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17.12.2007 
Klimakonferenz in Bali

Bejubelter bad guy, weinender good guy

von Klaus Stratmann

Am Samstag ging eine der dramatischsten Runden in der Geschichte der Klimakonferenzen zu Ende: Ausgerechnet der "bad guy" der Verhandlungsrunde sorgte nach teils chaotischen Zuständen für einen versöhnlichen Schluss. Tagelang hatte es so ausgesehen, als könne die Konferenz scheitern - zu unterschiedlich waren die Positionen von USA und Europa.

Umweltminister Sigmar Gabriel bei der Weltklimakonferenz in  Bali. Foto: dpaLupe

Umweltminister Sigmar Gabriel bei der Weltklimakonferenz in Bali. Foto: dpa

NUSA DUA. Auch eine Frau kann ausnahmsweise ein "bad guy" sein. Wie etwa Paula Dobriansky, die Chefunterhändlerin der USA bei der Weltklimakonferenz auf Bali. Für knapp zwei Wochen steht sie in den Augen aller Klimaschützer als der Bösewicht da. Sie weist ab und blockiert, schüttelt den Kopf und gibt sich unnachgiebig. Doch von einer Sekunde zur anderen wird sie zum Star von Bali. Es ist Samstag, kurz nach 14 Uhr. Dobriansky sagt den entscheidenden Satz: "Lassen Sie mich sagen, dass wir mitgehen und uns der Einigung anschließen." Die Weltklimakonferenz ist gerettet. Dobriansky setzt mit diesem Bekenntnis den Schlusspunkt unter einen dreißigstündigen Verhandlungsendspurt und macht eine ganz neue Erfahrung: Ihr schlägt auf einer Weltklimakonferenz Begeisterung entgegen. Die Teilnehmer quittieren ihr Einlenken mit Jubel.

Tagelang hatte es so ausgesehen, als könne die Konferenz scheitern. Zu weit lagen die Positionen der USA und der Europäer auseinander. Zu oft hatten die Mitglieder der US-Delegation deutlich gemacht, dass sie jede Festlegung auf Minderungsziele für Treibhausgase ablehnen. Und dann noch das reine Chaos der letzten Stunden. Schon die Nacht von Freitag auf Samstag verläuft chaotisch. Auf den Gängen des Westin-Hotels in Nusa Dua verfolgen Journalisten, Delegationsmitglieder und Umweltschützer erstaunt die teils erratischen Prozesse. Per SMS erreichen einzelne Nachrichten aus den Verhandlungsrunden die Wartenden draußen auf den Fluren und in der Lobby. Um drei Uhr morgens werden die Gespräche unterbrochen, um acht Uhr am Samstagmorgen geht es weiter.

Christoph Bals, Klima-Experte der Umweltorganisation Germanwatch und einer der Veteranen des Klimaschutzthemas, wird nachher sagen, es sei eine der dramatischsten Runden in der Geschichte der Klimakonferenzen gewesen. Tatsächlich geraten die Dinge zwischendurch aus den Fugen. So etwa, als sich der Chef des Weltklimasekretariats, Yvo de Boer, dem Vorwurf der chinesischen Delegation ausgesetzt sieht, er habe das Geschehen nicht mehr im Griff. De Boer, einer der unumstrittenen "good guys" des Klimaschutzprozesses, verliert die Nerven, legt die Hände vors Gesicht, bricht in Tränen aus und verlässt das Podium. Später entschuldigen sich die Chinesen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ban Ki Moon greift ein.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon greift schließlich persönlich ins Geschehen ein. Am Mittwoch hatte er die Ministerrunde der Konferenz eröffnet und das Thema Bali damit für sich abgehakt. Doch dann bricht er einen Besuch in Osttimor ab und redet den Delegierten am Samstag ins Gewissen. Und auch Indonesiens Präsident Susilo Bambang Yudhoyono richtet noch einen dramatischen Appell an die Teilnehmer.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ist gegen Ende der Verhandlungen sichtlich genervt: "Hier muss jetzt dringend mehr Autorität her", sagt er. Das ausufernde Taktieren einzelner Delegationen sei nicht mehr vermittelbar. Angesichts so mancher Taschenspielertricks müsse man sich nicht wundern, "wenn die Leute sagen: Habt ihr sie eigentlich noch alle?"

Doch zum Schluss ist Gabriel zufrieden. Länger hätten die Verhandlungen, die eigentlich schon am Freitag zu Ende gehen sollten, allerdings auch nicht dauern dürfen. Der Rückflug des Ministers ist für Samstagabend gebucht. Am Ende bleibt ihm sogar noch etwas Zeit zum Entspannen: "Ich gehe jetzt irgendwo schwimmen", sagt Gabriel zum Schluss - und verschwindet.

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