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16.05.2008 
Dalai Lama in Deutschland

Lächeln und wohlfühlen? Das war einmal

von Petra Blum und Andreas Rinke

Nicht jeder Politiker zeigt sich in diesen Tagen gern mit dem Dalai Lama. So wird der zweite Besuch des geistigen Oberhauptes der Tibeter in Deutschland überschattet vom Streit der Polit-Prominez über den richtigen Umgang mit dem Gast. Immerhin: Die CDU-Granden Roland Koch, Jürgen Rüttgers und Norbert Lammert kennen keine Berührungsängste.

Der Dalei Lama und der hessische Ministerpräsident Roland Koch treffen nicht zum ersten Mal aufeinander. Foto: dpaLupe

Der Dalei Lama und der hessische Ministerpräsident Roland Koch treffen nicht zum ersten Mal aufeinander. Foto: dpa

BOCHUM, BERLIN In einem winzigen Zimmer im obersten Stockwerk des Residenz-Hotels in Bochum drängeln sich dicht an dicht ausgewählte Kamerateams und Journalisten. Alle warten gebannt auf den Auftritt des Dalai Lama, des religiösen Oberhauptes der Tibeter. Der trifft sich gerade mit einem der höchsten Repräsentanten des deutschen Staates, mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

Nicht nur die tibetischen Proteste, die im März brutal von China unterdrückt wurden und die Menschenrechtsdebatte neu entfachten, sorgen für mediales Interesse. Angefacht wurde dies auch vom Streit in der deutschen Polit-Prominenz, wie man mit dem geistlichen Oberhaupt der von China beherrschten Provinz umgehen soll.

Das weiß auch der Friedennobelpreisträger ganz genau. Deshalb setzt er nun eine seiner schärfsten Waffen ein, als er versteckte politische Kritik austeilt - sein mildes Lächeln. Nein, er wolle keinen Ärger verursachen, kommentiert er die Empfangsdebatte in Deutschland. Er habe Verständnis auch für all jene, die ihn diesmal nicht empfangen wollen - wie Außenminister Frank Steinmeier-Walter (SPD) oder Bundespräsident Horst Köhler. Doch umgehend lobt der Dalai Lama dann doch die deutsche Solidarität für die Anliegen der Tibeter. Das helfe in den Gesprächen mit China sehr.

Auch Richtung Peking, das den Mönch als gefährlichen Separatisten ansieht und deshalb die große Aufwartung in Deutschland bereits kritisiert hat, sendet er eine Mischung aus Beruhigung und Forderung: Mehrfach bekräftigt der Dalai Lama, sein Ziel sei "echte" Autonomie für Tibet, nicht aber eine Unabhängigkeit der chinesischen Provinz. Kurz danach fordert er von China kulturelle und demokratische Selbstbestimmung.

Den politischen Schlagabtausch in der großen Koalition hat sein Lächeln jedenfalls am Donnerstag nicht beendet. Streit gibt es weiter vor allem um die Tatsache, dass ihn mit Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am kommenden Montag in Berlin nun doch ein Regierungsmitglied im Hotel Adlon empfangen wird.

Dem war in den vergangenen Tagen ein langes Ringen innerhalb der Regierung vorausgegangen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte, dass der Dalai Lama zumindest von irgendeinem Regierungsmitglied empfangen wird. Den "Freiwilligen" Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), lehnte sie aber wegen seines sensiblen Postens und der Nähe zum hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) ab - der wiederum langjähriger Freund des Dalai Lamas ist und ihn gestern Vormittag als erster bei seiner Ankunft in Frankfurt empfing.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer Berührungsängste mit dem Religionsführer hat

Schließlich hatte sich Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul bei Merkel angeboten - ohne Wissen von Vizekanzler Steinmeier. Und da es mit der kurzfristigen Terminanfrage beim Dalai Lama hakte, soll ausgerechnet der hessische CDU-Ministerpräsident geholfen haben - was pikant ist, weil Wieczorek-Zeul aus dem linken hessischen SPD-Landesverband Süd stammt.

Nun wird diese von der Union und den Grünen gelobt, aus den SPD-Reihen dagegen kritisiert. "Das ist ihre Verantwortung", sagt Gert Weisskirchen, außenpolitischer Sprecher der SPD. Richtiger sei der Auftritt des Dalai Lama im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages. "Da gehört ein solcher Kontakt sinnvollerweise hin." Ausdrücklich warnt Weisskirchen, eine übertriebene Aufwartung für den Tibeter könne die eigenen Ziele gefährden. "Was nutzt es, wenn in China ein aggressiver Nationalismus noch beschleunigt und befeuert wird?"

Die Gefahren sehen Koch, Lammert und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers offenbar nicht, die am Donnerstag alle auf der Besuchsliste des Dalai Lama stehen und mit ihm demonstrativ gemeinsam vor die Kameras traten. Warum, erklärt der Bundestagspräsident bei dem Treffen in Bochum so: Tibet sei ein exemplarisches Thema. Wo immer um die Verwirklichung von Menschenrechten gekämpft werde, verdiene das die Unterstützung Deutschlands.

Der 72jährige Mönch hört aufmerksam zu und lächelt. Die Mission, dem Anliegen der Tibeter Aufmerksamkeit zu sichern, hat er bereits am ersten Tag der viertägigen Deutschland-Visite erreicht. Abrupt ist der mediale Auftritt nun beendet, blitzschnell ist das Oberhaupt der Tibeter verschwunden - zu seinem nächsten Termin.

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