50 Mitarbeiter wurde bereits 2003 entlassen
Kolping-Bildungswerken droht das Aus

Das Kolpingwerk, drittgrößter Bildungsträger für Fort- und Weiterbildung in Deutschland, sieht viele seiner über das ganze Bundesgebiet verstreuten Bildungseinrichtungen in ihrer Existenz bedroht. Der Grund ist die mit dem Hartz-III-Gesetz eingeleitete Sparpolitik bei der aktiven Arbeitsmarktförderung. Der Etat wurde 2003 um 20 % zusammengestrichen, in diesem Jahr soll er um weitere 12 % gekürzt werden.

BERLIN. „Ich weiß nicht, ob ich im Juli, wenn die Vergabe der neuen Fördermaßnahmen zur Berufsvorbereitung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) abgeschlossen sein wird, überhaupt noch Mitarbeiter beschäftigen kann“, sagt Joachim Lehmann, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerks im Diözesanverband Augsburg. Er musste bereits im vergangenen Jahr 50 seiner 300 Mitarbeiter entlassen. Ähnlich sehe es in den übrigen 21 Bildungsunternehmen des Kolpingwerkes in Deutschland aus, sagt Werner Sondermann von der Arbeitsgemeinschaft der Kolping-Bildungswerke.

Die Sparpolitik bei der aktiven Arbeitsmarktförderung sei zwar „zum Teil berechtigt, weil in der Vergangenheit viele zweifelhafte Maßnahmen gefördert wurden – vor allem in den neuen Bundesländern“, so Sondermann. Doch im Falle des Kolpingwerks mit seinen bundesweit noch rund 3000 Beschäftigten gehe es „vor allem um die Frage, ob es in Zukunft noch ortsnahe, qualifizierte Angebote für die Problemgruppen am Arbeitsmarkt“ gebe. Dabei denkt Sondermann an Langzeitarbeitslose, Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder von Arbeitslosigkeit bedrohte ältere Arbeitnehmer. Mache die BA so weiter, drohe ein Kahlschlag. Von dem blieb Kolping bislang nur verschont, weil die meisten Verträge mit den Arbeitsämtern erst dieses Jahr auslaufen.

Sorge bereitet den Kolping-Einrichtungen vor allem die neue Vergabepraxis, mit der die Kürzungen umgesetzt werden. „Die Bundesagentur ist dazu übergegangen, dass statt der Arbeitsämter zentrale Vergabestellen Aufträge in großen Losen ausschreiben, die mehrere Arbeitsmarktregionen zusammenfassen.“ Den Zuschlag erhalte der Billigste, klagt der Landesverband des Kolpingwerks Nordrhein-Westfalen. So blieben regionale Anbieter auf der Strecke, während große kommerzielle Träger den Zuschlag erhielten. Diese könnten ihr Personal oft ohne Rücksicht auf Qualität zu Billiglöhnen einkaufen, da sie anders als die Gemeinnützigen nicht an Tarifverträge gebunden seien.

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