2 500 Arbeitsplätze geschaffen
Investoren haben bei ATU viele Stellen geschaffen

Die Autowerkstatt-Kette ATU beweist, wie Arbeitnehmer profitieren, wenn Private-Equity-Investoren einsteigen. Seit dem Kauf durch Finanzinvestoren im Jahr 2002 schaffte das Unternehmen rund 2 500 Arbeitsplätze. „Wir geraten in eine Debatte, in die wir nicht reingehören“, klagt daher ein ATU-Sprecher über den Vergleich mit Heuschrecken.

HB WEIDEN. Heute beschäftigt der Betreiber von Autowerkstätten rund 12 000 Mitarbeiter und hat seit dem Einstieg mehrerer Private-Equity-Firmen die Zahl seiner Filialen von 390 auf 504 erhöht. Auto Teile Unger, kurz ATU, will mit Unterstützung der neuen Eigentümer seine Wachstumsgeschichte fortsetzen: Im Jahr 2009 will die Kette bereits 600 Filialen in Deutschland betreiben – und auch im Ausland weiter expandieren.

Dabei war der Einstieg der Finanzinvestoren alles andere als eine geradlinige Erfolgsgeschichte: Unternehmensgründer Peter Unger hatte ATU, weil er keinen Nachfolger fand, 2002 an die Beteiligungsgesellschaft Doughty Hanson verkauft, die zwei Jahre später vergeblich versuchte, das Unternehmen an die Börse zu bringen. Dabei hätte Doughty Hanson aber nicht die gewünschte Rendite erzielt. Der Investor suchte deshalb einen Käufer, der mehr als die Börse bot. Für 1,45 Mrd. Euro stiegen die amerikanischen Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) bei ATU ein, die heute eine deutliche Mehrheit an der Gesellschaft (rund 80 Prozent) halten. Obwohl der geplatzte Börsengang viel Geld kostete, traten die neuen Eigentümer bei der Expansion von ATU nicht auf die Bremse.

Der Erfolg gibt KKR Recht. Das vergangene Geschäftsjahr war operativ das beste in der Firmengeschichte, heißt es stolz in der Hauptverwaltung in Weiden. Doch der Besitzerwechsel hinterließ seine Spuren auch bei ATU. Die Beteiligungsgesellschaften finanzieren ihre Übernahmen in der Regel zu zwei Dritteln mit Fremdkapital, um die Rendite auf ihr eingesetztes Eigenkapital zu heben. Die Schulden übertragen sie dann auf die gekauften Unternehmen. Da das Unternehmen von einer Beteiligungsgesellschaft an die andere weitergereicht wurde, schnellte auch bei ATU die Verschuldung in die Höhe. Ende 2004 betrugen die Finanzschulden laut ATU 894 Mill. Euro, im Vergleich zu 490 Mill. Euro Ende 2003.

Den Vorwurf, dass die Finanzinvestoren die Unternehmen auspressen, um die Kosten der Fremdfinanzierung wieder einzuspielen, hält KKR-Partner Johannes Huth für unberechtigt. „Ein völlig ausgequetschtes Unternehmen könnten wir gar nicht verkaufen“, hält er dem entgegen, „das nimmt uns keiner ab.“

Mit ATU will Huth nach früheren Aussagen international expandieren und es dann in fünf bis sieben Jahren an die Börse bringen. KKR konzentriert sich auf große Transaktionen im Wert von mehr als einer Mrd. Euro. In Deutschland kauft KKR jährlich im Schnitt zwei bis drei Firmen. In der Branche genießt der US-Finanzinvestor heute einen guten Ruf, weil er mit durchschnittlich rund sieben Jahren relativ langfristig in seine Beteiligungen investiert, sagt ein Branchenkenner.

Das Gespann KKR- ATU belegt, dass die Interessen des Investors und des Unternehmens keineswegs so gegenläufig sind, wie es in der öffentlichen Diskussion häufig behauptet wird: Die Bayern profitieren von der Branchenerfahrung der Amerikaner, die in den USA den größten Autoteile-Händler Autozone an die Börse gebracht haben. Zudem verfügt KKR über großen Sachverstand beim Thema Controlling und verlangt keine Dividendenausschüttung.

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