2,6 Milliarden jährlich
Atomausstieg lässt Strompreise steigen

Der beschleunigte Atomausstieg lässt die Strompreise in Deutschland steigen. Aufs Jahr gerechnet kostet die Energiewende 2,6 Milliarden Euro mehr an Stromkosten. Das ergibt ein Bericht der dem Handelsblatt vorliegt.
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BerlinDie Steigerung bei den Strompreisen ergibt sich aus Berechnungen des Verbandes der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), die dem Handelsblatt vorliegen. Der VIK steht für 80 Prozent des industriellen Energieeinsatzes in Deutschland
Der Verband hat die Preisentwicklung in Deutschland mit der in Großbritannien und in Skandinavien verglichen. Die Preise auf diesen beiden Märkten korrelierten bis zur Abschaltung der acht Kernkraftwerke kurz nach der Atomkatastrophe Fukushima im März 2011 traditionell sehr stark mit den Preisen in Deutschland. Seit März 2011 gilt das nicht mehr.

Der Preis in Deutschland hat gegenüber dem britischen um vier Euro je Megawattstunde zugelegt, gegenüber dem skandinavischen um sechs Euro. Auf Basis des Mittelwertes dieser Ergebnisse ergibt sich laut VIK ein Preiseffekt, der sich auf 2,6 Milliarden Euro pro Jahr beläuft, dabei entfallen 1,1 Milliarden Euro auf die Industrie. Damit sei die Behauptung widerlegt, „der deutsche Strompreis sei vom beschleunigten Kernenergieausstieg unbeeindruckt geblieben“, sagte VIK-Hauptgeschäftsführerin Annette Loske.

Weitere Preissteigerungen sind wahrscheinlich: „Ich sehe in jedem Bereich der Energiewende preistreibende Effekte“, sagte Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, dem Handelsblatt. Die Energiewende werde „die Bürger über viele Jahre finanziell in die Verantwortung nehmen“.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • mx1: Natürlich kann man noch ein paar Generationen lang Energie aus Kohle und Erdgas nutzen.

    Wenn man jedoch geeignetere Energiequellen sucht, hohe Energiedichte, Verfügbarkeit, niedrige Brennstoffkosten, so wird man mit ein wenig Analyse abseits ökoreligiöser Klimahöllen und dämonischer Atomstrahlen feststellen, dass die Kernenergie sehr wahrscheinlich die Energiequelle der Zukunft ist.

    Abseits einer religiösen Berichterstattung ist die Kernenergie aufgrund der hohen Energiedichte die Energiequelle mit den geringsten Mengen an Problemabfällen und den geringsten Umweltauswirkungen.

    Abseits einer religiösen phantasievollen Berichterstattung ist die Kernenergie aufgrund dessen, dass die Energiefreisetzung nur unter sehr spezifischen Bedingungen stattfindet, die sicherste Energiequelle.

    Wollen Sie wie im Mittelalter Wind und Biomasse nutzen?

    Vandale

  • Hallo mx1: Kernkraftwerke sind die sicherste Art Energie zu erzeugen. Der Unfall in Fukushima mit 5 Todesopfern wird monatlich durch Arbeitsunfälle bei den zig-1000 Windmühlen und Millionen Solardächern in Deutschland übertroffen wobei diese lediglich geringe Mengen wertlosen Zufallsstroms erzeugen. Die Möglicherweise etwa 100 Todesopfer von Tschernobyl dürften durch den Kohlebergbau der Ukraine jährlich übertroffen werden.

    Abseits von Hiroshima und Nagasaki mit ca. 80 Leukämiefällen gab es bislang nirgends eine signifikante Zunahme von Leukämie durch die Kernenergie. Eine Wiederaufbereitungsanlage ist genauso wenig geeignet wie ein Kernkraftwerk Leukämieerkrankungen in der Umgebung hervorzurufen. Meist ist die Radioaktivität im Umfeld dieser Anlagen unterdurchschnittlich als diese im Schwemmland und an den Küsten errichtet werden, die höchste Radioaktivität findet man in Deutschland in den Mittelgebirgen (höher als in Fukushima) und in F im Massiv Central.

    Ich meine Sie sollten sich von Ihrem religiösen Glauben an dämonische Atomstrahlen befreien.

    Vandale

  • @Vandale

    Deutschland ist nicht der Nabel der Welt. Wir müssen auch niemanden bevormunden, wie er seinen Strom erzeugen soll.
    Wenn alle etwas behaupten, muss es deswegen nicht richtig sein.
    Doch ist es nicht sinnvoll nach neuen Wegen zu suchen?
    Franke hat weiter oben die deutsche Ingenieurskunst gelobt, diese ist jetzt wieder gefragt. Nur wenn eine Veränderung erzwungen wird, dann wird der Mensch erfinderisch. So eine Situation haben wir jetzt.
    Die Erzeugung von Strom ohne AKWs bedeutet eine große Herausforderung, die uns in Deutschland auch viel bringen kann, Technologievorsprung (vorausgesetzt wir schenken es den Chinesen nicht wieder) und Erfahrung auf diesem Gebiet.

    Bisher gab es 2 Super-GAUs (Tschernobyl und Fukushima) und einen "ernsten Störfall" (Harrisburg).
    Bei der zunehmenden Dichte der AKWs ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Störfälle häufen.

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