Dimas ficht das nicht an. Er glaubt, dass die EFSA-Wissenschaftler die Risiken der beiden Genmais-Sorten zu wenig geprüft haben. Bt11 und 1507 produzieren ein Gift gegen Schädlinge, die sich im Inneren des Maiskolbens einnisten. Denkbar sei, dass dieses Gift auch andere Insekten schädige, etwa die Raupe des Monarch-Schmetterlings, heißt es in zwei Vorlagen von Dimas für seine Kommissarskollegen. Fazit: Der Anbau der beiden Maissorten darf nicht genehmigt werden.
Noch vor wenigen Monaten seien alle Kommissare gegen die Ablehnung gewesen, bekannte Dimas jüngst freimütig. Doch inzwischen, so glaubt er, habe die Mehrheit ihre Position geändert und unterstütze ihn.
Sicher ist das aber nicht. Denn von höchster Stelle bekommt Dimas Gegenwind. Das Barroso unterstellte Generalsekretariat empfiehlt in internen Vorlagen für die Sitzung, "zum jetzigen Zeitpunkt" keine Entscheidung gegen die beiden Maissorten zu treffen. Sollte es neue wissenschaftliche Erkenntnisse gegen die Zulassung geben, müsse darüber zunächst die EFSA befinden, heißt es dort. Zudem seien negative Folgen für Europas Viehzüchter zu erwarten, wenn genverändertes Futter nicht angebaut werden dürfe und deshalb die Preise steigen.
Doch auch Dimas hat sich munitioniert, die bedrohten Schmetterlinge sind für ihn nur der Aufhänger einer Grundsatzkritik: 58 Prozent der Bürger Europas seien laut einer aktuellen Umfrage gegen die Nutzung genmanipulierter Pflanzen, dies müsse die EU ernst nehmen, wolle sie nicht weiter an Glaubwürdigkeit verlieren, argumentiert der Umweltkommissar.
Am Ende könnte die Haltung Barrosos über das Schicksal der beiden Maissorten entscheiden. Der hält sich bisher zwar bedeckt, doch einen Sieg hat Dimas bereits in der Tasche. Die deutsche BASF soll vorerst keine Freigabe für den Anbau ihrer Gen-Kartoffel Amflora bekommen. Vielmehr soll die EFSA nochmals eingehend die Risiken prüfen. Die Kommission hofft, dass ihr damit eine endgültige Entscheidung bis zum Ende ihrer Amtszeit erspart bleibt.


