60 Jahre Grundgesetz
Köhler stiehlt Schwan bei Festakt die Schau

Wenn es nach dem donnernden Beifall für Bundespräsident Horst Köhler gegangen wäre, hätte seine Wiederwahl am Freitag schon festgestanden. Er sprach zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt vor 1 400 geladenen Gästen. Seine SPD-Gegenkandidatin Gesine Schwan war dabei. Sie saß im blauen Kostüm etwas verloren im Parkett.

HB BERLIN. Draußen vor dem Prunkbau, im Herzen der Hauptstadt, herrschte dagegen gähnende Leere: Kaum Volk. Die Party zum Verfassungsgeburtstag war wohl nicht genügend bekannt. Die Touristen, die vorbeischlenderten, reagierten jedenfalls sehr überrascht. Viele wirkten vor den Eingangskontrollen unschlüssig, ob sie nun ihr Programm ändern und auf den eigens für Publikum abgesperrten Gendarmenmarkt gehen sollten.

Hätte es nicht die zum Festakt gehörende Komparserie gegeben, wäre der Tag dürr verlaufen. Musik-, Theater- und Folkloregruppen wie die Trachtler und die „Goaßlschnoiza“ (Peitschenknaller) vom Chiemsee bis hinauf an die Ostsee zum Shantychor „Luv un Lee“ hatten sich vor dem Konzerthaus aufgebaut wie an einem roten Teppich für die Prominenz. Als der Shantychor aus Mecklenburg-Vorpommern loslegte, sah es an einer Stelle so aus, als sänge Bundeskanzlerin Angela Merkel mit.

Mehrfach wurde Köhlers Rede von Beifall unterbrochen. Etwa bei seinem Gruß an die Soldaten im Auslandseinsatz: „Einige Soldaten, aus allen Bundesländern, nehmen heute an dieser Feier teil. Ich danke ihnen und ihren Kameradinnen und Kameraden für ihren Dienst,“ sagte Köhler. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan applaudierte heftig mit.

Auch sein Dank an die DDR-Opposition erhielt starken Beifall: „Vielen war beklommen zumute. Aber der Mut war stärker“, rief Köhler aus. Unter Applaus dankte er den USA für die Unterstützung der deutschen Einheit.

Beifall gab es ebenso für seine Würdigung des Aufbauwillens im Osten, getragen von der Solidarität im Westen. Und wieder gab es Beifall für seine Forderung nach weiteren Anstrengungen, damit die Teilung Deutschlands nicht in der Arbeitslosenstatistik weiterlebe. Unter den am heftigsten Klatschenden war DGB-Chef Michael Sommer. Er saß gleich neben Schneiderhan.

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