30 000 Studenten pendeln zwischen Betrieb und Akademie
Wirtschaft lobt Berufsakademien als Erfolgsmodell

Berufsakademien (BA) zahlen sich für Studenten und Unternehmen aus: Die dreijährige Ausbildung ist praxisnah und kurz, Inhalte werden schnell an Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst – und diese scheint wunschlos glücklich: Selbst im Vergleich mit Hochschulabsolventen gebe es „überhaupt keinen Nachteil“ für die Einsatzfähigkeit der BA-Absolventen, stellt die Bildungsexpertin des Deutschen Industrie und Handelskammertages, Berit Heintz, zufrieden fest.

DÜSSELDORF. Sogar bei der Hochschulrektorenkonferenz gilt die BA „eindeutig als Erfolgsmodell“, sagt Generalsekretärin Christiane Ebel-Gabriel. Insgesamt sei eine große Bandbreite von Ausbildungsangeboten „dringend erforderlich".

BA-Studenten bewegen sich während der dreijährigen Ausbildung in zwei Welten: In Betrieben sind sie mit Kunden und Kollegen konfrontiert, die Akademie vermittelt ihnen theoretisches Rüstzeug. Regelmäßiger Wechsel zwischen Theorie und Praxis, Jahresurlaub statt Semesterferien, Anwesenheitspflicht in Betrieb und Hochschule – das sind Kennzeichen für Berufsakademien.

Eine Ausbildungsform, die es längst nicht in allen Bundesländern gibt: Gut zwei Drittel der insgesamt rund 30 000 BA-Studenten im vergangenen Wintersemester studierten in Baden-Württemberg – dem Land, das 1974 die erste BA in Deutschland gründete. Der Rest verteilt sich auf Berlin, Hessen, Niedersachsen, Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

1972 startete die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Neckar das so genannte „Stuttgarter Modell“ mit 180 Studenten: Eine bildungspolitische Initiative, die das „Duale Prinzip“ der Berufsausbildung mit der theorieorientierten Hochschulausbildung verknüpfen wollte. Der erfolgreiche Verlauf dieses Modells war dann ausschlaggebend für die Gründung der Berufsakademie, erinnert sich der Personal- und Bildungspolitikleiter der Daimler-Chrysler AG, Albrecht Sanner. Seither hätten sie sich zu einem „echten Erfolgsmodell“ entwickelt.

„Drei Quellen“ seien damals zusammen gekommen, sagt einer der Gründer, der heutige Direktor der Stuttgarter BA, Walter Schneider: Die damalige Angst der Bildungspolitiker vor der ansteigenden Studentenzahl, die in BAs eine Alternative zum theorielastigen Hochschulstudium sahen. Zudem wollte man mit der BA Aufstiegschancen für Berufsschullehrer schaffen. Entscheidend war letztlich die Initiative dreier schwäbischer Firmen: Bosch, Daimler und SEL. Weil an den Universitäten damals die Wissenschaftsorientierung kontinuierlich zu- und der Praxisbezug abgenommen habe, sei ihren Unternehmen ein duales Studium „sehr willkommen“ gewesen, erinnert sich Peter Gutzan von der Personalentwicklung bei Bosch.

Knapp 30 Jahre später fällt Schneiders Resümee überschwänglich aus: „Ich bin voll überzeugt von diesem System“. In Baden-Württemberg sei die Kombination aus praktischer Berufsausbildung und theoretischer Hochschulbildung „konsequent umgesetzt“ worden. Die Zahlen geben ihm Recht: 90 % der BA-Absolventen in Baden-Württemberg erhalten nach ihrem Studium einen Arbeitsvertrag, 75 % werden von ihrem eigenen Ausbildungsbetrieb übernommen.

Ausbilder und Wirtschaft sind sich einig, dass der BA-Abschluss dem einer Fachhochschule gleichgesetzt werden kann: Zwar dauere die theoretische Ausbildung der BA laut Schneider pro Semester nur zwölf Wochen, nicht 15 wie an der Fachhochschule. Dafür verlange und ermögliche die BA eine höhere Lernintensität, weil durch das Ausbildungsgehalt kein Nebenjob notwendig sei. Bei Daimler-Chrysler, die derzeit rund 500 BA-Studenten ausbildet, heißt es, diese hätten die gleiche Startsituation wie Fachhochschulabsolventen. Auch im Vergleich zu Hochschulabsolventen gebe es „keinen Nachteil für die Karriere im Unternehmen“.

Auch bei Bosch steht das BA-Diplom „gleichberechtigt neben den Abschlüssen an Hoch- und Fachhochschule“. Selbst für Führungslaufbahnen: so sei etwa der Sprecher der Geschäftsleitung für Sicherheitstechnik ein BAler.

Bosch bildet BA-Studenten ebenso wie Daimler-Chrysler vor allem in technischen Berufen und Betriebswirtschaft aus. „Genauso machbar ist diese Ausbildung aber auch für Lehrer, Juristen und Mediziner“, ist BA-Direktor Schneider überzeugt. Dazu „wäre aber eine Revolution nötig“.

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