60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald
Zentralratspräsident Spiegel warnt vor Erstarken rechtsextremer Parteien

HB BERLIN. Mit einer zentralen Gedenkfeier wird zur Stunde an die Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrationslager vor 60 Jahren erinnert. Etwa 550 ehemalige KZ-Häftlinge nehmen an der Veranstaltung teil. An den Veranstaltungen im Deutschen Nationaltheater Weimar und in der Gedenkstätte Buchenwald nehmen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel teil.

Schröder machte deutlich, dass die Erinnerung an die «Zeit des Nationalsozialismus, an Krieg, Völkermord und Ver­brechen» Teil der deutschen Identität geworden sei. Daraus ergebe sich eine «bleibende moralische Verpflichtung». Der Kanzler versprach: «Wir, die Nachgeborenen, die Vertreter eines anderen, eines demokratischen Deutsch­lands, wir wollen und wir werden nicht zulassen, dass Unrecht und Gewalt, dass Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wieder eine Chance bekommen.»

Schröder wies zudem darauf hin, dass Gedenkstätten wie die des nahe gelegenen Konzentrationslagers Buchenwald deshalb so wichtig seien, weil sie die Vergangenheit überzeugend in die Gegenwart holten. «Sie mahnen uns, der Versuchung zum Vergessen und zum Verdrängen nicht nachzugeben.»

Zentralrats-Präsident Spiegel warnte in seiner Ansprache vor einem Vorstoßen rechtsextremer Parteien in die Mitte der Gesellschaft. Nach dem Einzug in die Landtage von Sachsen und Brandenburg sei es ihr Ziel, zum «normalen, selbstverständlichen Bestandteil der politischen und gesellschaftlichen Kultur in Deutschland zu werden», sagte er. «Das muss uns alarmieren.»

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) rief zu mehr Wachsamkeit gegen Rechtsextremismus auf. «Wir müssen uns mehr Mühe geben, als immer nur 'Nie wieder!' zu sagen», betonte er. «Die dunkelsten Kapitel unserer Geschichte dürfen sich nicht wiederholen. Deshalb müssen wir hinsehen, wenn neue braune Verführer am Werk sind.»

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnte vor einer Relativierung der Vernichtung der Minderheit in der NS-Zeit. Die Aussage, dass der Völkermord an Sinti und Roma mit dem gleichen Willen zur endgültigen Vernichtung durchgeführt worden sei wie der an den Juden, dürfe nicht in Frage gestellt werden, sagte Präsident Romani Rose. Dieser Satz von Ex- Bundespräsident Roman Herzog solle die Inschrift für das geplante Holocaust-Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma in Berlin werden.

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