2007 statt 2006
Elektronische Gesundheitskarte kommt später

Die bundesweite Einführung der elektronischen Gesundheitskarte verzögert sich weiter: Erst 2007 sollen die ersten Karten an Versicherte ausgegeben werden. Die Karte soll einmal zu einer umfangreichen Patientenakte ausgebaut werden.

HB DÜSSELDORF. Der Vizepräsident des Branchenverbands Bitkom, Jörg Menno Harms, sagte am Mittwoch in Düsseldorf, in der Vergangenheit sei viel Zeit durch mangelhaftes Projektmanagement verschenkt worden. Auch der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit, rechnet nicht mehr für 2006 mit der bundesweiten Aushändigung des Datenträgers. "Den großen Flächeneinsatz der Gesundheitskarte wird es erst 2007 geben", sagte er.

Geplant war bisher, die Karten von Anfang 2006 an flächendeckend auszuhändigen. Die Erprobungsverfahren sollten im vierten Quartal 2005 beginnen. Das Ausschreibungsverfahren sollte eigentlich im Juni dieses Jahres beginnen. Wegen Verzögerungen bei der Entwicklung der Gesundheitskarte hatte das Bundesgesundheits-Ministerium im September notwendige Festlegungen für die Erprobung und zur technischen Spezifikationen von den Spitzenverbänden im Gesundheitswesen an sich gezogen.

Ein Ministeriumssprecher sagte, Ziel bleibe, mit der flächendeckenden Verteilung der Karte an die 80 Millionen gesetzlich und privat Versicherten 2006 zu beginnen. Wenn die Flächentests mit zunächst 10 000 und später 100 000 Beteiligten vernünftig liefen, könne die Karte sehr schnell verteilt werden.

Nach Bitkom-Angaben ergab eine gemeinsame Umfrage mit den Industrieverbänden BDI, ZVEI und der Ärzteorganisation Hartmannbund, dass fast die Hälfte der befragten Krankenkassen und Kliniken "unklare rechtliche, technische und organisatorische Rahmenbedingungen" als wesentliches Hemmnis für die Einführung der neuen Gesundheitskarte ansähen.

82 Prozent der befragten Kassen und 86 Prozent der Kliniken benötigen länger als ein halbes Jahr, um ihre Infrastruktur vorzubereiten. Voraussetzung dafür sei, dass die technischen Vorgaben vorlägen. "Davon sind wir noch weit entfernt“, kritisierte Bitkom-Vize Harms. Bisher sei nicht einmal klar, in welchen Regionen die Praxistests durchgeführt würden.

Nach Bitkom-Schätzungen haben die Unternehmen in Deutschland seit 2003 rund 50 Millionen Euro in die Entwicklung der Gesundheitskarte investiert. Um das Projekt zu beschleunigen, stellt die Industrie 130 Telematik-Experten bereit. Die elektronische Gesundheitskarte soll die bisherige Chipkarte ablösen und die jähllich rund 800 Millionen Rezepte abwickeln. Notfalldaten können auf freiwilliger Basis gespeichert werden.

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