In einem am Montag erscheinenden Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt Beck, der Neoliberalismus der Union habe „den Menschen, die für ihre Kinder gute öffentliche Schulen wollen, nichts zu sagen“ und er gehe über die hinweg, die Schutz vor Willkür und Diskriminierung im Wirtschaftsleben erwarteten. Elementare Spielregeln der sozialen Marktwirtschaft lösten sich immer mehr auf, geregelte Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern würden „durch die einseitig ausgeübte Vormachtstellung der Kapitalgeber ersetzt“. Das Ziel sei „verantwortungsbewusstes Kapital in Arbeitnehmerhand“. Beck spricht sich für ein „umfassendes Modell der Mitarbeiterbeteiligung“ in der Wirtschaft aus.
Die wachsenden Querelen in der großen Koalition nähren seit längerem den Eindruck, der Vorrat an Gemeinsamkeiten zwischen Union und SPD gehe langsam zur Neige. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vizekanzler Franz Müntefering, CSU-Chef Edmund Stoiber und SPD-Chef Beck sollen zwar zu einem Vierergipfel vor der Kabinettsklausur Ende August zusammenkommen, um für Entspannung zu sorgen. Doch entscheidend für die Weichenstellung in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode dürfte der Verlauf der Sitzung des Koalitionsausschusses am 18. Juni sein. Union und SPD wollen dort Einvernehmen im Streit über Mindest- und Niedriglöhne erzielen. Eine Einigung gilt aber als unwahrscheinlich.
Wenn es nach den deutschen Managern geht, verfügt die SPD theoretisch über zwei bessere Kanzlerkandidaten als Beck: Finanzminister Peer Steinbrück kann nach der Verabschiedung der Unternehmensteuerreform mit der Note 2,6 sein bestes Ergebnis im Business-Monitor seit dem Start der großen Koalition verbuchen. Bei Mittelstand und Großunternehmen bewertet jeweils mehr als die Hälfte der Führungskräfte seine Arbeit als „gut“ oder „sehr gut“. Außenminister Frank-Walter Steinmeier kann mit 2,5 sein hohes Ansehen wiedererlangen, das er vor der Aufarbeitung der Kurnaz-Affäre im Frühjahr hatte.




