+++ Bundestag im Liveblog +++ AfD-Kandidat Glaser ist gescheitert

Wolfgang Schäuble ist bei der konstituierenden Sitzung des Bundestages zum Bundestagspräsidenten gewählt worden. Auch fünf Stellvertreter wurden bestimmt. AfD-Kandidat Glaser fiel in drei Wahlgängen durch. Der Tag im Liveblog.
Update: 24.10.2017 - 17:54 Uhr 28 Kommentare
Der neu gewählte Bundestagspräsident mahnte die Parteien: Niemand vertrete alleine das Volk. Es komme auch auf die Verschiedenheit an. Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble bei seiner Eröffnungsrede

Der neu gewählte Bundestagspräsident mahnte die Parteien: Niemand vertrete alleine das Volk. Es komme auch auf die Verschiedenheit an.

(Foto: dpa)
  • Seit 11 Uhr tagt der Bundestag in seiner 19. Wahlperiode. Die vollständige Tagesordnung gibt es hier als pdf.
  • Die Abgeordneten vertagten einige Geschäftsordnungsanträge. Dabei stimmten die Jamaika-Parteien gemeinsam ab.
  • Wolfgang Schäuble wurde zum neuen Bundestagspräsidenten gewählt.
  • AfD-Kandidat Albrecht Glaser fällt nach drei Wahlgängen als Kandidat für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten durch.
Der AfD-Abgeordnete Albrecht Glaser richtet sich vor der konstituierenden Sitzung des 19. Deutschen Bundestages seine Krawatte. Quelle: dpa
Konstituierende Sitzung des Bundestages

Der AfD-Abgeordnete Albrecht Glaser richtet sich vor der konstituierenden Sitzung des 19. Deutschen Bundestages seine Krawatte.

(Foto: dpa)

+++ AfD-Kandidat Glaser lässt weiteres Vorgehen offen +++
Der AfD-Politiker Albrecht Glaser lässt das weitere Vorgehen nach seiner vorerst gescheiterten Kandidatur für das Amt eines Bundestagsvizepräsidenten offen. „Die Fraktion wird verhandeln, und danach werden wir entscheiden“, sagte er am Dienstag nach der konstituierenden Sitzung des Bundestags. Auf die Frage, ob er für einen weiteren Wahlgang zur Verfügung stehe, äußerte er sich nicht. Glaser, der wegen Äußerungen über den Islam auf breite Ablehnung stößt, hatte zuvor auch im dritten Wahlgang keine Mehrheit bekommen. Der 75-Jährige verneinte, dass ein anderer AfD-Kandidat vielleicht mehrheitsfähiger gewesen wäre. „Wenn wir einen anderen Bewerber gestellt hätten, hätte man auch dort einen Vorwand gesucht, und man hätte ihn auch dort gefunden.“ Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, sagte Glaser: „Wenn Enttäuschung eine Negativabweichung von der Erwartung ist, bin ich nicht enttäuscht.“

+++ Glaser fällt auch im dritten Wahlgang durch +++
Der AfD-Kandidat Albrecht Glaser hat es auch im dritten Wahlgang nicht geschafft, zum Bundestagsvizepräsidenten gewählt zu werden. Für ihn stimmten 114 Abgeordnete, 545 votierten gegen ihn. Weitere Wahlgänge mit Glaser wird es keine geben, sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble.

+++ Glaser fällt auch im zweiten Wahlgang durch +++
Der AfD-Politiker Albrecht Glaser ist auch im zweiten Wahlgang für das Amt eines Bundestags-Vizepräsidenten durchgefallen. Der 75-Jährige erhielt am Dienstag in Berlin 123 von 696 abgegebenen gültigen Stimmen. 549 Abgeordnete stimmten mit Nein, 24 enthielten sich. Eine Stimme war ungültig. Der Ex-CDU-Politiker und Frankfurter Stadtkämmerer hätte auch im zweiten Durchgang die Stimmen der Mehrheit aller Abgeordneten benötigt, also 355 von 709. Die AfD beantragte einen dritten Wahlgang. Dabei reicht es, wenn Glaser mehr Ja- als Nein-Stimmen bekommt. Wenn der Kandidat auch dann noch durchfällt, muss der Ältestenrat entscheiden, wie es weitergeht.

+++ Glaser fällt im ersten Wahlgang durch +++
Der Bundestag hat fünf stellvertretende Bundestagspräsidenten gewählt. Es wurden 703 Stimmen abgegeben. Hans-Peter Friedrich (CSU) bekam 507 Stimmen, Thomas Oppermann (SPD) 396, Wolfgang Kubicki (FDP) 489, Claudia Roth (Grüne) 489 und Petra Pau (Linke) 456. Nicht gewählt wurde Albrecht Glaser (AfD), der nur 115 Stimmen erhielt. Notwendig wären 355 Stimmen gewesen. Nun folgt ein zweiter Wahlgang, bei dem auch die Mehrheit der Mitglieder erforderlich ist. Wie Glaser im dritten Wahlgang gewählt werden könnte, steht hier.

+++ Regierung ist nur noch geschäftsführend im Amt +++
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Minister der bisherigen Koalition aus Union und SPD sind nur noch geschäftsführend im Amt. Mit der ersten Sitzung des neu gewählten Bundestags endete ihre Amtszeit. Wie im Grundgesetz vorgesehen, bat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Merkel allerdings am Morgen, die Amtsgeschäfte bis zur Bildung einer neuen Regierung fortzuführen. Kanzlerin und Minister nahmen für die konstituierende Sitzung des Bundestags nicht auf der Regierungsbank Platz, sondern saßen bei ihren Fraktionen. Am späteren Nachmittag wollte Steinmeier der scheidenden Regierung im Schloss Bellevue noch ihre Entlassungsurkunden überreichen. Die geschäftsführende Regierung hat dieselben Befugnisse wie eine reguläre. Es ist aber üblich, dass sie ihre politischen Entscheidungen auf das Nötigste begrenzt, um der kommenden Regierung keine Vorgaben zu machen.

+++ Wolfgang Schäubles Antrittsrede im Wortlaut +++
Lesen Sie hier die komplette Rede, die Schäuble zu seinem Amtsantritt gehalten hat.

+++ Erster Wahlgang für Schäubles Stellvertreter läuft +++
Der Bundestag hat sich einstimmig darauf geeinigt, sechs Stellvertreter des Bundestagspräsidenten zu wählen – jede Fraktion soll einen stellen. Schäuble liest die Vorschläge der Fraktionen vor: Hans-Peter Friedrich (CSU), Thomas Oppermann (SPD), Albrecht Glaser (AfD), Wolfgang Kubicki (FDP), Claudia Roth (Grüne), Petra Pau (Linke). Die Abstimmung beginnt. Um gewählt zu werden, reicht im ersten Wahlgang eine einfache Mehrheit.

+++ Schäuble spricht den Abgeordneten ins Gewissen +++
In seiner ersten Rede als Präsident des Parlaments skizziert Schäuble, wie er sich die Arbeit des Parlaments vorstellt. Den Abgeordneten gibt er eine Version des Kategorischen Imperativs mit: „Handle so, dass menschliches Miteinander nicht zusammenbräche, wenn alle so handelten, wie du selbst.“ Mehrheitsentscheidungen dürften nicht als illegitim oder verräterisch denunziert werden. Entscheidungen der Mehrheit seien zu akzeptieren, „das ist demokratische Kultur“. Die Abgeordneten sollten „Respekt für einender haben, nicht jeden persönlichen Spielraum maximal ausnutzen, den anderen anerkennen: Es geht um Fairness.“ Sie sollten bedenken: „Niemand vertritt alleine das Volk.“

+++ Schäuble: „Verschiedenheit repräsentieren“ +++
Als erstes passiert Wolfgang Schäuble eine winzige technische Panne: Er beginnt zu sprechen, hat aber sein Mikrofon nicht angeschaltet. „Muss ich selber drücken?“, fragt er und beginnt dann noch einmal neu mit seinen Ausführungen. Er bedankt sich bei Solms und anderen und zum Schluss bei Norbert Lammert, der seit 12 Jahren ein „ausgezeichneter Bundestagspräsident“ gewesen sei. Dann sagt er, der Bundestag müsse „die Gesellschaft nicht nur in ihrem Grundkonsens, sondern auch in ihrer Vielheit und Verschiedenheit repräsentieren“.

+++ Wolfgang Schäuble zum Bundestagspräsidenten gewählt +++
Alterspräsident Hermann Otto Solms gibt das Ergebnis bekannt: Von 704 gültigen Stimmen sind 501 Ja-Stimmen. Wolfgang Schäuble nimmt die Wahl an und ist damit Bundestagspräsident. Als erste gratuliert Bundeskanzlern Angela Merkel. Schäuble kann nun auch die Sitzungsleitung übernehmen.

Wolfgang Schäuble (rechts) und der CDU-Abgeordnete Volker Kauder. Quelle: dpa
Konstituierende Sitzung des Bundestages

Wolfgang Schäuble (rechts) und der CDU-Abgeordnete Volker Kauder.

(Foto: dpa)

+++ Baumann will sich doch nicht mit Nazi-Opfern vergleichen +++
Auf Nachfrage von Phoenix weicht der AfD-Abgeordnete Bernd Baumann seinen Anwurf an die anderen Parteien deutlich auf. Er habe niemanden mit Hermann Göring vergleichen wollen, sondern nur davor gewarnt, in dieser Weise zu handeln. Auch wolle er die AfD nicht mit den Opfern des Nationalsozialismus vergleichen. In seiner Rede hatte er das so nicht eingeordnet.

SPD fordert Kanzlerin-Befragungen
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  • @ Peer Kabus
    "Angefangen hat es mit dem Volksempfänger für Alle - weil die Masse des Volks ja so emfänglich war - und bis Heute ist."

    Das werde ich mir einrahmen. ;-)
    Wichtig ist zu erkennen: Gegen einen Massenwahn können Sie als Individuum nichts ausrichten. Dennoch gibt es keinen Grund zum Verzweifeln. Sie brauchen nicht auch über die Klippe zu springen, wenn die Masse der Lemminge das tut.

  • Herr Helmut Metz,

    "Geschichte wiederholt sich zwar nicht..."

    Die Methoden dürften sich jedoch wiederholen.

    Angefangen hat es mit dem Volksempfänger für Alle - weil die Masse des Volks ja so emfänglich war - und bis Heute ist.

  • Das Ganze hat eine gesellschaftlich weitaus verheerendere Dimension.
    Es ist eben nicht nur ein "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern."
    Ich habe in den letzten Tagen eine herausragende psychologische Analyse unserer heutigen Gesellschaft gelesen (ich empfehle zu diesem Thema übrigens noch einmal ganz besonders Gustave Le Bons "Psychologie der Massen").
    Vielleicht kennen Sie die PROJEKTION in der Psychologie:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Projektion_(Psychologie)
    Und wir haben es beim heutigen gesellschaftlichen Massenwahn WIEDER EINMAL mit einer HASSPROJEKTION zu tun. Und WIEDER EINMAL richtet die sich gegen Andersdenkende (insbesondere AfD-Wähler, Trump-Supporter, Gegner der Massenmigration).
    Diesen Andersdenkenden spricht man dann auch ihre (Grund-)Rechte ab. Rechte haben dann nur noch die mit der (gleichgeschalteten) Einheitsmeinung. Auch der Pluralismus gilt für diese Personen dann selbstverständlich nicht mehr.
    Im Extremfall spricht man ihnen sogar das Recht auf Leben ab (wie etwa die zahlreichen Mordaufrufe gegen Trump von "toleranten" US-Bürgern zeigen).
    Was bei dieser gesellschaftlichen Hasssprojektion der "Kampf gegen Hasskommentare im Netz" tatsächlich bewirken soll, können sie vermutlich erahnen.
    Wenn Sie diese Hassprojektion an geschichtliche Ereignisse der jüngeren deutschen Vergangenheit erinnern sollte, dann darf ich Ihnen sagen: Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber sie reimt sich.



  • Herr C. Falk

    „…unter Verkennung der Brisanz des politischen Anspruchs des Islam,..“

    Das ist natürlich ein zutreffendes Argument, was nachhaltig durch die zurückliegende Ermächtigungswahl von EgoWahn durch viele getürkte Deutsche unter Beweis gestellt wurde. Hinzu kommt aber auch der fehlende Integrationswille dieser erwähnten deutsch-türkischen Kolonie. Und wenn man sich die Masse der Straftaten vor Augen führt, die Islamgläubige hier mehr oder weniger ungeahndet oder mit „Kulturrabatt“ begehen, dann stellt sich schon die Frage, ob man da dem Islam noch unkritisch gegenüberstehen kann und darf.

  • Herr Enrico Caruso

    Sich auf das bereits mehrfach vergewaltigte GG zu berufen, bringt nichts. Das hört und liest man doch seit langem.

    Was interessiert es denn schon diese selbstherrlichen „Demokraten“ im BT, dass von den bedenkenlos hereingelassenen Islamgläubigen viele dabei sind, die nicht die Absicht haben, sich am GG oder gar unseren „Werten“ zu orientieren? Der Wähler hat seine Schuldigkeit am 24.09. getan. Dass er weiter die Folgen in Form von steigender Ausländerkriminalität zu tragen hat – uninteressant, wie die „Verhandlungen“ zur Jamaica-Koalition zeigen. Man wünscht sich, die befänden sich Alle auf dem Weg dorthin.

    Frauenquote – aber ja doch. Schutz der Frauen vor sexuellen Belästigungen oder Vergewaltigungen? Die Antwort kann sich jeder selbst geben.

    Kann mir jemand sagen, was das für ein Staat ist, in den jeder ohne Papiere eindringen kann, aber selbst Straftäter ohne Papiere nicht wieder raus können?

  • Glaser ist nicht gescheitert, sondern er wurde als Parlamentspräsidentvize verhindert, weil er in Sachen politischer Islam eine Position vertritt, die vom Block CDU/CSU/ Links/ Grün/FDP/SPD unter Verkennung der Brisanz des politischen Anspruchs des Islam, von den Mehrheitparteien mit Mitteln bekämpft wird, die parlamentarischen Usancen nicht entsprechen.

    Die AfD hat als drittstärkste Partei einen Anspruch auf die Besetzung des stellvertretenden Parlamentspräsidenten. Diesen Anspruch wird sie sich nicht nehmen lassen.

  • Herr Ilyas Kurtbecer 24.10.2017, 18:26 Uhr

    << Außerdem hat kein Mensch die Authorität darüber zu bestimmen, wie sich ein Muslim zu verhalten hat und woran er glauben soll>>

    Das ist vollkommen richtig! (außer der Rechtschreibung) Mich interessiert auch nicht im geringsten, wie es in den muslimischen Ländern so zugeht. Aber jeder Staat hat die Autorität, zu bestimmen, wen er in sein Land lässt und wen nicht!

    Warum sollen wir uns hier überhaupt mit dem Islam beschäftigen? Haben wir nichts besseres zu tun? Das GG gilt für Deutsche, nicht für die ganze Welt! Die Religionsfreiheit ist im GG garantiert worden, damit jeder Deutsche nach seiner Religion leben kann, aber nicht damit millionenfach Muslime dieses Land besiedeln und hier den Islam einführen können.

  • Ich würde sagen: Da ist nicht der AfD-Kandidat Glaser gescheitert, sondern viel eher das Parlament!
    Man konnte sehen, wie geradezu selbstverständlich sich diese Polit-Kaste von dem Bonner Grundgesetz verabschiedet hat. Wenn jeder Abgeordnete bei den Kandidaten der anderen Parteien mit "nein" stimmen würde, würde überhaupt niemand gewählt.
    Die AfD ist der Stachel in dieser trägen Masse der Blockparteien. Wenn sie jetzt bloß noch ein besseres Personal bekäme, dann hätte es sich auch bei uns ausgemerkelt. International isoliert sind wir mit dieser völlig geistesgestörten Politik ohnehin schon.

  • Mal abgesehen davon, dass es gefühlt 10 verschiedene Glaubensrichtungen innerhalb des Islam gibt. Außerdem hat kein Mensch die Authorität darüber zu bestimmen, wie sich ein Muslim zu verhalten hat und woran er glauben soll

  • @Herr Schmidt das ist so nicht richtig, die Scharia ist für einen Muslim nur zu befolgen in einem Land, das dieses Rechtssystem offiziell in die Staatsapparatur eingebaut hat. Ich meine mich zu erinnern, dass Muslimen ansonsten vorgeschrieben ist, nach den Gesetzen des jeweiligen Landes zu Leben. Das Thema zeigt, wie wenig wir über den Islam wissen. Kritik ist nötig und wichtig, aber nicht wenn diese Kritik auf Vermutungen und Halbwissen basiert.

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