Variante 2: Das Entsendegesetz mit dem Post-Mindestlohn wird separat in der nächsten Woche verabschiedet. Das Kabinett tagt schon am Dienstag (statt am Mittwoch) und beschließt ein eigenes Arbeitslosen- und Zwangsrentengesetz. Am Mittwoch würde der Bundestag erstmals beraten, am Donnerstag die Ausschüsse, und am Freitag könnte dieses Paragrafenwerk im Turbo-Gang verabschiedet werden. Das ginge freilich nur, wenn die Opposition auf eine Anhörung verzichtete.
Variante 3: wie oben. Allerdings mit regulären Fristen. Die abschließende Lesung könnte dann zwischen dem 17. und 20. Dezember erfolgen. Dazu wäre eine Sondersitzung des Bundestags erforderlich.
Die SPD hätte den zweiten Weg favorisiert. Auch die Fachpolitiker der Union hatten sich darauf eingerichtet. Doch nach einer Besprechung der zuständigen Verwaltungsleiter aller Bundestagsfraktionen standen die Zeichen gestern plötzlich auf Rot: kein Schweinsgalopp bei Arbeitslosengeld und Zwangsverrentung. Angeblich, so hieß es in Koalitionskreisen, habe die FDP auf einer Anhörung bestanden. "An uns liegt es nicht", dementierte FDP-Experte Heinrich Kolb entschieden.
Wahrscheinlicher ist in der Tat, dass das Reizklima zwischen den Koalitionspartnern elegante Doppelpässe zum Austricksen der Opposition zunehmend unmöglich macht. Teilnehmer berichten jedenfalls, das Mienenspiel in der Runde habe Bände gesprochen: Während der Unionsvertreter die Verzögerung mit Schadenfreude quittiert habe, sei der SPD-Mann sauer gewesen. Am Ende wurde verabredet: Das Entsendegesetz soll am 14. Dezember vom Bundestag verabschiedet werden. Wenn der Bundesrat am 20. Dezember keinen Einspruch erhebt, kann Scholz fristgerecht den Post-Mindestlohn per Verordnung in Kraft setzen.
Die beiden anderen Vorhaben - das längere Arbeitslosengeld und der Zwangsrenten-Schutz - sollen jedoch am 14. Dezember vom Bundestag nur in erster Lesung behandelt werden. "Wir wollen ein seriöses Gesetzgebungsverfahren für eine schwierige Materie", beharrte gestern CDU/CSU-Fraktionssprecherin Christiane Schwarte. Die Verabschiedung würde sich damit auf Januar verschieben.
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", feixt bereits die Opposition. Vergeblich hatte sie schon vor vielen Monaten auf eine Regelung der absehbaren Zwangsrenten-Problematik gedrängt. Noch will sich die SPD mit der peinlichen Panne nicht abfinden. Die Fraktionsspitze dringt auf eine Sondersitzung des Bundestags vor Weihnachten. "Das muss", so heißt es, "jetzt politisch entschieden werden."


