Sein Vorbild ist Los Angeles: Auch seine "Zero Toleranz"-Politik hat Johnson der amerikanischen Metropole und dessen Polizeichef Bill Bratton abgeguckt. Mit Mayor Johnsons erstem Dekret wurde gestern Alkoholkonsum und das "Tragen offener Gefäße mit Alkohol" in Londoner Verkehrsbetrieben verboten. Einschüchternden Pöbel mit Bierdosen soll es hier nicht mehr geben.
Gleich am ersten Tag fuhr Johnson ins East End, wo die sozialen Brennpunkte sind, und legte seinem neuen Verantwortlichen für Jugendpolitik, Ray Lewis, den Arm um die Schulter. Der in Guyana geborene Schwarze, der es in England zum Gefängnisdirektor brachte, soll einen Kampf gegen Bandenkriege führen. Nur Stunden nach Johnsons Wahlsieg wurde der zwölfte Teenager in London mit einem Messerstich getötet.
"Wir brauchen nicht mehr Polizei, mehr Gefängnisse und noch mehr Jugendpsychologen. Wir brauchen Menschen, die in der Sprache der Bandenmitglieder sprechen", lautet Lewis' Rezept. Er betreibt im East End eine "Leader Academy" für gefährdete Jugendliche. "Es gibt zu viele Schwarze vor Gericht und zu wenige in Firmenvorständen", sagt er. Lewis will die "angeborene Führungsqualität" von Bandenführern ins Positive wenden; sein Projekt soll Vorbild für 100 neue "Respektschulen" in London werden, die Jugendliche von der Straße locken sollen.
London wird nun so etwas wie ein Versuchslabor für eine kommende Tory-Regierung. Aber viele warten darauf, dass der neue Perikles scheitert und Tory-Chef David Cameron möglichst mit in den Untergang zieht. "Boris hatte einen unheimlich starken Start", freut sich Cameron. Aber dann zieht er sich vorsichtshalber schon einmal aus der Schusslinie: "Boris ist unabhängig. Es ist sein Amt, sind seine Entscheidungen, seine Ernennungen."


