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13.05.2008 
Gesetzesinitiative für Besetzung von Aufsichtsräten

Kein Platz für Quotenfrauen

von Sven Prange

BERLIN. Ansgar Gabrielsen hat das Zeug zum Frauenhelden. Zwar schaut der norwegische Ex-Wirtschaftsminister ein wenig mürrisch, ein paar Kilo weniger täten ihm auch gut - dennoch schmelzen viele Frauen dahin, wenn er über eines seiner Lieblingsthemen redet. Denn Gabrielsen hat in Norwegen geschafft, was in Deutschland bislang nicht gelungen ist: Er hat den Frauenanteil in Unternehmensspitzen erhöht.

Geht es nach der Grünen-Fraktion im Bundestag, passiert das auch hier zu Lande. Sie hat eine entsprechende Gesetzesinitiative gestartet, weil Frauen mit einem Anteil von sieben Prozent in deutschen Aufsichtsräten nur wenig vertreten sind. Eine der wenigen Ausnahmen ist Simone Bagel-Trah, designierte Nachfolgerin von Albrecht Woeste als Chef von Aufsichtsrat und Gesellschafterausschuss von Henkel, die wie er zur großen Henkel-Familie gehört.

Wie sich die Zahl der Frauen in deutschen Aufsichtsräten erhöhen ließe, zeigt der norwegische Weg: Der konservative Gabrielsen hat 2003 gesetzlich geregelt, dass 40 Prozent der norwegischen Aufsichtsratssitze mit Frauen besetzt sind. Seit vergangenem Jahr ist diese Quote erfüllt, während vor fünf Jahren 75 Prozent der Unternehmen überhaupt keine Frau im Aufsichtsrat hatten. "Für mich war das ein Verlust an Ressourcen, sowohl für die Aktiengesellschaften als auch für die Gesellschaft als Ganzes", sagt Gabrielsen.

Irmingard Schewe-Gerigk kann ihre Zustimmung kaum verbergen, wenn sie dem Norweger zuhört. Die parlamentarische Geschäftsführerin hat die Grünen-Initiative gestartet. "Deutschland hat erhebliche Defizite in Sachen Gleichstellung in der Privatwirtschaft", hat sie in den Antrag geschrieben. Das Aktiengesetz will sie daher ändern. Unternehmen, die die Quote nicht erfüllen, sollen die Börsenzulassung verlieren.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Geduld ist am Ende.

Der drastische Ansatz zeigt, dass die Geduld von Frauenpolitikern am Ende ist. Das Thema beschäftigt die Politik seit langem. Zuletzt scheiterte 2001 die damalige Frauenministerin Christine Bergmann (SPD) mit einem ähnlichen Plan. Auch heute spricht einiges gegen die Quote. Entsprechend zurückhaltend sind die anderen Bundestags-Fraktionen.

Patricia Solaro, die das Berliner Büro von Bayer leitet, ist hin und her gerissen, wenn sie den Grünen-Entwurf betrachtet. Einerseits unterstützt sie das Ziel nach Gleichberechtigung, andererseits warnt sie vor Quotenregeln. Die "gläserne Decke", die den beruflichen Aufstieg von Frauen angeblich bremst, hat sie nicht gespürt. Der weibliche Anteil an Führungskräften beim Chemieriesen ist in den vergangenen zwölf Jahren von sieben auf 17 Prozent gestiegen. Eine Quote hält Solaro für falsch: "Weibliche Aufsichtsratsmitglieder werden den Ruf erhalten, ihren Posten einzig und allein dem Geschlecht zu verdanken und nicht ihrer Kompetenz." Und wer will schon als "Quotenfrau" Karriere machen?

Wirtschaftsverbände wie auch Union und FDP lehnen die Quote ab. "Gesetzliche Regelungen führen nur zu weiterer Bürokratisierung und dem Aufbau von Hindernissen für Unternehmen, die Deutschland dringend benötigt", sagt Anne Zimmermann, Leiterin des zuständigen Referats beim Deutschen Industrie und Handelskammertag (DIHK). Die Wirtschaft sieht praktische Hindernisse: Aufsichtsratsmitglieder werden vor allem aus der ersten Führungsebene rekrutiert - dort gibt es in Deutschland aber kaum Frauen. Folglich müssten sie im operativen Geschäft gestärkt werden, bevor man sich über Aufsichtsräte Gedanken mache. Auch da seien freiwillige Lösungen gefragt.

Ansgar Gabrielsen schmunzelt angesichts solcher Argumente. Er kennt sie: "Die norwegische Wirtschaft hat über Jahre versprochen, das Problem freiwillig zu lösen - aber erst die Quote hat es geschafft." Und ihn zum Held für viele Frauen gemacht.

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