Die mächtigen Staatsfonds standen am Donnerstag im Mittelpunkt des Weltwirtschaftsforums. Während Politiker vieler Industriestaaten Abwehrmaßnahmen beraten, geben sich die Konzernchefs entspannt. Sie verweisen wie die Investoren auf bislang positive Erfahrungen.
Friedensnobelpreisträger Al Gore hat den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums ins Gewissen geredet. Foto: afp
DAVOS. Diskussionen über Staatsfonds haben Hochkonjunktur. Die Veranstalter des Weltwirtschaftsforums waren daher am Donnerstag wenig überrascht, dass die prominent besetzte Veranstaltung zu den einflussreichen Heuschrecken magnetische Wirkung entfaltete. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Diskussionsrunde zwischen Politikern, Finanzexperten und Managern der mächtigen Fonds bildete sich eine lange Schlange vor dem Veranstaltungsraum im Davoser Kongress-Zentrum.
Die Teilnehmer sollten nicht enttäuscht werden: Vehement traten Wirtschaftsführer und Staatsfonds-Manager den Sorgen vor einem schädlichen Einfluss der Staatsfonds entgegen. "Alle Länder mit Staatsfonds haben sich sehr verantwortungsvoll verhalten", sagte Muhammad al Jasser, Vize-Präsident des Investmentfonds in Saudi-Arabien. Für Jassers kuwaitischen Kollegen Bader al Sa'ad ist die Sorge vor Staatsfonds völlig unbegründet. "Seit mehr als 50 Jahren haben wir keine politisch motivierten Geldanlagen getätigt. Wir achten nur auf die Rendite", sagte er. Stephen Schwarzman, Chef der US-Investmentgesellschaft Blackstone, wunderte sich deshalb darüber, dass sich einige Industriestaaten plötzlich von Staatsfonds bedroht fühlen. "Staatsfonds sind an langfristigen Investitionen interessiert", sagte Schwarzman. Die norwegische Finanzministerin Kristin Halvorsen bringt es schließlich auf den Punkt: "Man mag uns nicht, will aber unser Geld."p>
Tatsächlich sorgen sich einige westliche Industrieländer wegen des wachsenden Einflusses ausländischer Staatsfonds, die mittlerweile ein Vermögen von mehr als 2500 Mrd. Dollar verwalten. Im Jahr 2015, so schätzen Experten, könnten die politisch kontrollierten Kapitalgesellschaften bereits über 12 000 Mrd. Dollar verfügen. Länder wie die USA, Frankreich und Deutschland haben sich deshalb für eine Kontrolle ausländischer Investitionen entschieden.
So arbeitet die Bundesregierung an einem Prüfsystem zum Schutz deutscher Unternehmen. Bereits in den nächsten Wochen will das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf verabschieden, der weitreichende Änderungen des Außenwirtschaftsgesetzes vorsieht. Konkret sollen künftig solche Auslandsinvestitionen überprüft werden, bei denen eine Beteiligung von mehr als 25 Prozent an einem deutschen Unternehmen geplant ist. Wenn die Regierung die öffentliche Sicherheit und Ordnung durch die Investition gefährdet sieht, kann das Projekt verboten werden. Eine ähnliche Regelung gibt es bisher nur für die Rüstungsindustrie.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Staatsfonds handeln nicht nach ökonimischen Kriterien"
