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21.04.2008 
Handelsblatt Business-Monitor

Unternehmen rüsten sich gegen Währungsrisiken

von Dorit Heß und Ulf Sommer

Jahrelang haben deutsche Konzerne den immer stärker werdenden Euro gut weggesteckt – schließlich beflügelte das enorme Wachstum der Weltkonjunktur auch so die Exporte. Doch seitdem die Immobilien- und Finanzkrise die Wirtschaft in Mitleidenschaft zieht, spüren viele Firmen die Wettbewerbsnachteile durch die starke Währung.

Auch der Maschinenbau als exportstarke Branche registriert ungünstige Effekte. Foto: dpaLupe

Auch der Maschinenbau als exportstarke Branche registriert ungünstige Effekte. Foto: dpa

FRANKFURT/DÜSSELDORF 40 Prozent der Topmanager berichten inzwischen über negative Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Das ergibt der Handelsblatt Business-Monitor, eine Umfrage von Psephos unter knapp 800 Führungskräften im Auftrag dieser Zeitung und der Unternehmensberatung Droege & Comp. Besonders die exportstarken Branchen wie Chemie, Metall- und Elektroindustrie sowie der Fahrzeug- und Maschinenbau berichten über merklich ungünstige Effekte – also jene Sparten, die ungeachtet der Abkühlung in den USA weiter boomen.

Dass mit 40 Prozent ebenso viele Topmanager keine Auswirkungen der Dollar-Schwäche für ihre Unternehmen sehen, dürfte vor allem daran liegen, dass sie sich erfolgreich gegen den Dollar-Verfall gewappnet haben. Zu den ergriffenen oder geplanten Aktivitäten als Reaktion auf den teuren Euro zählt für ein Viertel der Topmanager eine veränderte Einkaufsstrategie. Dazu gehören neue Produktionsstätten und Verträge mit Zulieferern, die im Dollar-Raum tätig sind. Auf diese Weise entpuppt sich die Dollar-Krise als Chance, billig einzukaufen. Obendrein streuen Konzerne ihre Risiken, indem sie in verschiedenen Währungsräumen produzieren und einkaufen.

Anders als beim Finanzhedging, bei dem Unternehmen sich an den Finanzmärkten gegen künftige Währungsschwankungen mit Derivaten absichern – das ist übrigens nur für 16 Prozent der für den Handelsblatt Business-Monitor Befragten ein Thema –, kosten Veränderungen beim Einkauf zwar mehr Zeit, wirken aber langfristig effektiver. Die Form des „natural hedging“ betrifft Maschinen und Rohmaterialien, Logistik, Forschung und Entwicklung bis hin zur Einstellung von Fachkräften. Einen amerikanischen Ingenieur können Unternehmen aus der Euro-Zone heute um fast 20 Prozent günstiger engagieren als noch vor einem Jahr.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ob die Manager den Dollar-Verfall als längerfristiges Phänomen sehen

Aus Sicht der meisten Unternehmen lohnt sich dieser Aufwand. Wie erst kürzlich eine Blitzumfrage von Droege & Comp. ergab, schätzen die meisten Firmen den Dollar-Verfall als längerfristiges Phänomen ein, das sie noch länger als ein Jahr begleiten wird. Richtete sich der Blick vieler Unternehmen bislang meistens nach China, Indien und Osteuropa, weil hier niedrige Kosten locken, bietet der Dollar-Raum neben der attraktiven Währung eine viel stärker ausgebaute Infrastruktur. Das gilt beispielsweise für die Premiumhersteller der deutschen Automobilindustrie. „Sie finden in den USA eine voll funktionierende Zuliefererindustrie vor“, sagt Einkaufsexperte Christian Heiss von der Unternehmensberatung Oliver Wyman angesichts der großen Absatzschwierigkeiten amerikanischer Autobauer.

Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, stuft die Widerstandsfähigkeit der hiesigen Unternehmen trotz des anhaltenden Euro-Hochs als groß ein und rechnet 2008 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent. Die Exporterwartungen seien zwar etwas geringer als noch im Herbst, sagt er mit Blick auf eine Konjunkturumfrage seines Instituts unter mehr als 2 000 Unternehmen. 36 Prozent der Befragten erwarten danach ein wachsendes Auslandsgeschäft nach 38 Prozent vor einem halben Jahr.

Aber trotz des aufgewerteten Euros hätten die deutschen Konzerne sich eine stabile Position auf den Weltmärkten erobert. „Dank ihrer Nischenpositionen, der hohen Qualität ihrer Produkte und der Kundendifferenzierung“, argumentiert Hüther. Um sich weiter gegen Wechselkursrisiken abzusichern, rät der Ökonom den Unternehmen, an ihrer bisherigen Strategie festzuhalten: „Sie sollten die Kostenstruktur optimieren, standardisierte Vorleistungsgüter verstärkt importieren und ihr Innovationspotenzial ausnutzen.“ Direkte Vorbeugungsmaßnahmen könne die Politik dagegen nicht umsetzen. Aber auch sie könne gegensteuern, indem sie keine erhöhten Kosten verursache und etwa die Sozialversicherungsbeiträge unter die Marke von 40 Prozent senke.

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2009 2008
Consensus Economics 1,1 2,0
OECD 1,1 1,5
IWF 1 2
EU-Kommission 1,5 1,8
Frühjahrsgutachten der Institute 1,4 1,8
Bundesregierung 1,2 1,7
Sachverständigenrat 1,9