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22.09.2008 
Handelsblatt Business Monitor

Top-Manager fürchten Sogwirkung der US-Krise

von Dorit Heß, Jens Koenen und Robert Landgraf

Die Sorge vor einer Sogwirkung der US-Finanzkrise treibt die deutsche Wirtschaftselite um. Deutschlands Spitzenmanager sehen vor allem die Gefahr, dass die Krise die deutsche Konjunktur nach unten ziehen wird. Mit Blick auf ihr eigenes Unternehmen sind die meisten Top-Manager aber noch zuversichtlich.

Deutschlands Top-Manager fürchten den Sog der US-Finanzkrise. Foto: apLupe

Deutschlands Top-Manager fürchten den Sog der US-Finanzkrise. Foto: ap

FRANKFURT. Die Finanzkrise wird auch die deutsche Wirtschaft in ihren Bann ziehen. Das fürchtet die Wirtschaftselite der größten Volkswirtschaft des Euro-Raums. Knapp 400 Spitzenmanager, die im Auftrag des Handelsblattes und der Unternehmensberatung Droege & Comp. in der zurückliegenden Woche von dem Marktforschungsunternehmen Psephos befragt wurden, haben vor allem zwei Sorgen: Eine breite Mehrheit erwartet, dass die Krise die deutsche Konjunktur stark (26 Prozent) oder zumindest leicht (67 Prozent) nach unten ziehen wird und Kredite teurer (67 Prozent) sowie schwerer (73 Prozent) zu bekommen sein werden.

Die Krisenlawine hatte in der vergangenen Woche massiv an Tempo gewonnen. Nach der Pleite von Lehman Brothers am Montag war der Weltkonzern AIG verstaatlicht worden und weltweit an den Börsen Panik ausgebrochen. In den deutschen Führungsetagen war in einer der schwärzesten Wochen in der Geschichte der US-Wirtschaft offenbar die Furcht davor gewachsen, dass der Abwärtsstrudel der weltgrößten Volkswirtschaft auch die hiesige treffen wird.

„Bislang steht die deutsche Wirtschaft verglichen mit dem westeuropäischen Ausland durchaus robust da“, sagt der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Bert Rürup, dem Handelsblatt. Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sei bislang vor allem zyklisch bedingt. „Die Finanzkrise ist nicht die Ursache, sie ist ein Katalysator der Abschwächung.“ Aus Sicht des Wirtschaftsweisen werden auch die jüngsten Entwicklungen zu keinem markanten Einbruch der deutschen Wirtschaft führen. „Eher ist mit einer etwas länger anhaltenden Schwächephase zu rechnen."

Die sehen offenbar auch die Unternehmen auf sich zukommen: Mehr als die Hälfte aller befragten Manager fürchtet, dass sich die Finanzkrise negativ auf ihr eigenes Geschäft auswirken wird – das gilt branchenübergreifend. Fast die Hälfte (48 Prozent) rechnet mit leichten Einbußen, weitere elf Prozent mit starken.

Aber auch, wenn eine breite Mehrheit der Befragten erwartet, dass die Banken bei der Kreditvergabe insgesamt zurückhaltender sein werden, sind sie mit Blick auf ihr eigenes Unternehmen noch relativ zuversichtlich: 62 Prozent gehen aus dieser Warte von unveränderten Kreditkosten aus. Dass Kredite um mehr als einen Prozentpunkt teurer werden, meinen elf Prozent. Mit einem Anstieg um bis zu einen Punkt rechnen weitere 23 Prozent.

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