Topmanager für die nächsten zwölf Monate sehen und welche Strategien Banken, Telekomfirmen und Maschinenbauer haben, zeigt der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor.

DÜSSELDORF. Energieeffizienz, Demografie und Umweltschutz – das sind aus Sicht der deutschen Wirtschaft die maßgeblichen Megatrends für die kommenden zwölf Monate. Von diesen drei Entwicklungen erwarten die Unternehmen die stärksten Einflüsse auf das Wachstum in ihrer Branche. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Handelsblatt Business-Monitor, eine repräsentative Umfrage unter 795 Topmanagern deutscher Firmen.

Die Untersuchung wurde vom Handelsblatt und der Unternehmensberatung Droege & Comp beim Marktforschungsinstitut Psephos in Auftrag gegeben. Psephos befragte die Topmanager Anfang April nicht nur nach den Megatrends, sondern auch nach ihren grundlegenden Strategien und Plänen für die kommenden zwölf Monate. Die Ergebnisse veröffentlicht das Handelsblatt nach sechs Branchen aufgeschlüsselt – vorige Woche waren es Auto, Chemie und Energie, in dieser Ausgabe folgen weitere drei Branchen (siehe unten).

Bei einigen Themen sind sich die Manager branchenübergreifend einig: 58 Prozent der im Handelsblatt Business-Monitor Befragten nannten die Energieeffizienz als den wichtigsten Trend in ihrer Branche. Besonders hoch waren die Werte bei den Managern aus der Automobil-, Energie- und der Baubranche. Doch es sind nicht allein die steigenden Preise für Strom und Öl, die die Firmen zum Handeln beim Thema Energie bewegen. Denn „das Thema Energieeffizienz bietet vielen deutschen Branchen ideale Wachstumschancen, da sie über die erforderlichen Produkte und Technologien verfügen“, erläutert Juan Rigall, Geschäftsführer bei Droege & Comp.

Schon in der vergangenen Woche unterstrichen die Industriekonzerne auf der Hannover Messe, welche Bedeutung die Energieeffizienz in den Strategien einnimmt. Unternehmen wie Evonik kündigten dort milliardenschwere Investitionen zur Verbesserung bestehender Anlagen und zum Aufbau neuer Geschäfte in dem Segment an.

Zu den weiteren wichtigen Themen, die die Unternehmen im Handelsblatt Business-Monitor nannten, zählen Umwelt- und Klimaschutz sowie der Zugang zu Rohstoffen. Vom Umwelt- und Klimaschutz erwarten vor allem die Bauindustrie, die Energieunternehmen und die Immobilienwirtschaft den größten Einfluss auf das Wachstum in ihrer Branche.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Demografie als Wachstumschance?

Ganz oben steht bei den befragten Managern auch das Thema Demografie auf der Agenda. Auch dabei bieten sich den Unternehmen Chancen und Herausforderungen zugleich: Letztere durch die Alterung der Gesellschaft und der Belegschaften sowie durch den Nachwuchsmangel, der sich zum Beispiel bei den Ingenieuren deutlich bemerkbar macht.

Nach Einschätzung des Vereins Deutscher Ingenieure fehlen der deutschen Wirtschaft schon heute rund 100 000 Ingenieure, der Verband schätzt die dadurch entstehenden Kosten für die deutsche Wirtschaft auf sieben Mrd. Euro. Aus diesem Grund investieren Unternehmen mittlerweile wieder stärker in Fort- und Weiterbildung und rekrutieren mehr ältere Mitarbeiter.

Wachstumschancen sehen die befragten Manager beim Thema alternde Gesellschaft durchaus: Finanzdienstleister etwa versprechen sich von vermögenden Senioren gute Geschäfte. Für 81 Prozent der im Handelsblatt Business-Monitor befragten Bankmanager und für 77 Prozent der Führungskräfte aus der Versicherungswirtschaft ist die Bevölkerungsentwicklung das wichtigste Thema für die kommenden zwölf Monate. Ähnlich hoch ist der Wert – und damit auch die Erwartung – bei den Entscheidern aus der Immobilienwirtschaft. „Das regional starke Bevölkerungswachstum im Ausland – etwa in Asien – bietet aber auch Firmen aus anderen Industrien Wachstumschancen in den kommenden Jahren“, erläutert Rigall – etwa Zulieferern für Infrastruktur und Versorgung. Auch bei den Managern in der Pharma- und in der Automobilindustrie gehört die Demografie zu den wichtigsten Einflussgrößen für das Wachstum.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Frage und Antwort. Was die einzelnen Branchenmanager planen

Wie und in welchen Regionen wollen die deutschen Banken ihr Geschäft ausbauen?

Die strategischen Zielsetzungen für die kommenden zwölf Monate sind in keiner Branche so eindeutig wie bei den deutschen Banken: Annähernd die Hälfte aller im Handelsblatt Business-Monitor befragten Bankmanager strebt den Kauf- oder Verkauf von Unternehmensteilen an – die Bankenlandschaft dürfte also weiter kräftig durchgemischt werden. „Der Konsolidierungstrend wird sich in allen drei Bankensäulen fortsetzen – sei es die Konsolidierung im Landesbankensektor, der anstehende Verkauf der Postbank oder auch die Diskussion um die Zusammenführung der genossenschaftlichen Zentralinstitute“, sagt Christian Horn, Bankenexperte und Geschäftsführer bei Droege & Comp. Die Bankmanager sind dabei auf den deutschen Markt fokussiert: 60 Prozent wollen sich auf den Ausbau des Geschäfts in Deutschland konzentrieren. Nur jeweils ein Prozent der Befragten gab an, dass die Expansion in Asien oder in den USA zu den Topthemen in der Strategie gehöre.

Welche Ziele verfolgen die Banken mit ihrer internen Neuausrichtung in der nächsten Zeit? Die größte Herausforderung für die verantwortlichen Manager besteht darin, die Organisation ihrer Banken effizienter zu machen und die Kosten zu drücken – was angesichts der negativen Folgen der Finanzkrise nicht verwundert. 83 Prozent der Befragten wollen in den nächsten zwölf Monaten die Produktivität steigern, 51 Prozent wollen die Kosten senken. Nur ein Fünftel legt den Schwerpunkt auf die Stärkung der Innovationskraft.

Welche Unternehmensbereiche müssen in den nächsten Monaten grundlegend verbessert werden?

Das klare Signal der Bankmanager lautet: Im Vertrieb der Kreditinstitute hapert es am meisten, und auch die zentralen und administrativen Abteilungen der Unternehmen laufen noch nicht so, wie es sich die Entscheider vorstellen. 78 Prozent der Befragten nannten Marketing/Vertrieb als den Bereich, der in den nächsten zwölf Monaten am dringlichsten verbessert werden müsse, immerhin 36 Prozent nannten bei dieser Frage die Firmenverwaltung.

Mit welchen Mitteln wollen sich die Banken für eine Abschwächung der Konjunktur wappnen?

Die Bankbranche will in diesem Fall stärker als andere der im Business-Monitor analysierten Branchen auf Kostensenkungskurs gehen und vergleichsweise weniger Gewicht darauf legen, neue Märkte zu erschließen. Interessant: Stärkeres Outsourcing ist für knapp ein Drittel der Bankmanager ein probates Mittel, um ihr Institut gegen eine weitere Abkühlung zu wappnen.

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