273 Polizisten verletzt
Schwerste Maikrawalle seit Jahren

Bei den schwersten Maikrawallen seit Jahren sind in der Nacht zum Samstag mehr als 273 Polizisten und mindestens 136 Demonstranten in Berlin verletzt worden. Bis in die Morgenstunden lieferten sich Demonstranten und Polizei immer wieder Straßenschlachten im Berliner Bezirk Kreuzberg. Für Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sind das jedoch keine Zeichen für soziale Unruhen.

HB BERLIN. Nach mehreren Jahren rückläufiger Randale war Berlin in diesem Jahr wieder Schauplatz schwerer Mai-Krawalle. Bis Samstag früh lieferten sich Demonstranten und Polizei immer wieder Straßenschlachten in Kreuzberg. Dabei wurden nach Angaben der Polizei 273 Beamte verletzt - dreimal so viele wie vor einem Jahr. Nach Angaben der Organisation „18 Uhr Bündnis“ wurden mindestens 136 Demonstranten verletzt. Über 50 von ihnen hätten wegen zum Teil schwerer Kopfverletzungen in Krankenhäusern behandelt werden müssen. 289 Randalierer wurden festgenommen. „In dem Bemühen, einen friedlichen 1. Mai zu bekommen, haben wir gestern einen Rückschlag erlitten“, bilanzierte Innensenator Ehrhart Körting.

Zu den schwersten Auseinandersetzungen kam es am Freitag nach Anbruch der Dunkelheit am Kottbusser Tor nahe einem Straßenfest mit Tausenden Besuchern. Nach Darstellung der Polizei griffen etwa 700 Demonstranten immer wieder die Polizei an. Die Beamten wurden mit Steinen, Flaschen und Böllern beworfen. Vor der ausrückenden Polizei seien die Gewalttäter wiederholt in das das Straßenfest geflüchtet, um sich dort neu zu formieren. Die Polizei setzte Schlagstöcke, Tränengas und Pfefferspray gegen die Randalierer ein. Die Festgenommenen müssen sich wegen meist wegen des Vorwurfs des Landfriedensbruchs, Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt verantworten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden bis Samstagmorgen elf Haftbefehle ausgestellt.

Einige der Randalierer brachen nach Polizeiangaben Gehwegplatten aus dem Bürgersteig, zertrümmerten sie und nutzten die Brocken als Wurfgeschosse. Müllcontainer wurden angezündet, Ampeln demoliert. Polizeipräsident Dieter Glietsch schilderte einen Fall, in dem drei Beamte mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angesteckt wurden. Auch dank des schnellen Eingreifens von Kollegen seien sie unverletzt geblieben. In einen anderen Fall hätten die Randalierer ein Fahrzeug mit zwei Beamten angegriffen. Die blieben zwar unverletzt, aber einer habe mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen.

Die hohe Zahl an Verletzten unter den 5800 eingesetzten Polizeibeamten erklärte Polizeipräsident Glietsch mit der gestiegenen Zahl an Festnahmen. Bei den Zugriffen wurde teils heftig gerungen, viele Polizisten trugen Prellungen davon. Vor einem Jahr waren 138 Randalierer festgenommen worden, 90 Polizisten wurden verletzt.

„Das Klima ist rauer geworden“, sagte Körting. Von sozialen Unruhen könne aber nicht gesprochen werden. Der Großteil der Täter sei unpolitisch. „Die Randale stand eindeutig im Vordergrund.“ Vor allem Gewerkschaften hatten angesichts der Wirtschaftskrise vor sozialen Unruhen gewarnt.

Auch in Hamburg kam es zu Krawallen, wenn auch im viel geringeren Ausmaß. Die Polizei wurde am Freitagabend im Schanzenviertel aus einem Spontanaufzug von rund 100 Personen heraus mit Flaschen und Steinen beworfen. Sechs Polizisten seien leicht verletzt und vier Fahrzeuge beschädigt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Bei den Zusammenstößen, die bis gegen 03.00 Uhr andauerten, seien 24 Personen Gewahrsam und 23 festgenommen worden. 2008 hatte Hamburg am 1. Mai die schwersten Krawalle seit Jahren erlebt, als sich Rechtsextreme und Autonome stundenlang Straßenschlachten lieferten.

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