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20.05.2008 
Neuer Staatssekretär

Finanzbeamter in Nadelstreifen

von Sven Afhüppe

Die Unionm wollte ihn verhindern, aber am Ende hat er seinen Posten bekommen: Jörg Asmussen wird neuer Staatssekretär im Finanzministerium. Der 41-jährige steigt damit zum mächtigen Mann hinter Steinbrück auf - und macht sich schon Gedanken über die nächste Karrierestufe.

BERLIN. Am Ende mussten die Störenfriede aus der Union doch klein beigeben. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) wird in diesen Tagen seinen Abteilungsleiter Jörg Asmussen zum Nachfolger von Thomas Mirow ernennen und zum beamteten Staatssekretär für Finanzmarkt- und Währungspolitik befördern. Mit 41 Jahren ist Asmussen dann der jüngste Staatssekretär der Bundesregierung. "Die neue Aufgabe ist eine große Herausforderung für mich. Persönlichkeiten wie Horst Köhler und Jürgen Stark waren auch einmal Finanzstaatssekretäre. Das ist ein zusätzlicher Ansporn, mich mit ganzer Kraft der neuen Aufgabe zu widmen", sagt Asmussen.

Ein Selbstläufer war die Beförderung des Senkrechtstarters auf den Stellvertreterposten des Finanzministers allerdings nicht. Mehrere Unionspolitiker versuchten, Asmussens Karrieresprung zu verhindern. Grund ist die für den Steuerzahler teure Beinahe-Pleite der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, in deren Aufsichtsrat Asmussen die Bundesregierung vertritt. Die Kritiker aus den Reihen der Union behaupten, Asmussen hätte von den gefährlichen Immobiliengeschäften der Bank wissen und diese als Aufsichtsrat unterbinden müssen.

Obwohl Asmussen bisher kein persönliches Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte, droht die Opposition mit einem Untersuchungsausschuss, sollte das Bundesfinanzministerium einen umfassenden Fragenkatalog nicht beantworten. Opposition wie Union stört, dass Asmussen nicht nur IKB-Aufsichtsrat ist, sondern auch Mitglied im Verwaltungsrat der Bafin, die die Banken in Deutschland überwacht. Aus einer solchen Ämterkombination lässt sich leicht ein Interessenkonflikt ableiten. "In einer solchen Position hat man nicht nur Freunde", zeigt sich Asmussen gelassen.

Ins Finanzministerium kam der gebürtige Flensburger 1996. Damals hieß der Kanzler noch Helmut Kohl und der Finanzminister Theo Waigel. Dass er in einem unionsgeführten Ministerium diente, störte keinen der späteren drei SPD-Finanzminister. Oskar Lafontaine machte ihn zum persönlichen Referenten des damaligen Staatssekretärs Heiner Flassbeck, Hans Eichel beförderte ihn schließlich bis zum Abteilungsleiter für nationale und internationale Finanzpolitik. Steinbrück bleibt es schließlich vorbehalten, Asmussen den Ritterschlag für Karrierebeamte zu verpassen und ihn zum Staatssekretär zu ernennen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Designerbrillen und gute Bücher

Trotz seines noch jungen Alters verlässt sich Steinbrück bei fast allen wichtigen Themen auf den gelernten Volkswirt, der nicht nur über sperrige Themen wie Zinsswaps, IWF-Quoten und Basel-II auf Knopfdruck Vorträge halten kann, sondern zudem ein talentierter Netzwerker ist - national und international. Mit Merkels Wirtschaftsberater Jens Weidmann etwa koordiniert Asmussen zentrale Fragen der Finanzpolitik. Wie für einen Beamten typisch, erledigt er seine Arbeit stets diskret. "Mein Ziel ist es, möglichst im Hintergrund und sehr effizient dem Finanzminister den Rücken frei zu halten."

Dabei wirkt der künftige Finanzstaatssekretär auf den ersten Blick nicht gerade wie der typische Staatsdiener. Asmussen trägt mit Vorliebe Designerbrillen und teure Nadelstreifenanzüge. Der Vater einer eineinhalbjährigen Tochter rollt fast täglich mit dem Fahrrad ins Ministerium, joggt regelmäßig im Volkspark Friedrichshain und freut sich über jedes gute Buch - auch wenn meist die Zeit zum Lesen fehlt.

Daran wird sich in der nächsten Zeit kaum etwas ändern. Und noch bevor er als Staatssekretär richtig angefangen hat, macht er sich Gedanken, was der nächste Karriereschritt sein könnte. "Im Anschluss wäre später einmal aber auch die Arbeit in der EU-Kommission oder in einer internationalen Organisation ganz sicher eine spannende Herausforderung", verrät Asmussen.

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