10 000 SPD-Anhänger empfangen den Bundeskanzler in seiner Heimatstadt
Reportage: "Friends of Gerd" feiern Schröder

Als Gerhard Schröder auf dem Opernplatz in Hannover eintrifft, reißt der wolkenverhangene Himmel auf. Rund 10 000 SPD-Anhänger empfangen den Bundeskanzler in seiner Heimatstadt mit minutenlangem Beifall.

HB HANNOVER. Erst vor wenigen Wochen hatte die SPD dem Regierungschef bei einem Parteitag in seiner Heimatstadt trotz schlechter Umfragewerte demonstrativ den Rücken gestärkt und mit fast 100 Prozent Zustimmung zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gekürt.

Auch an diesem Samstag sieht es so aus, als könne sich der Kanzler weiterhin auf die Wähler in seiner Heimatstadt verlassen: "Friends of Gerd" ist auf knallroten T-Shirts zu lesen, "Jetzt erst recht" fordern trotzig Transparente. Kritische Zwischenrufe wie erst vor wenigen Tagen beim Start der Wahlkampftour von Koalitionspartner und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) im niedersächsischen Hildesheim gibt es diesmal nicht - oder sie sind in dem mit Jazz-Musik und Videoleinwand perfekt inszenierten Medienspektakel ganz einfach nicht zu hören.

Erwartungsgemäß knöpft sich der Kanzler in seiner knapp 30- minütigen Rede zunächst den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und dessen Kritik am Wählerverhalten im Osten vor. Dass der offizielle Wahlkampfauftakt seiner Partei ausgerechnet auf den 13. August fällt, nimmt Schröder zum Anlass, an den Bau der Mauer vor 44 Jahren und die in Ost und West noch immer vorhandenen Vorurteile zu erinnern. "Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, dieses Land nicht zu spalten, sondern zusammenzuführen", ruft der Kanzler in die johlende Menge. Stoiber wirft er "Kraftmeierei" und "Geschmacklosigkeit" vor. In einem großen Bogen lobt Schröder anschließend die rot-grüne Umwelt- und Energiepolitik, fordert eine zukunftsorientierte Familienpolitik, wirbt für die Fortsetzung der von Rot-Grün eingeleiteten Sozialreformen - und geht, ganz staatsmännisch, alsbald zu weltpolitischen Fragen über.

Schröder lehnt im Iran-Konflikt "militärische Optionen" ab

"So lange wir in Berlin das Sagen haben, wird die Außen- und Sicherheitspolitik dieses Landes in Berlin entschieden und nirgendwo anders", verteidigt der Kanzler erneut seine ablehnende Haltung zum Irak-Krieg. Schröder hatte sich im Wahlkampf 2002 und später immer wieder scharf von der Irak-Politik des US-Präsidenten abgegrenzt. Auch in Hannover spart der Kanzler nicht mit Kritik an der amerikanischen Regierung, die im Atom-Konflikt mit dem Iran militärische Schritte nicht ausgeschlossen hatte. "Nehmt die militärischen Optionen vom Tisch. Wir haben erlebt, dass die nichts taugen", rief Schröder in Richtung Washington.

Direkte Attacken gegen seine Kontrahentin bei der geplanten Bundestagswahl, Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel, überlässt er hingegen lieber dem Parteivorsitzenden Franz Müntefering. Präsentiert sich Schröder in seiner Wortwahl insgesamt eher moderat, versucht Müntefering mit deftigen Sprüchen für die erforderliche Aufbruchstimmung an der Basis zu sorgen. "Die CSU hat Frau Merkel signalisiert, sie muss 45 Prozent erreichen - und zwar netto", witzelt der SPD-Chef über die CDU-Vorsitzende, die brutto und netto verwechselt hatte. Und: "Wer die Merkel hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen."

Die Basis zeigt sich am Ende zufrieden: "Schröder und Müntefering haben mich total motiviert", sagt Sonja Papenfuß vom SPD-Stadtverband Hannover. "Denn wer nicht kämpft, hat schon verloren."

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