Schließlich hatte sich Entwicklungshilfeministerin Wieczorek-Zeul bei Merkel angeboten - ohne Wissen von Vizekanzler Steinmeier. Und da es mit der kurzfristigen Terminanfrage beim Dalai Lama hakte, soll ausgerechnet der hessische CDU-Ministerpräsident geholfen haben - was pikant ist, weil Wieczorek-Zeul aus dem linken hessischen SPD-Landesverband Süd stammt.
Nun wird diese von der Union und den Grünen gelobt, aus den SPD-Reihen dagegen kritisiert. "Das ist ihre Verantwortung", sagt Gert Weisskirchen, außenpolitischer Sprecher der SPD. Richtiger sei der Auftritt des Dalai Lama im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages. "Da gehört ein solcher Kontakt sinnvollerweise hin." Ausdrücklich warnt Weisskirchen, eine übertriebene Aufwartung für den Tibeter könne die eigenen Ziele gefährden. "Was nutzt es, wenn in China ein aggressiver Nationalismus noch beschleunigt und befeuert wird?"
Die Gefahren sehen Koch, Lammert und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers offenbar nicht, die am Donnerstag alle auf der Besuchsliste des Dalai Lama stehen und mit ihm demonstrativ gemeinsam vor die Kameras traten. Warum, erklärt der Bundestagspräsident bei dem Treffen in Bochum so: Tibet sei ein exemplarisches Thema. Wo immer um die Verwirklichung von Menschenrechten gekämpft werde, verdiene das die Unterstützung Deutschlands.
Der 72jährige Mönch hört aufmerksam zu und lächelt. Die Mission, dem Anliegen der Tibeter Aufmerksamkeit zu sichern, hat er bereits am ersten Tag der viertägigen Deutschland-Visite erreicht. Abrupt ist der mediale Auftritt nun beendet, blitzschnell ist das Oberhaupt der Tibeter verschwunden - zu seinem nächsten Termin.


