Deutschland
1, 2, 3, 4 ... Aufschwung!

Willi Walgenbach ist ein Mann der alten Schule. 44 seiner 58 Lebensjahre ist der Inhaber des Elektrogroßgerätehandels Walgenbach im Einzelhandel. Für seine neue Filiale, einen 700 Quadratmeter großen Abholmarkt für Herde, Kühlschränke und andere „weiße Ware“ in Düsseldorf, hatte der bullige Unternehmer klare Vorstellungen: „Ich wollte alles dekorativ und schön machen, mit ordentlichem Teppich auf dem Boden und Tapeten an den Wänden.“

Es kam anders. Die Wände unverputzt, der Fußboden nackter Beton: Lagerhallenflair. In Fenstern kleben riesige, rote Prozentzeichen. „Elektrogeräte billiger wo?“ fragt Walgenbachs Plakat im Discount-Deutsch auf dem Parkplatz. Das alles sei ja eigentlich nicht so ganz seine Welt, gesteht der Unternehmer: „Aber ich habe mich drauf eingelassen.“

Weil er muss. Deutschlands Verbraucher brauchen das Discount-Gefühl, damit sie Lust zum Geldausgeben kriegen. Seit Jahren stockt die Binnennachfrage. Die Kauf- und Investitionsunlust ist Hauptgrund dafür, dass in Europas größter Volkswirtschaft das Wort „Aufschwung“ aus dem aktiven Wortschatz verschwindet. Die Exporte boomen seit Jahren, die Inlandsnachfrage liegt wie Blei am Boden.

Nicht mal der pessimistischste Konjunkturbeobachter hat das prognostiziert. Seit drei Jahren sagen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute des Landes mit schöner Regelmäßigkeit eine zumindest moderate Erholung von Konsum und Investitionen voraus. Morgen in ihrem neuen Frühjahrsgutachten werden sie das wohl wieder tun. Bloß weigerten sich Verbraucher und Unternehmer bisher stets, den Prognosen der Konjunkturforscher Folge zu leisten.

Deren Lehrbuchtheorie sieht so aus: Im ersten Schritt kommen die Investitionen in den Unternehmen wieder in Schwung. Dadurch verbessert sich zweitens die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Das hebt drittens Einkommen und Stimmung der Verbraucher, die dann viertens wieder mehr Geld ausgeben und weniger sparen. 1, 2, 3, 4 ... Aufschwung!

Weil das Auslandsgeschäft anno 2005 nach Ansicht der meisten Volkswirte als Wachstumsmotor ausfällt, wird dieses Szenario zur Schicksalsfrage für Deutschlands Konjunktur – eine Spurensuche entlang der Komponenten der Binnenkonjunktur.

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