100 Tage im Amt
Der disziplinierte Herr zu Guttenberg

Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten übernahm Karl Theodor zu Guttenberg das schwere Amt des Wirtschaftsministers - und punktet seitdem auf allen Ebenen. Nach 100 Tagen im Amt ist es Zeit für eine Zwischenbilanz. Was zu Guttenberg so erfolgreich macht - und wo die Stolpersteine für den gelernten Juristen liegen.

TROISDORF/BERLIN. Karl-Theodor zu Guttenberg steht in der Werkstatt wie sein eigenes Standbild. Den linken Arm vor dem Körper verschränkt, der rechte Ellbogen ruht in der Linken, die rechte Hand stützt das Kinn. Guttenberg sieht fast aus wie "Le Penseur", der Denker, von Auguste Rodin. Doch den Bundeswirtschaftsminister drücken die Weltprobleme nicht hinab wie die kauernde Bronze des französischen Bildhauers, kerzengerade steht er da.

Fabrikbesuch bei der Firma Reifenhäuser in Troisdorf bei Bonn vergangene Woche, Ministerroutine. Zu Guttenberg lauscht dem Vortrag eines Auszubildenden, in seinem Kopf müssen die Krise, Opel, Schaeffler, Steuern, Staatsfonds, Wahlkampf, CSU herumsausen. Nichts davon ist ihm anzumerken. Diese 40 Minuten nimmt er sich, und er ist ganz da, hier im lichtschwachen Untergeschoss, wo 43 Azubis schweißen, fräsen, bohren und löten lernen, damit sie später den Standort Deutschland stärken.

Das will auch zu Guttenberg, der Minister-Neuling, der am heutigen Mittwoch genau 100 Tage im Amt ist. Kein Politiker hat eine solche Karriere hingelegt wie er. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten übernahm der 37-Jährige im Februar das Amt völlig überraschend von seinem glücklos agierenden Vorgänger Michael Glos - und punktet seitdem auf allen Ebenen. Deutschlands Manager sind begeistert, seine Ministerialbeamten ebenfalls - und der politische Gegner blickt neidisch auf den Erfolg des CSU-Politikers.

Was macht der Jurist zu Guttenberg, der nie von sich behauptet hat, ein Wirtschaftsexperte zu sein, alles richtig? Er ist diszipliniert, schreckt nicht zurück vor langweiligem Aktenstudium. Er kommuniziert lässig, kann sich zurücknehmen und dennoch in der Sache hart bleiben. Er agiert situativ - so wie bei Reifenhäuser in Troisdorf.

Beim Rundgang durch die Werktische geht zu Guttenberg unbefangen auf die Azubis zu, nicht mit Schulterklopfen, sondern mit fast jugendlicher Neugier. Keiner der jungen Männer fremdelt. Als einer eine Schweißnaht setzen soll, greift zu Guttenberg nach der Schweißermaske, um sie anzureichen. Kollege KTG steht immer bereit.

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