1 000 Arbeitsplätze in Deutschland bedroht
Investoren steigen bei "Sanierungsfall" Grohe ein

"Wir müssen jetzt handeln, um aus einer Position der Stärke die Zukunft des Unternehmens zu sichern.“ Mit dieser kritischen Lagebeurteilung stimmte Grohe-Chef David Haines im März die Mitarbeiter des sauerländischen Sanitärherstellers auf tiefe Einschnitte ein. Anfang April segnete der Grohe-Aufsichtsrat ein von der Unternehmensberatung McKinsey erarbeitetes Sparkonzept ab.

HB PORTA WESTFALICA. Grohe, der weltweit bekannte Badezimmerausrüster, ein Sanierungsfall? Diese Nachricht kommt nicht nur für die Mitarbeiter völlig überraschend. Schließlich hatte das Unternehmen noch 2003 einen Rekordgewinn beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen in Höhe von 184 Mill. Euro gemeldet und wollte eigentlich zurück an die Börse.

Es kam anders. Der Finanzinvestor BC Partners, der Grohe 1999 für 900 Mill. Mark erworben und das im MDax notierte Unternehmen anschließend von der Börse genommen hatte, entschied sich für einen anderen Ausstieg: Für 1,5 Mrd. Euro verkaufte BC Partners die Grohe AG im Sommer 2004 an die beiden Finanzinvestoren Texas Pacific Group (TPG) und CSFB Private Equity. Bei einem Verkauf über die Börse oder an einen Interessenten aus der Industrie hätte BC Partners sich mit deutlich weniger begnügen müssen. Und das wiederum hätte die so genannte Performance-Fee für das Management von BC Partners geschmälert. Die berechnet sich nach einer simplen Formel: Der Kaufpreis wird vom Verkaufspreis abgezogen und die Differenz auf die Dauer des Engagements umgelegt. Je höher der prozentuale Wertzuwachs pro Jahr, desto mehr verdient das Management.

Brancheninsider attestieren BC Partners eine gute Arbeit – vor allem bei der Internationalisierung des Geschäfts. Grohes Auslandsanteil am Umsatz erhöhte sich von 64,3 Prozent im Jahr 1999 auf zuletzt 80 Prozent. So ließ sich auch bei einem schwächeren Inlandsgeschäft Wachstum generieren. Die Kehrseite: Grohe fertigt immer noch zu 80 Prozent im Inland. Das ist vergleichsweise teuer und erschwert eine prompte Belieferung ausländischer Kunden.

Genau hier setzten die neuen Eigentümer den Hebel an: Bis zum Jahr 2007 sollen die Kosten um 150 Mill. Euro sinken. Ein Drittel der Einsparungen will Grohe durch eine Produktionsverlagerung ins Ausland erreichen. Die 4 800 Mitarbeiter in den fünf deutschen Grohe-Werken sind alarmiert. Rechnerisch sind 1 000 Arbeitsplätze bedroht, um 50 Mill. Euro bei den Personalkosten zu sparen.

Der inzwischen fast komplett ausgewechselte Grohe-Vorstand steht unter einem enormen Druck. Denn der Weiterverkauf von einem Finanzinvestor zum nächsten hat die Bilanzrelationen signifikant verschlechtert, weil Grohe seine eigene Übernahme selbst finanzieren musste. Nach Abschluss der Transaktion stand Grohe mit 1,15 Mrd. Euro bei den Banken in der Kreide. Die Schulden sind gut 200 Mill. Euro höher als der Umsatz.

TPG und CSFB sind zweifellos ein hohes Risiko eingegangen. Üblicherweise steigen Finanzinvestoren bei kaum verschuldeten und operativ gut verdienenden Firmen ein, die die Belastung durch die hohen Finanzierungskosten verkraften können. Das Grohe-Management muss jetzt alles daransetzen, den hohen Kaufpreis zu rechtfertigen, ohne dass das operative Geschäft darunter leidet.

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