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22.05.2008 
Kann Gesine Schwan Horst Köhler stürzen?

Antikommunistin der Linken

von Donata Riedel

Einst hatte Gesine Schwan die SPD für deren freundlichen Umgang mit kommunistischen Regimen kritisiert - heute könnte ausgerechnet die Linkspartei dabei helfen, dass sie Deutschlands erste Bundespräsidentin wird.

Hat durch ihre offene Art viele Sympathien gewonnen: Gesine Schwan. Foto: apLupe

Hat durch ihre offene Art viele Sympathien gewonnen: Gesine Schwan. Foto: ap

BERLIN. Willy Brandt wäre wohl äußerst verwundert, würde er die Kandidatenkür von Gesine Schwan für die Bundespräsidentenwahl noch miterleben. Es war Brandt, der Anfang der 80er-Jahre öffentlich Schwans späteren Rausschmiss aus der SPD-Grundwertekommission forderte. Schwan hatte damals kritisiert, dass die SPD zu freundlich mit kommunistischen Regimen umgehe. Heute sind es die SPD-Linken, die Schwan wohl am Montag als Bundespräsidentenkandidatin durchsetzen werden - gegen den rechten Seeheimer Kreis, den Schwan einst mitgründete. Falls sie überhaupt eine Chance auf das Amt hat, dann nur mit den Stimmen auch jener Linkspartei, in der die wenigen verbliebenen Kommunisten Deutschlands ihre Heimat gefunden haben.

In der SPD hoffen ihre Unterstützer auf eine Neuauflage des Bundespräsidentenwahlkampfs von 2004, als Schwan durch ihre offene und herzliche Art viel Sympathie und am Ende zwölf Stimmen auch aus dem schwarz-gelben Lager gewann. Sie stehe für Vertrauen in Politik und Demokratie. "Sie wird der deutschen Debatte um Politikverdrossenheit guttun", sagen ihre sozialdemokratischen Unterstützer. Vor allem bei den Frauen findet sie flügelübergreifend Rückhalt. So sprachen sich nach der linken SPD-Vizechefin Andrea Nahles auch die rechte Schatzmeisterin Barbara Hendricks und die zur Mitte zählende NRW-Landesvorsitzende Hannelore Kraft für ihre Kandidatur aus.

Köhlers Beliebtheit wird Schwan kaum schrecken. Oft ist sie aus einer scheinbar chancenlosen Position in den Wettbewerb gezogen - und es hat ihr nie geschadet. Als sie 1999 als Außenseiterin für die Präsidentschaft der Freien Universität Berlin antrat, verlor sie zwar. Sie verschaffte aber der FU, die nach der Wiedervereinigung gegenüber der Humboldt-Uni ins Hintertreffen geraten war, neue Aufmerksamkeit. Schwan selbst wurde statt in Berlin dann in Brandenburg zur Präsidentin der Europauniversität Viadrina in Frankfurt/Oder ernannt. Die internationale Universität an der Grenze zu Polen wurde unter ihrer Führung von einer finanzklammen Staatsuni umgewandelt in eine Stiftung, die nun Geld vom Land Brandenburg und der Wirtschaft erhält: Sie bleibt damit eine internationale Hochschule und bietet mehrsprachige Studiengänge vor allem für deutsche und polnische Studenten an.

Als Brückenbauerin nach Polen blieb Schwan nach dem Regierungswechsel auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine wichtige Stütze. Die Katholikin Schwan hatte einst in Krakau und Warschau studiert, sie spricht neben Englisch und Französisch auch fließend Polnisch. Ihr Thema war stets die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit. In der SPD setzte sie sich gegenüber dem Ostblock für eine Politik ein, die sich auf die Demokratiebewegungen dort stützte. Im Frühjahr 1996 machte die SPD wieder ihren Frieden mit der hartnäckigen Professorin und wählte sie erneut in ihre Grundwertekommission.

Köhler verkündete seine erneute Kandidatur nun ausgerechnet an ihrem 65. Geburtstag. Vor wenigen Wochen redete Schwan noch vom Rückzug ins ruhige Privatleben, weil ihre Amtszeit an der Uni im Sommer endet. Das glaubte ihr auf dem rechten SPD-Flügel schon da niemand: Sie habe ihre erneute Kandidatur aktiv betrieben, hieß es aus dem Seeheimer Kreis.

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