60. Geburtstag des Ex-SPD-Vorsitzenden
Lafontaine schweigt über seine politische Zukunft

Auch an seinem 60. Geburtstag hat es der früherer SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine offen gelassen, ob er an einem politischen Comeback arbeitet. Bei einem Empfang der Saar-SPD zu seinen Ehren erklärte er nur, dass er gemeinsam mit dem saarländischen Partei- und Fraktionsvorsitzenden Heiko Maas in den kommenden Jahren noch viel vorhabe.

HB SAARBRÜCKEN. „Ich fühle mich relativ fit und wie ein alter Schlachtgaul - wenn ich die Trompete höre, fange ich an, unruhig zu werden“, sagte er. Bislang hat sich die SPD nicht auf einen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 5. September 2004 festgelegt. Für viele Saarländer gilt Lafontaine als aussichtsreichster Bewerber.

Auf der Gästeliste des ehemaligen Saar-Ministerpräsidenten, SPD- Vorsitzenden und Bundesfinanzministers standen unter anderem Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne), der frühere PDS-Chef Gregor Gysi und der CSU-Politiker Peter Gauweiler. Von der SPD-Spitze aus Berlin wurde im Saarbrücker Rathaus kein Vertreter erwartet. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte seinem früheren Mitstreiter und späteren Gegner lediglich mit knappem Schreiben gratuliert.

Lafontaine äußerte sich zur Abwesenheit der Parteispitze mit einem Augenzwinkern: „Dass Heiko Maas heute hier den Bundesvorstand der SPD vertritt, hat besondere Gründe, auf die ich nicht näher eingehen will.“ Maas hatte zuvor eindringlich an die SPD-Führung appelliert, das Verhältnis der Partei zu ihrem ehemaligen Vorsitzenden zu normalisieren. „Es ist Zeit für eine Aussöhnung“, sagte er unter dem Beifall der Gäste.

Gestörtes Verhältnis zu Schröder

In den frühen 90er Jahren hatte Lafontaine als Vertreter des linken SPD-Flügels gemeinsam mit Schröder und dem damaligen Parteichef Rudolf Scharping die Führungs-Troika der Partei gebildet. 1995 nahm er Scharping den SPD-Vorsitz ab. 1998 ließ er Schröder den Vortritt als Kanzlerkandidat und wurde nach dessen Sieg Bundesfinanzminister. Im Februar 1999 legte Lafontaine überraschend Parteivorsitz und Ministeramt nieder. Später kritisierte er die Regierungspolitik mehrfach harsch. Seitdem gilt das Verhältnis zu Schröder als endgültig zerbrochen.

Am Dienstag sprach sich Lafontaine erneut gegen den gegenwärtigen Kurs der Parteiführung aus. Es sei falsch, auf Pragmatismus und reine Wirtschaftlichkeit zu setzen. „Das Herz der SPD ist die Mitmenschlichkeit“, sagte Lafontaine. „Ich habe den Eindruck, die Familie - und ich meine dabei die Partei - besinnt sich erst so richtig aufeinander, wenn es eng wird.“

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