3,2 Milliarden für Athen
Koalition feiert die deutschen Banken

Die deutschen Banken beteiligen sich mit mehr als drei Milliarden Euro am Hilfspaket für Athen. Die Regierung lobt die Institute in den höchsten Tönen. Obwohl massive Abschreibungen und ein Veto der Ratingagenturen drohen.
  • 32

BerlinSolche Töne sind Musik in den Ohren ansonsten viel gescholtener Banker. Die Beteiligung deutscher Banken und Versicherungen an Hilfen für das hoch verschuldete Griechenland ist in der Koalition auf große Zustimmung gestoßen. Damit steigt die Chance auf die Billigung eines neuen Rettungspakets im Bundestag in der kommenden Woche.

„Gemessen an der Laufzeit der Griechenland-Anleihen und daran, was deutsche Banken halten, ist das für mich eine substanzielle Beteiligung“, sagte der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Michael Meister. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle verwies auf Anleihen im Wert von zehn Milliarden Euro, die von deutschen Geschäftsbanken und Versicherungen gehalten werden. „Ein Drittel halte ich schon für einen substanziellen Beitrag", betonte der ehemalige Wirtschaftsminister. Wenn es am Ende aber noch mehr werde, freue er sich natürlich darüber.

Der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, bezeichnete die von Finanzminister Wolfgang Schäuble auf 3,2 Milliarden Euro bezifferte Beteiligung als „sehr gutes Signal“. Er fügte hinzu: „Damit ist eine wichtige Voraussetzung erfüllt, neuen Finanzhilfen für Griechenland zuzustimmen.“ FDP-Fraktionsvize Volker Wissing sagte Reuters: „Es ist gut, dass sich die Gläubiger ihrer Verantwortung stellen.“ Für die Eurozone sei dieser freiwillige Schritt sehr wichtig.

Auch CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt begrüßte die Beteiligung der Banken und Versicherungen. „Mit der freiwilligen Gläubigerbeteiligung ist eine entscheidende Forderung aus dem Entschließungsantrag der Koalitionsfraktionen erfüllt und eine wichtige Voraussetzung für ein weiteres Hilfspaket gegeben.“ Die Einigung gehe in die richtige Richtung.

Brüderle lobte Schäuble ausdrücklich, dass ihm eine Beteiligung privater Gläubiger auf freiwilliger Basis gelungen sei. Die Umsetzung der französischen Idee zum Austausch auslaufender Anleihen sei ein richtiger Ansatz. Bei dem französischen Modell investieren Gläubiger rund die Hälfte der auslaufenden Griechen-Bonds wieder in neue, länger laufende Papiere. Dadurch bekommt Griechenland mehr Zeit für die Rückzahlung und damit finanziell mehr Luft.

Das Bundesfinanzministerium und deutsche Banken haben sich auf eine freiwillige Gläubigerbeteiligung an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland verständigt. Der Beitrag belaufe sich auf insgesamt 3,2 Milliarden Euro, teilte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstag in Berlin mit.

Die Banken seien direkt mit zehn Milliarden Euro in griechischen Staatsanleihen engagiert. Sie sollen nun Anleihen freiwillig verlängern. Zusätzlich hat die staatlichen Förderbank KfW bislang Kredite über 8,4 Milliarden Euro an Athen als Teil der deutschen Griechenland-Hilfen ausgezahlt.

Eine komplett freiwillige Einbindung der Privatgläubiger ist wichtig, damit Rating-Agenturen diese Maßnahme nicht als Zahlungsausfall bewerten. Dies würde die Schuldenkrise in der Euro-Zone dramatisch verschärfen. Schäuble und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann betonten, letzte Details würden bis Sonntag geklärt werden. Ackermann hatte zuvor gewarnt, dass eine Lösung aus Bankensicht wasserdicht sein müsse, um eine drohende zweite große Finanzkrise wie 2008 nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers zu verhindern.

Kommentare zu " 3,2 Milliarden für Athen: Koalition feiert die deutschen Banken"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hilfe von Staatsbanken? Also muss der Steuerzahler zweimal zahlen. Das ist Bürgernähe. Für den Bürger nichts und für die Politiker alles. Warum ist AI eigentlich für die Todesstrafe. Das sind doch Beispiele, wo sie sehr sinnvoll ist!

  • Man stelle sich vor, es sei Zahltag für fällige Staatstitel der Griechen ... und Griechenland zahlt nicht. Für alle Gläubigerbanken ist das ein finanzieller Horror, für die Politiker der Eurozone ist es ein Desaster in puncto Ansehen und Vertrauen - und ein finanzielles Problem.

    Nun bemühen sich Banken und Regierungen, diesen ziemlich sicher zu erwartenden Zahlungsausfall zu kaschieren. Dazu gibt es die gemeinsame Inszenierung einer großartigen Rettung und gegenseitiges Schulterklopfen.

    Wer Schmierenkomödien mag ... bitte sehr.

  • Nicht Schaeuble ist hier fuer dumm verkauft worden, sondern die Bevoelkerung. Schaeuble sollte man zutrauen, das er diese Lachnummer mitgestaltet hat. Zumal er sich ja mit dubiosen Geldgeschaeften auskennt. Man kann auch davon ausgehen, das der Steuerzahler auch dafuer haften wird. Treppenwitz der Geschichte, durch seine Verwicklung in die Parteispendenaffaere der CDU hat Schaeuble ja Merkel erst moeglich gemacht. Schlimm ist fuer Deutschland, das jemand mit so einem gespaltenen Verhaeltnis zum Gesetz und zu Geld immerhin Innenminister oder gar Finazminister werden kann.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%