10.000 Mitglieder gaben im Januar Parteibuch zurück
Radikaler Mitgliederverlust bei der SPD

Die SPD muss in diesem Jahr weitere Austritte verkraften. Im Januar verließen einem Zeitungsbericht zufolge 10.000 Mitglieder die Partei. Aber auch die Basis der anderen im Bundestag vertretenen Parteien hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verkleinert.

HB BERLIN. Der Mitgliederschwund bei der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) hält an. Im Januar traten einem Zeitungsbericht zufolge so viele Mitglieder aus der Partei aus wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Demnach verließen 10.000 der 650.000 Mitglieder im ersten Monat des Jahres die Partei, wie «Bild am Sonntag» unter Berufung auf Parteikreise berichtet. Als Gründe für die Abkehr der Mitglieder werden die mit dem 1. Januar 2004 in Kraft getretene Praxisgebühr und die höheren Krankenkassenbeiträge auf Betriebsrenten genannt. Im abgelaufenen Reformjahr 2003 hatte die SPD dem Bericht zufolge über das ganze Jahr hinweg per Saldo 30.000 Mitglieder verloren. SPD-Sprecher Bernd Neuendorf wollte laut der Zeitung die Zahlen nicht kommentieren.

Mitgliederverluste mussten in den vergangenen Jahren auch die anderen im Bundestag vertretenen Parteien hinnehmen - am wenigsten jedoch die Grünen und die CSU. Dies ergab eine Parteienumfrage der Nachrichtenagentur ddp in Berlin. Danach sank die Gesamtzahl der Mitglieder von SPD, CDU, CSU, FDP, Grünen und PDS von Anfang 1994 bis zum Beginn dieses Jahres um knapp 400.000 Mitglieder oder rund ein Fünftel auf rund 1,6 Millionen.

Die stärksten Verluste musste dabei mit knapp 211.000 die SPD hinnehmen, der Ende 2003 noch 650.798 Personen angehörten. Die Mitgliederzahl der CDU ging seit Ende 1993 um gut 98.000 auf nunmehr 587.244 zurück und die der FDP um 29.000 auf 65.192. Die PDS, die noch keine Angaben für das vergangene Jahr machen konnte, kam Ende 2002 auf 70.805 Mitglieder und damit auf knapp 61.000 weniger als Ende 1993, wie ddp schreibt.

Damit büßte die PDS in diesem Zeitraum mit 46,1 Prozent beinahe die Hälfte ihrer Mitglieder ein. Bei der FDP betrug der Rückgang zwischen Ende 1993 und Ende 2003 mit 30,8 Prozent knapp ein Drittel und bei der SPD mit 24,5 Prozent fast ein Viertel der Parteimitglieder. Weniger als ein Sechstel verlor in diesen zehn Jahren die CDU mit 14,3 Prozent. Die CSU verzeichnete dagegen im Juni vergangenen Jahres mit 178.365 Mitgliedern lediglich 351 oder 0,2 Prozent weniger als im Sommer 1993. Die Grünen konnten als einzige der im Bundestag vertretenen Parteien zulegen. Ihnen gehörten Ende vergangenen Jahres 44.241 Personen an und damit 4480 oder 11,3 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Nach Auffassung des Politikwissenschaftlers Peter Lösche zählen Parteiaustritte «aus politischen Gründen», wie sie derzeit bei der SPD zu sehen seien, nicht zu den «Hauptgründen» für den massiven Mitgliederverlust der großen Parteien in den vergangenen Jahren. Der Nachrichtenagenutr ddp sagte er, eine wesentliche Ursache sei die «strukturelle Überalterung» der Mitgliedschaft. Nachdem es in den 70er Jahren etwa bei den großen Volksparteien einen «enormen» Zuwachs gegeben habe, bildeten diese Jahrgänge nun den hohen Anteil der über 60-Jährigen bei den Parteien.

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