Euro-Tabubrecher
Mittelstand macht gegen Dax-Chef Reitzle mobil

Linde-Chef Wolfgang Reitzle hatte einen Austritt Deutschlands aus dem Euro ins Spiel gebracht - und erntet dafür reichlich Kritik. Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft warnen vor dramatischen Folgen einer Abkehr.
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DüsseldorfNach den Gedankenspielen von Linde-Chef Wolfgang Reitzle über einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone hagelt es Kritik aus Wirtschaft und Wissenschaft. „Die übergroße Mehrheit der mittelständischen Unternehmer in Deutschland will den Euro“, sagte Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands der mittelständischen Wirtschaft, Handelsblatt Online. 87 Prozent der mittelständischen Unternehmen hätten sich in einer Umfrage klar zum Euro bekannt, fügte Ohoven hinzu.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, warnte vor den dramatischen Folgen, die ein Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone hätte. „Die Aufwertung würde stärker als alle in früheren Zeiten erlebten, so dass erhebliche Minderungen des Exports und der daran hängenden Beschäftigung drohten“, sagte Hüther Handelsblatt Online. Außerdem würden die Banken belastet, da die Finanzströme in der Euro-Zone zerrüttete würden. „Dieser Aspekt wird von Herrn Reitzle gar nicht benannt“, kritisierte Hüther.

Auch der Verband der chemischen Industrie, in dem der Dax-Konzern Linde Mitgliedunternehmen ist, hob die Bedeutung des Euros hervor. „Die Gemeinschaftswährung und der einheitliche Binnenmarkt sind ein zentraler Faktor für Wohlstand und Beschäftigung in Europa“, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. Davon habe auch die exportstarke chemische Industrie in Deutschland sehr profitiert. Rund 46 Prozent der deutschen Chemie-Exporte gingen in den Euro-Raum. „Gerade Deutschland muss dazu beitragen, das Vertrauen in den Euro wiederherzustellen und die europäische Integration weiter voranzutreiben“, sagte Tillmann.

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  • @-kurtruedigernoll: Für mich eine Verpflichtung, da ich Anhänger des US-amerikanischen Philosophen John Rawls (gestorben 2002) und seines deutschen Erben, des Philosophen Wolfgang Kersting (Christian Albrechts-Universität Kiel) bin: Rawls konzipiert die Neuorganisation demokratischer Verfassungen als "Bürgergenossenschaft", das heißt: "...entlang des Kriteriums der Bürgersouveränität neu ausgerichtet, wird auch die alte freiheitliche Grundidee erneut in den Vordergrund gerückt, den Bürger zum Subjekt des politischen Prozesses und zum Souverän des Gemeinwesens zu ermächtigen." Das erfordert aber in erster Linie den Bürger (seine Sachkompetenz und sein Verantwortungsbewusstsein) heraus, der sich dann nicht mehr darauf beschränken kann, alle vier Jahre in einer Papierliste ein Kreuz zu machen. Und wenn ich hier und in der FAZ Meinungen lese (Anwesende sind wie immer ausgenommen), habe ich den Eindruck, daß noch allerhand zu tun sein wird, ehe wir uns von der Dilettanz der "Drei Gewalten" unabhängig machen.

  • @Der_Doofe_Huether: Der Steuerzahler subventioniert die Exportindustrie mit Milliardenbeträgen (wahrscheinlich noch höher) seit Ende der 60er-Jahre, weil er Umsätze ins Ausland, auch ins EU-Ausland, von der Umsatzsteuer bei Beibehaltung des vollen Vorsteuerabzugs für Warenbezüge aus dem In- und Ausland, befreit.

  • @Humanist - Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

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