15 Milliarden Euro
Privatsektor-Hilfe für Griechenland halbiert sich

Ihre Hoffnung auf einen 30-Milliarden-Beitrag der Banken für das Griechenlandpaket müssen die Euroländer begraben. Geplant wird nur noch mit der Hälfte. Die Drohungen der Ratingagenturen lassen Brüssel kalt.
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BrüsselDie Euro-Finanzminister haben ihre Erwartungen an den Beitrag des Privatsektors zum neuen Hilfspaket für Griechenland deutlich heruntergeschraubt. Nach Informationen des Handelsblatts sollen Banken, Versicherungen und andere private Anleger jetzt nur noch maximal 15 Milliarden Euro beisteuern - die Hälfte des ursprünglich angepeilten Betrages.

"Wenn wir das schaffen, ist das schon sehr gut", sagte ein EU-Diplomat. Insgesamt soll neue Hilfspaket für Griechenland rund 110 Milliarden Euro umfassen und bis Ende 2014 laufen. Dazu sollen die Griechen selbst Privatisierungserlöse von rund 30 Milliarden Euro beitragen. Vom verbleibenden Betrag - etwa 80 Milliarden Euro - würde dann noch der Beitrag des Privatsektors abgezogen. Die restliche Summe - voraussichtlich 60 bis 70 Milliarden Euro - müsste zu Zwei Dritteln von den Euro-Staaten und zu einem Drittel vom Internationalen Währungsfonds finanziert werden.

Bei ihrem nächsten Treffen am kommenden Montag wollen die Euro-Finanzminister das Hilfspaket noch nicht beschließen und auch keine Zahlen bekannt geben. Die äußerst komplexen Verhandlungen mit den privaten Anlegern über deren Beitrag zum Hilfspaket würden sich noch bis September hinziehen, hieß es in diplomatischen Kreisen in Brüssel. "In der Eurogruppe am Montag legen wir nur die Schlachtordnung für die Zeit nach der Sommerpause fest. Spektakuläre Entscheidungen wird es nicht geben", sagte ein Diplomat.

Dass die Verhandlungen mit dem privaten Finanzsektor ergebnislos enden, wird in Brüssel ausgeschlossen. "Die Banken und die Versicherungen wissen, dass sie sich bewegen müssen. Denn sonst laufen sie Gefahr, noch mehr zu verlieren", sagte ein EU-Diplomat. Die Eurozone verlangt von den privaten Investoren einen Zahlungsaufschub für Griechenland, will einen Zahlungsausfall aber weiterhin unbedingt vermeiden.

Von der Drohung der größten Ratingagentur Standard & Poors, den geplanten Zahlungsaufschub als Teil-Zahlungsausfall (Selective Default) zu werten, lässt sich die Eurozone nicht beeindrucken. Es handele sich lediglich um eine "simple Meinungsäußerung" eines Bonitätsprüfers, die für die Verträge zwischen Griechenland und seine Gläubiger keine rechtliche Relevanz habe, hieß es in Brüssel. Eine juristische Begründung habe S&P für seine Einschätzung bislang nicht geliefert. Die Eurozone warte dringend darauf.

Die Eurogruppe hält nichts davon, ihre neuen Kredite an Griechenland durch die von der Athener Regierung erzielten Privatisierungserlöse abzusichern. Eine entsprechende Forderung Finnlands wurde von den anderen Euro-Finanzministern zurückgewiesen.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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  • "Die Eurozone verlangt von den privaten Investoren einen Zahlungsaufschub für Griechenland, will einen Zahlungsausfall aber weiterhin unbedingt vermeiden. ....Bereits jetzt wird an den Märkten die Wahrscheinlichkeit einer Pleite binnen der kommenden 24 Monate als sehr hoch eingeschätzt."

    Und so verläuft die Zukunft von Europa laut einer antiken Darstellung:

    " Europas Furcht ist bald überwunden, sie spielt mit dem Stier, füttert ihn, streichelt ihn und umwindet seine Hörner mit Blumen. Schließlich traut sie sich, auf seinen Rücken zu steigen – da geht der Stier ins Wasser und schwimmt aufs offene Meer hinaus. " (Quelle Wikipedia),

    So gesehen - saufen wir zwar nicht ab - aber ganz schön naß werden wir schon werden !

  • Wobei das Drehbuch jeden Monat den Gegebenheiten angepasst werden muß.
    Bis auf wenige Schlüsselelemente kann das Drehbuch nach belieben umgeschrieben werden.
    .

  • Nach Stalingrad kam die russische Ansage "Stalingrad, das Grab der deutschen Jugend".
    Bald heißt es: "Der EURO, das Grab der europäischen Jugend"

    Aber die EURO-Generäle kommen sicher ungeschoren davon und werden ihre ungeschmälerte Pension genießen - dafür wird immer Geld dasein.

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