0 Bewertungen
07.12.2007 
Reformzeitplan

Eine peinliche Bescherung

von Karl Doemens

Hektik in der Regierungskoalition: Die drei Großprojekte Arbeitslosengeldverlängerung, Post-Mindestlohn und Zwangsrentenschutz wurden publikumswirksam zum 1. Januar 2008 versprochen. Doch bisher fehlen die gesetzlichen Grundlagen, eine Verschiebung droht.

Hat einen harten Jahresendspurt vor sich: Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD). Foto: dpaLupe

Hat einen harten Jahresendspurt vor sich: Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD). Foto: dpa

BERLIN. Alle Jahre wieder dasselbe Phänomen: Erst zieht sich der graue November gaaaaaanz lang hin. Und dann stehen plötzlich die Festtage vor der Tür. Den Koalitionären in Berlin geht es nicht anders. Gerade noch haben sie auf ihren Parteitagen kräftig aufeinander eingeprügelt. Da flattert den Kabinettsmitgliedern die Einladung zur Weihnachtsfeier mit Angela Merkel auf den Tisch: Am Abend des 18. Dezember wird im achten Stock des Kanzleramts eine Gans aufgetischt.

Zwei Tage später tagt noch einmal der Bundesrat. Unmittelbar danach wollen die schwarz-roten Politiker in ihre Wahlkreise oder den Winterurlaub entschwinden. Doch bislang sind die Weihnachtsgeschenke weder bezahlt noch eingepackt: Post-Mindestlohn, längeres Arbeitslosengeld I für Ältere und Schutz vor Zwangsverrentung wurden dem Wahlvolk zwar publikumswirksam zum 1. Januar 2008 versprochen, haben bislang aber keine gesetzliche Grundlage.

Entsprechend groß ist derzeit vor allem bei der SPD-Fraktion und im Hause von SPD-Arbeitsminister Olaf Scholz die Hektik. Zu spät: Wahrscheinlich muss ein großer Teil der Bescherung im neuen Jahr nachgeliefert werden. Die Verwaltungsleiter der Fraktionen verabredeten gestern nach Informationen des Handelsblatts bereits einen Fahrplan, dem zufolge die Verlängerung des Arbeitslosengeldbezugs und die Zwangsrenten-Regelung erst Mitte Januar 2008 vom Bundestag beschlossen werden. Der Bundesrat könnte dann erst am 15. Februar zustimmen.

Vor der Volksbeglückung nämlich steht die Gesetzestechnik, die parlamentarische Abläufe und Fristen vorschreibt. Im Grunde hätte die Koalition drei Möglichkeiten, ihre drei Projekte zum Mindestlohn, zum Arbeitslosengeld und zum Zwangsrenten-Schutz noch vor dem Jahreswechsel unter Dach und Fach zu bringen:

Variante 1: Arbeitslosen- und Zwangsrenten-Regelung werden per Änderungsantrag an das Entsendegesetz angehängt, das bereits seit Oktober im Bundestag schmort. Dann könnte am nächsten Donnerstag der Bundestag das Gesamtpaket unter Dach und Fach bringen. Nachteil: Das Hoppla-hopp-Verfahren wäre rechtlich etwas heikel. Die Union stellte sich deshalb quer.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zwei weitere Szenarien

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Die Konkurrenz für Obama und McCain

    Die Konkurrenz für Obama und McCain

    Barak Obama und John McCain – diese Namen kennt mittlerweile jeder. Kein Wunder, denn nie war der Rummel um die US-Präsidentschaftswahl größer. Doch wissen Sie eigentlich, wer sich neben Obama und McCain noch um das höchste Amt der Vereinigten Staaten bewirbt? Bildergalerie 

  • Die Verlierer bei Bundespräsidentenwahl...

    Die Verlierer bei Bundespräsidentenwahlen

    Die Wahl des Kandidaten der Partei Die Linke, Peter Sodann, zum dreizehnten Bundespräsidenten ist unwahrscheinlich. Auch in der Vergangenheit gab es wenig aussichtsreiche Kandidaturen. Die Liste der Verlierer ist lang und beinhaltet namhafte Persönlichkeiten. Doch eini...Bildergalerie 

  • So will Deutschland die Banken retten

    So will Deutschland die Banken retten

    Eine Katastrophennachricht jagt die nächste und auch den Politikern in Deutschland ist inzwischen klar geworden, dass Versprechungen allein die Finanzkrise nicht aufhalten können. In einer Dringlichkeitssitzung beschloss das Bundeskabinett, der Finanzbranche mit fast e...Bildergalerie 

vor