20 000 Fachkräfte fehlen
Pflegeversicherung droht Rekorddefizit

Der Pflegeversicherung droht in diesem Jahr ein Rekorddefizit von bis zu einer halben Milliarde Euro. Der Ersatzkassenverband VdAK stellt sich nach vorsichtiger Schätzung auf Basis der vorliegenden Halbjahreszahlen auf ein Minus zwischen 450 bis 500 Mill. € ein.

HB/dpa BERLIN. Eine VdAK-Sprecherin bestätigte am Freitag in Berlin die Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Sie warnte jedoch davor, „von einer dramatischen Entwicklung“ zu sprechen. Genaue Zahlen lägen noch nicht vor und könnten erst zum Jahresende abhängig vom Verlauf der Konjunktur genannt werden. Das Gesundheitsministerium sprach von Spekulationen. Beim Bundesversicherungsamt war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Finanzlage der 1995 eingeführten Pflegeversicherung sorgt seit Tagen für eine heftige Debatte über die Zukunft dieser Sozialsicherung. Die Forderung der Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt zur Abschaffung der Pflegeversicherung und Integration von Leistungen in die Krankenversicherung stößt überwiegend auf Ablehnung. Allerdings muss die Pflegeversicherung auf die demographische Entwicklung und die Zunahme stationärer Fälle reagieren. Seit 1995 ist die Zahl Pflegebedürftiger um 300 000 auf 1,9 Mill. gestiegen.

Im vergangenen Jahr hatte die Pflegeversicherung bei Einnahmen von knapp 17 Mrd. € ein Defizit von 400 Mill. € und damit das vierte Mal in Folge ein Minus ausgewiesen. Grund für die höheren Ausgaben sind steigende Versicherungsleistungen bei stagnierenden Einnahmen. Die VdAK-Sprecherin verwies darauf, dass zudem in diesem Jahr die Leistungen der Kassen für Demenzkranke ausgeweitet worden seien, was zu Mehrkosten von bis zu 300 Mill. € führe. Diese politisch gewünschte Maßnahme schlage entsprechend zu Buche.

Nach Angaben des VdAK ist die Pflegeversicherung angesichts von Rücklagen in Höhe von knapp fünf Mrd. € ausreichend gerüstet. Der relativ niedrige Beitragssatz von 1,7 % müsse nicht erhöht werden. „Das muss man alles in Relation setzen“, sagte die VdAK- Sprecherin mit Blick auf eine mögliche Erhöhung des Defizits.

In Altenheimen herrscht nach wie vor Personalnotstand. Nach einer bereits Ende Juni in Berlin vorgestellten Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (dip) fehlen in den 9100 Altenheimen in diesem Jahr 20 000 Pflegefachkräfte. So viele neue Mitarbeiter seien notwendig, um offene Stellen besetzen und Überstunden abbauen zu können. Die gesetzlich vorgeschriebene Fachkraftquote von mindestens 50 % werde teils unterschritten. Zudem nehmen der dip-Studie zufolge die Zahl sowie die Qualifikation der Bewerber um offene Stellen ab, obwohl die Bundesanstalt für Arbeit mehr als 27 000 Altenpflegekräfte als arbeitslos führe.

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