2002 siegte Wolfgang Böhmer (CDU)
Wer regiert?

2002 war die Freude bei den bürgerlichen Parteien in Sachsen-Anhalt groß: Nach acht Jahren Opposition hatten sie die Macht zurückerobert. Ihr Sieg beerdigte zudem das Magdeburger Tolerierungsmodell: Acht Jahre lang hatte die PDS eine Minderheitsregierung gestützt, ohne der Koalition selber anzugehören.

HB MAGDEBURG. SPD-Ministerpräsident Reinhard Höppner hatte vier Jahre lang mit den Grünen koaliert und vier weitere Jahre allein regiert. Nun musste er seinen Posten räumen und dem CDU-Landes - und Fraktionschef Wolfgang Böhmer Platz machen, dessen Christdemokraten zusammen mit den Liberalen eine solide Mehrheit von zusammen knapp 51 Prozent erzielt hatten.

Böhmer hatte auch Gespräche mit der SPD über eine große Koalition nicht ausgeschlossen, verlegte sich aber schnell auf das einfacher zu schmiedende und zu erhaltende Bündnis mit den Liberalen. Die Verhandlungen führte FDP-Spitzenkandidatin Cornelia Pieper, die es dann jedoch in "umgekehrter Edmund-Stoiber-Manier" vorzog, nicht ins Kabinett nach Magdeburg zu wechseln, sondern FDP-Generalsekretärin zu bleiben. Pieper dürfte diese Entscheidung wohl bereut haben: Parteiintern schwer unter Druck, machte sie 2005 Platz für Dirk Niebel als neuem FDP-Generalsekretär.

Im zehn Personen umfassenden Kabinett stellt die CDU sechs Mitglieder und die FDP drei. Bildungs- und Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz ist parteilos. Die Liberalen verantworten die Ressorts Wirtschaft, Soziales und Finanzen, die CDU hat die Posten für Inneres, Justiz, Verkehr und Landwirtschaft inne. Bundesweit ist keiner der Minister sonderlich bekannt geworden.

Böhmer tritt bei der Wahl am 26. März erneut als Spitzenkandidat seiner Partei an und hat bereits klar gestellt, dass er die Koalition mit der FDP fortsetzen will. Die Liberalen gehen diesmal mit dem aus Saarbrücken stammenden Finanzminister Karl-Heinz Paqué an der Spitze ins Rennen und würden Böhmer den Wunsch gern erfüllen - "damit Schwarz-Gelb in Magdeburg Schwarz-Rot in Berlin Beine macht", wie Ex-Generalin Pieper unlängst tönte. Allerdings stehen die Chancen für eine Fortsetzung von Schwarz-Gelb nicht allzu gut: Eine Mehrheit für beide Parteien im Landtag ist fraglich, die Liberalen müssen zudem um ihren Wiedereinzug ins Parlament zu Füßen des Magdeburger Doms bangen.

Fakten zum Land Sachsen-Anhalt:

Sachsen-Anhalt wurde in den heutigen Grenzen im Jahr 1990 neu gebildet, nachdem es von 1946 bis 1952 bereits existiert hatte. Das Land umfasst eine Fläche von 20 446 Quadratkilometern und hat rund 2,48 Millionen Einwohner. Damit ist Sachsen-Anhalt unter den 16 Bundesländern flächenmäßig das achtgrößte und gemessen an der Bevölkerungszahl das elftgrößte Land. Die Bevölkerungsdichte beträgt etwa 122 Einwohner pro Quadratkilometer. Im Bundesrat hat Sachsen-Anhalt vier Stimmen.

Im Januar 2006 waren 259 100 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote betrug 20,4 Prozent (Deutschland: 5,01 Millionen/12,1 Prozent). Damit hatte Sachsen-Anhalt den vorletzten Platz in der bundesweiten Arbeitsmarktstatistik.

Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte betrug im Jahr 2004 rund 21,4 Milliarden Euro, wobei 18 Milliarden Euro auf das Land und 3,4 Milliarden Euro auf die Gemeinden entfielen. Die umsatzstärksten Firmen sind im Süden des Landes in den Bereichen Ernährung, Chemie sowie Erdölverarbeitung angesiedelt. Der Norden wird geprägt von Metallverarbeitung und von der Ernährungswirtschaft.

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