Deutschland hat seine Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Vergleich laut Statistischem Bundesamt deutlich verbessert. Die Arbeitskosten bewegen sich zwar weiter auf hohem Niveau, stiegen in den vergangenen Jahren aber weniger stark als in anderen Staaten. In einigen Nachbarländern zahlen Arbeitgeber deutlich mehr. Auch innerhalb Deutschlands gibt es große Unterschiede.
HB BERLIN. Auf 100 Euro Bruttolohn und -gehalt müssen deutsche Arbeitgeber im Schnitt noch einmal 33 Euro Nebenkosten drauflegen. Diese Zahl nannte das Statistische Bundesamt aus der jüngsten Erhebung für das Jahr 2004. Damit sind die Lohnnebenkosten in etwa so hoch wie im Nachbarland Niederlande. Dort zahlen die Arbeitgeber 32 Euro. Polnische Arbeitgeber kommen immerhin auf 25 Euro.
In einem vorläufigen Vergleich rangiert Deutschland auf dem sechsten Platz. In Dänemark ist die Arbeit am teuersten, aber auch in den Beneluxländern und Frankreich zahlen die Firmen pro Arbeitsstunde mehr als in Deutschland.
Seit 2000 stiegen die Arbeitskosten insgesamt so wenig, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit in der EU verbessert hat, wie Behördenchef Johann Hahlen in Berlin erklärte. Bei den deutschen Lohnnebenkosten machen nach Angaben des Bundesamts 20 Euro für die normalen Arbeitgeberpflichtbeiträge zur Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung den größten Batzen aus. Hinzu kommen sechs Euro für die betriebliche Altersversorgung und knapp drei Euro für die Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Mutterschutz. Immerhin zwei Euro schlagen in der Statistik für Kosten des Personalabbaus zu Buche. Drei Euro werden für „sonstige Lohnnebenkosten“ angesetzt.
Grafiken: Arbeitskosten in im Vergleich
Insgesamt brachten deutsche Arbeitgeber 2004 im Durchschnitt je Arbeitsstunde im produzierenden Gewerbe und bei Dienstleistungen 28,18 Euro auf, im verarbeitenden Gewerbe 31,15 Euro. Diese Kosten seien seit 2000 jährlich um 2,0 Prozent gewachsen - in der EU vergleichsweise wenig, sagte Hahlen. Im europäischen Schnitt stiegen sie um 2,8 Prozent. Neue EU-Mitglieder wie Tschechien (plus elf Prozent), Ungarn (11,1 Prozent) oder Estland (10,4) hatten noch wesentlich höhere Steigerungsraten.
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Das Kostengefälle zwischen Ost- und Westdeutschland ist weiterhin gewaltig: In den neuen Ländern war eine Arbeitsstunde 2004 im Schnitt um 28,2 Prozent billiger als im Westen. „Der rasche Angleichungsprozess der ersten Jahre nach der Wiedervereinigung hat sich seit 1996 deutlich verlangsamt“, sagte Hahlen. Allerdings seien die Löhne im Osten vor allem geringer, weil es dort deutlich weniger Großunternehmen gebe, die gut bezahlten.
Besonders groß sei die Differenz in der Bekleidungsindustrie, wo die Arbeit im Osten um rund die Hälfte billiger als im Westen ist. Im öffentlichen Dienst beträgt der Unterschied 15,2 Prozent. Attraktiv für Firmen seien auch die Arbeitszeiten in den neuen Ländern. Dort hätten die Beschäftigten im Jahr 2004 rund 55 Stunden länger als ihre West-Kollegen gearbeitet, sagte Hahlen.
Günstigste Bundesländer bei den Arbeitskosten je Stunde waren 2004 Thüringen (20,41 Euro), Sachsen-Anhalt (20,84) und Sachsen (21,14). Am teuersten war die Arbeit in Hamburg (31,80 Euro), Hessen (31,40) und Baden-Württemberg (30,84). Nach Branchen sind die Arbeitskosten in der Energie- und Wasserwirtschaft mit 41,40 Euro am höchsten. Die niedrigsten Kosten fallen im Gastgewerbe (15,34) an.
Zu den Arbeitskosten zählt das Statistische Bundesamt neben Bruttolohn, Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Leistungsprämien auch die Kosten für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Auszubildenden- Vergütungen.


