1 Bewertung *****
04.06.2008 
Handelsblatt Business-Monitor

Wirtschaft hat vielversprechende Pläne

von Dorit Heß

Die deutsche Wirtschaft strotzt vor Selbstbewusstsein. Die Unternehmen sind zufrieden mit dem hiesigen Standort, zuversichtlich für die Entwicklung in den kommenden Monaten, wollen investieren und zusätzliche Beschäftigte einstellen. Das sind die Kernaussagen des Handelsblatt Business-Monitors.

Lupe

FRANKFURT. Die exklusive Umfrage des Handelsblatts und der Unternehmensberatung Droege & Comp. unter knapp 800 Managern zeigt, dass die deutsche Wirtschaft erneut Widerstandskraft gegen die seit Monaten im Trend steigenden Öl- und Nahrungsmittelpreise, den hohen Euro und die Finanzkrise beweist. Schon im ersten Quartal hatte die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone für eine Überraschung gesorgt und war um 1,5 Prozent im Vorquartalsvergleich gewachsen.

Dass die Unternehmen trotz dieser Risiken so positiv gestimmt sind, erklärt sich der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, mit in den letzten Jahren erarbeiteten Gewinnen aus dem Strukturwandel. "Das industrielle Herz der deutschen Wirtschaft bietet genau das, was auf den Weltmärkten nachgefragt wird", sagt er. Die Robustheit sorge dafür, dass die schwache US-Wirtschaft für die Unternehmen an Prominenz verliere und dass sie die Kreditmarktkrise nur wenig beeindrucke.

Wie lebendig das industrielle Herz der deutschen Wirtschaft schlägt, hat das erste Quartal gezeigt, als eine nach wie vor ausgeprägte Investitionstätigkeit das Wirtschaftswachstum trug. Die Handelsblatt-Umfrage signalisiert, dass dieser Trend anhalten dürfte: In den kommenden zwölf Monaten will knapp ein Drittel der im Mai befragten Manager seine Investitionen erhöhen, weitere 62 Prozent wollen sie konstant halten.

Dafür, dass der private Konsum eine weitere Stütze des Wirtschaftswachstums werden dürfte, spricht das Beschäftigungsklima: 33 Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahl erhöhen, 53 Prozent wollen sie konstant lassen. Besonders groß ist die Einstellungsbereitschaft der Großunternehmen: 46 Prozent der befragten Unternehmen mit mehr als 5 000 Beschäftigten wollen in den kommenden Monaten zusätzliche Mitarbeiter beschäftigen. Weitere 42 Prozent wollen ihre Mitarbeiterzahl unverändert lassen.

Trotz des hohen Personalbedarfs blicken gerade die Manager der Großunternehmen pessimistischer in die Zukunft als die der kleinen und mittleren. Insgesamt erwarten 21 Prozent aller Führungskräfte, dass sich die Standortbedingungen in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern werden - das ist ein kleinerer Anteil an Pessimisten als in den vergangenen Monaten. In den Großunternehmen ist die Skepsis weit größer: 39 Prozent gehen davon aus, dass sich die Bedingungen für ihre Geschäfte verschlechtern werden.


Tabelle  Infografik: Die wichtigsten Ergebnisse des Handelsblatt Business-Monitors


Die Skepsis hat ihre Berechtigung, meint Elga Bartsch von Morgan Stanley. Nicht nur, dass die globalen Risiken nicht zu unterschätzen seien. "Es zeichnet sich im bereits beginnenden Wahlkampf obendrein die Gefahr ab, dass das politische Pendel weiter nach links schwenkt und die Unternehmen sich mittelfristig über die Standortbedingungen mehr Sorgen machen müssen", sagt sie.

Eine Erklärung für den pessimistischeren Ausblick der Großkonzerne liefert auch ihre deutlich bessere Einschätzung der aktuellen Lage. Während insgesamt mehr als 80 Prozent der Unternehmen die Standortbedingungen als "gut" oder "eher gut" beurteilen, sagen das 97 Prozent der Großunternehmen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Zuletzt besucht / gesucht

Anzeige

WACHSTUMSPROGNOSEN

Deutschlanddie Wachstumsprognosen für Euro-Zonedie Wachstumsprognosen für USAdie Wachstumsprognosen für Japan

Veränderung des realen BIP zum Vorjahr in %

WACHSTUMSPROGNOSEN DEUTSCHLAND

2009 2008
Consensus Economics 0,3 1,7
Sachverständigenrat 0,0 1,7
IWF -0,8 1,7
EU-Kommission 0,0 1,7
Bundesregierung 0,2 1,7
Herbstgutachten der Institute 0,2 1,8
OECD 1,1 1,5