Politik

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Clown-Debatte: Steinbrück mischt die Twitter-Gemeinde auf

Auf Twitter tauschen Politiker Spötteleien über Steinbrücks Clown-Äußerungen aus. Einige werfen ihm vor, er bringe damit Deutschland in Verruf - andere, er ziehe den guten Namen ehrbarer Clowns in den Schmutz.

Clowns oder Berlusconi: Twitter diskutiert, für wen Peer Steinbrücks Vergleich die größere Beleidung ist. Quelle: dpa
Clowns oder Berlusconi: Twitter diskutiert, für wen Peer Steinbrücks Vergleich die größere Beleidung ist. Quelle: dpa

DüsseldorfIst es nun eine auf dem diplomatischen Parkett ungehörige Schmähung, Silvio Berlusconi einen Clown zu nennen, oder eine handfeste Beleidigung aller Vertreter der ehrbaren Zunft der Zirkusunterhaltung? Das Internet ist uneins und diskutiert eifrig über Peer Steinbrücks Äußerungen über den italienischen Ex-Ministerpräsidenten.

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Der FDP-Politiker Volker Wissing taufte den sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten „Peerlusconi“ und es schien, als würde Steinbrücks Spott wie ein Boomerang auf ihn zurück fallen. Und auf Twitter hat Wissing auch noch einige Spitzen parat: Das Wort „Klartext" sei sozialdemokratisch und bedeute "Stammtisch". Von CDU-Politiker Jens Spahn kommt Zuspruch: „#Peerlusconi – finde ich gut. Hehe“. Ausgerechnet die „tageszeitung“, sonst eher selten auf einer Linie mit den Liberalen zollt Wissing für den Spitznamen Respekt und twittert Komplimente.

 

Rüffel für Steinbrück Clown-Vergleich finden Italiener gar nicht lustig

Mit seinen Aussagen hat Peer Steinbrück die Italiener gegen sich aufgebracht. Die Medien schimpfen über den Clown-Vergleich des SPD-Kanzlerkandidaten und Staatspräsident Napolitano weist ihn öffentlich zurecht.

Twitternde Politiker anderer Lager aber springen Steinbrück bei. Oder vielmehr den Clowns, deren Beruf sie mit Inbrunst verteidigen. Dessen guter Name zum Beispiel in den Augen des Grünen-Politikers Volker Beck in Verruf gerate, wenn Berlusconi so genannt wird.

 

Ralf Stegner, Mitglied im SPD-Bundesvorstand, sieht in der Clownerie eine hohe Kunstform, von dem dafür nötigen Können könne bei Berlusconi keine Rede sein. „Die sogenannte „politische Korrektheit" nimmt Formen an, die hysterisch anmuten“, twittert er.

Steinbrücks Hintermannschaft

  • Kleines Team von Vertrauten

    SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein kleines Team von Vertrauten um sich geschart, die ihn beraten sollen – und die Krisenmanagement betreiben müssen, wenn der Kandidat mit seinen lockeren Sprüchen für Wirbel sorgt. Zum Teil gehörten Steinbrücks Berater bereits zum engen Kreis um Altkanzler Gerhard Schröder und Ex-Parteichef Franz Müntefering.

  • Andrea Nahles

    Nach Kompetenzgerangel übernimmt Generalsekretärin Andrea Nahles die Hauptverantwortung für die gesamte Wahlkampagne. Enge Vertraute Steinbrücks verlieren bisherige Zuständigkeiten. Steinbrücks Kampagnenleiter Heiko Geue wird von einigen im Willy-Brandt-Haus kritisch beäugt.

  • Rolf Kleine

    Rolf Kleine ist ein alter Hase des Berliner Politikbetriebs. Der gelernte Redakteur arbeitete lange in verschiedenen Positionen für die „Bild“-Zeitung. Ende 2011 verließ er den Springer-Konzern, um als Head of Public Affairs die politische Kommunikation des Immobilienkonzerns Deutsche Annington zu verantworten. Rolf Kleine ist 52 und gilt als meinungsstark, erfahren und gut vernetzt.

    Kleine arbeitete unter anderem bei den „Westfälischen Nachrichten“, der Nachrichtenagentur ddp und der „Berliner Zeitung“. Insgesamt 17 Jahre schrieb er für Springer, zuletzt mehrere Jahre vor seinem Ausscheiden als Co-Leiter des Hauptstadtbüros. „Bild“ hatte damals mitgeteilt, Kleine gehe auf eigenen Wunsch.

    Kleine war regelmäßig Gast in Talkshows und Fernsehmagazinen, so auch bei N24 im „Politischen Quartett“. Titel einer Jubiläumssendung vor fast genau 10 Jahren, im April 2003: „Lust am Untergang - Stürzt die SPD ihren Kanzler?“ Die Deutsche Annington, die Kleine nun wieder verlässt, gehört nach eigenen Angaben mit rund 180 000 eigenen Wohnungen und etwa 2400 Mitarbeitern zu den führenden deutschen Wohnungsunternehmen.

  • Hans-Roland Fäßler

    Der Medienprofi gilt als sehr gut vernetzt. Anders als Donnermeyer ist er nicht in der Parteizentrale angesiedelt, sondern soll von außen Steinbrück den Weg zu führenden Medienvertretern ebnen. Fäßler war erst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dann für die Medienkonzerne Gruner & Jahr und Bertelsmann tätig. Zu seinen Freunden zählt der frühere Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, der inzwischen nicht mehr der SPD angehört. Fäßler soll hinter dem verunglückten Internetportal „PeerBlog" gestanden haben.

  • Matthias Machnig

    Thüringens Wirtschaftsminister gilt als einer der wichtigsten politischen Berater Steinbrücks. Machnig leitete 1998 und 2002 erfolgreich die Wahlkämpfe Gerhard Schröders. Auch mit Müntefering arbeitete er eng zusammen, als dieser erst Generalsekretär und später dann Parteichef war. Nach 2002 war Machnig zeitweise für die Consulting-Firma BBDO tätig, die zahlreiche deutsche Konzerne berät, später für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton. Auch Machnig arbeitet als externer Ratgeber für Steinbrück, weswegen er sein Regierungsamt in Erfurt weiter ausübt.

  • Heiko Geue

    Heiko Geue ist Steinbrücks Kampagnenleiter. Wegen dieser Funktion ließ er sich von seinem bisherigen Posten als Finanzstaatssekretär in Sachsen-Anhalt beurlauben. Ein Rückkehrrecht ist jedoch rechtlich umstritten. Auf Veranlassung von Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) verlor Geue daher seinen Job. In der Ära Schröder war Geue einer der Architekten der Agenda 2010 gewesen. Damals war er unter anderem als persönlicher Referent von Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier tätig. In der Zeit der großen Koalition koordinierte Geue den Leitungsstab des Bundesfinanzministeriums für den damaligen Ressortchef Steinbrück. Geue ist mit Steinbrücks Büroleiterin Sonja Stötzel liiert.

  • Timo Noetzel

    Der Politikwissenschaftler gehört seit Anfang Februar zu Steinbrücks Mannschaft. Noetzel soll für den Kandidaten kampagnenfähige Themen identifizieren. Er war bisher Leiter des Politik- und Analysestabs der Münchner Sicherheitskonferenz sowie Vorstandsmitglied der Berliner Denkfabrik „Stiftung neue Verantwortung".

  • Torsten Schäfer-Gümbel

    Steinbrück selbst nennt den hessischen SPD-Chef als Berater in Finanzmarktfragen. Der eher dem linken Parteiflügel zugerechnete „TSG" gehört aber wohl nicht zum engeren Umfeld des Kandidaten.

  • Jarmila Schneider

    Mit ihr gehört neuerdings auch eine Frau zu Steinbrücks Beraterstab. Jarmila Schneider unterstützt seit Mitte Februar als zweite Pressesprecherin den Hauptsprecher Donnermeyer. Sie war bisher Sprecherin der bayerischen SPD.

Scheinheiligkeitsvorwürfe kommen auch von Lars Klingbeil: „Viele von denen, die sich jetzt über "clown" aufregen fordern bald wieder Politiker mit Ecken und Kanten“, schreibt der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

Ulrich Kelber zitiert ein Lied von Pink und spöttelt, Italien sei „full of evil clowns“, also voll mit bösen Clowns - wenn er die Textzeile auch falsch Lady Gaga zuordnet.

Viele Follower haben wenig übrig für kleine Sticheleien und wollen lieber ernsthaft diskutieren. Ob das Zitat als offizielle Stellungnahme zu verstehen sei, fragt ein italienischer Journalist den SPD-Politiker Kelber. Der reagiert zuerst nur mit einem Smiley, verneint schließlich aber. „Halten Sie es für einen potenziellen Kanzler für klug, Leute zu beleidigen, mit denen er ev. zusammenarbeiten müsste?“, wird Stegner gefragt. Der aber bleibt dabei, dass Clown für Berlusconi „milde“ sei.
Während also die Frage diskutiert wird, ob der Kanzlerkandidat nun zu forsch oder noch nicht deutlich genug vorgegangen ist, dürfte sich vor allem eine Gruppe freuen: die Clowns.

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