30 Jahre nach dem Krieg: Argentinien stellt sich die Falkland-Frage

30 Jahre nach dem Krieg
Argentinien stellt sich die Falkland-Frage

Bis heute lernen Schulkinder in Argentinien, dass die Falklandinseln zu ihrem Land gehören. Und das selbst 30 Jahre nach dem Krieg um die „Malvinas“. Erst heute stellen einige den Anspruch auf die Inseln infrage.
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Buenos AiresJedes Schulkind in Argentinien lernt es von klein auf: „Las Malvinas son argentinas“, die Falkland-Inseln sind argentinisch. Auf der Landkarte ist der Archipel im Atlantik vielen geläufiger als die gegenüberliegende Provinz Santa Cruz auf dem Festland. Da gewesen sind jedoch nur die wenigsten - ausgenommen die Soldaten, die 1982 gegen Großbritannien in den Krieg geschickt wurden.
Die erste Militärregierung 1930 fing damit an, den Argentiniern den Hoheitsanspruch auf die knapp 12 000 Quadratkilometer große Inselgruppe einzupauken. Die waren ein Jahrhundert zuvor von den Briten eingenommen worden. Seitdem wurde dieser Anspruch von den Regierenden nicht mehr infrage gestellt - egal ob Militär- oder Zivilregierung.
Als „La hermanita perdida“, das verlorene Schwesterchen, werden die Inseln in einem Lied der renommierten Künstler Atahualpa Yupanqui und Ariel Ramírez besungen. Die Strophen sind auf der Website des argentinischen Erziehungsministeriums zu finden - neben anderen Liedern und Gedichten zum 30. Jahrestag der Invasion, die zum Krieg mit Großbritannien führte.
Damals, am 2. April 1982, konnte sich die Militärdiktatur unter General Leopoldo Galtieri einer breiten Unterstützung, egal welcher politischen Couleur, sicher sein - bis hin zu der linksperonistischen Guerilla der Montoneros und den Trotzkisten. In der Bevölkerung, so ergaben Meinungsumfragen, lag die Zustimmung zum Krieg bei 90 Prozent.

Die Kriegsführung mutete zum Teil abenteuerlich an. So wurden etwa zwei Dutzend Zivilpiloten einberufen, die in beschlagnahmten Privatflugzeugen die Küstenüberwachung des argentinischen Festlands zu übernehmen hatten. Sobald sie ein Schiff sahen, mussten sie nah heranfliegen, Aufzeichnungen machen und die Skizze nach Rückkehr den Offizieren der Luftwaffe übergeben. Diese primitive Aufklärungsarbeit hatte ihre Tücken.

So wurde ein Angriff auf ein eigenes U-Boot erst in letzter Minute abgebrochen, ebenso der Angriff auf einen Alleinsegler, der - hoch erschrocken - eine deutsche Fahne schwenkte, wie einer der „Aufklärer“, heute Flugkapitän einer größeren Fluggesellschaft, der Nachrichtenagentur dpa erzählte. Obwohl eigentlich keine Militärs, waren fast alle Teilnehmer dieses Geschwaders bereit, ihr Leben in dem patriotischen Vorhaben zu opfern.
Der Krieg ist lange vorbei. Doch die Einsicht wächst nur langsam.

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Sind die Malvinas wirklich argentinisch?

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  • Nicht eine einzige der angeführten Inseln ist, im Gegensatz zu den Falkland-Inseln, ein Beispiel dafür, dass die Bevölkerung fast ausschließlich aus Besatzungssoldaten besteht. Der Zugehörigkeitsstatus der genannten Inseln zur EU bzw. zu den genannten EU-Staaten mag in der heutigen postkolonialen Ära skurill erscheinen, führt aber nicht zu einem derart unnatürlichen Status zwanghafter Abschottung zum natürlichen, geographischen Umfeld, wie das bei den Falkland-Inseln leider gegeben ist.

    Ungeachtet dessen sollte meines Erachtens den französischen Überseedepartements durchaus freigestellt sein, über ihre staatliche Zukunft selbst zu entscheiden. Allerdings ist mir nicht bekannt, dass derartige Bestrebungen irgendwo nennenswert bestehen und ein Ausmaß annehmen würden, wie es beispielsweise auf Korsika der Fall wäre.

    Ihr Beispiel Südtirol fällt dagegen in die ganz andere Kategorie ewig umstrittener Grenzgebiet benachbarter Staaten, wie Elsaß-Lothringen, Schleswig, Preußen, Slavonien, Kosovo, Mazedonien, Nordirland etc. Die Problematik dieser Gebiete ist bzw. wird hoffentlich noch im Rahmen einer fortschreitenden Europäisierung überwunden. Für die Auflösung der unnatürlichen Verhältnisse um die Falkland-Inseln, sind allerdings Bemühungen anderer Art von Nöten. Auf jeden Fall sehe ich keinerlei Grundlage für einen Vergleich mit Martinique oder Südtirol.

  • Tja, dass müssten sich dann einige Länder fragen, wie zB
    Spanien (Kanarischen Inseln) und Frankreich
    Karibik
    Guadeloupe
    Martinique
    Saint-Barthélemy
    Saint-Martin
    Atlantik (Westküste)
    Französisch-Guayana
    Saint-Pierre und Miquelon
    Sicher gibt es soch weiter Länder mit entfernten Inseln ...

    Ab wann ist ein Besitzanspruch "gerechtfertigt". Historisch, weil es für mehr als 100 Jahren in Besitz genommen wurde? Oder nur durch Entfernung? Warum hat dann zB Italien auf Südtirol mehr Besitzanspruch als Österreich? Da gäbe es viele Beispiele, wo man ohne Ergebnis diskutieren könnte.

  • Zur Zeit des Falkland-Krieges war Argentinien eine Militärdiktatur und die Menschenrechte wurden in den Dreck getreten - richtig! Beantwortet das aber die Frage, warum England einen stärker begründeten Anspruch auf die Falkland-Inseln glaubt erheben zu können als Argentinien?

    Es ist natürlich zu begrüßen, wenn Kreise in Argentinien darum bemüht sind, die Diskussion zu entkrampfen, indem der Wert von Menschenrechten für die Entwicklung einer Nation ausdrücklich betont und territorialen Besitzansprüchen und der Verfügbarkeit von Ressourcen gleichberechtigt an die Seite gestellt wird. So weit, wie das Handelsblatt hier impliziert, geht die Selbstverleugnung aber nicht, dass die Unterzeichner der Deklaration ausdrücken wollten, dass es noch heute zuerst darauf ankäme, den Menschenrechten in Argentinien Geltung zu verschaffen, bevor an die Kalkland-Inseln gedacht werden darf. Ersteres ist nämlich schon seit langem geschehen und entsprechend ist besagter Satz, anders als in der Übersetzung, nicht im Präsens sondern in der Vergangenheitsform formuliert.

    Davon abgesehen stünde es auch den Engländern nicht schlecht zu Gesicht, nach 30 Jahren einmal wieder über die Falkland-Inseln nachzudenken und zu überprüfen, mit welchem Recht auf dieses Archipel kolonialähnliche Besitzansprüche geltend gemacht werden. Doch angesichts vermuteter Erdölvorkommen und der Interessen, die englische Firmen in diesen Gewässern verfolgen, braucht man eine intellektuelle Auseinandersetzung in England, die argentinisches Niveau erreicht, überhaupt eine Auseinandersetzung angesichts dieses Jubiläums, die über ein feierliches Abspielen des "Rule Britannia, Britannia rule the Waves" hinausreicht, wohl besser nicht erwarten -oder etwa doch?

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