65-Jährige erreichte die Herzen der Delegierten
Demokraten lagen Teresa fast zu Füßen

Ihren Auftritt beim Parteitag haben Manager der US-Demokraten gefürchtet. Als aber Teresa Heinz Kerry am Dienstagabend nach 25 Minuten im Blitzlichtgewitter das Podium verließ, lagen ihr die jubelnden 4350 Delegierten fast zu Füßen. Die Parteistrategen konnten aufatmen.

HB WASHINGTON. Die 65-Jährige, die sich laut „USA Today“ selbst als „frech, sexy und manchmal sonderbar“ beschrieb, hatte diszipliniert ihre Rede gehalten. Aber es war sofort spürbar, dass nicht professionelle Redenschreiber am Werk gewesen waren, sondern eine ambitionierte Frau. „Es ist mein Kopf, mein Herz und meine Sprache“, hatte sie angekündigt.

Und so galten ihre ersten Worte eigenwillig ihrem verstorbenen ersten Ehemann, dem Ketchup-Milliardär und republikanischen Politiker John Heinz, von dem Sie nach dessen Unfalltod bei einem Flugzeugabsturz 1991 mehr als 500 Mill. Dollar geerbt hatte. Er wäre sicher stolz auf seinen Sohn Chris gewesen, der seine Mutter auf dem Parteitag einführte, sagte sie. Dann grüßte sie die Delegierten in fünf Sprachen, die sie alle fließend beherrscht, würdigte ihre Mutter und warb dann vehement und glaubwürdig für ihren Mann, den Präsidentschaftskandidaten John Kerry, sprach von dem Schatz der amerikanischen Freiheit, von besseren Schulen und mehr Umweltschutz.

Der 65-Jährigen gelang es mit ihrer selbstbewussten, eigenwilligen Art die Herzen der Delegierten zu erreichen. In einem hellroten Kostum gekleidet, nicht immer souverän im Umgang mit dem Mikrofon, betonte sie nachdrücklich das Recht der Frauen auf eine eigene Meinung. Solche Frauen dürften nicht mehr als eigenwillig oder überheblich beurteilt werden - da sprach sicher eine Betroffene.

Teresa Heinz Kerry, die öffentliche Auftritte durchaus genießt, gerne frank und frei und zuweilen mit deftigen Worten wie „scheißegal“ redet, hatte an diesem Abend nur ein Ziel: ihren Mann als „Kämpfer“, als ehrlichen Politiker und wahren Patrioten zu beschreiben. Die Art, wie sie das machte, zeigte, dass mit ihr eine überaus anspruchsvolle „First Lady“ ins Weiße Haus einzöge. Die im südafrikanischen Mosambik geborene Tochter eines portugiesischen Arztes wäre ein enormer Kontrast zu derzeitigen „First Lady“, Laura Bush, eine dezente, elegante Frau, die aber das Rampenlicht eher meidet.

Teresa Heinz Kerry wühlte den Parteikonvent sichtlich auf - und darum vor allem geht es bei diesen Parteitagen, um Gefühle und noch mal Gefühle. Mindestens zwei Mal am Tag wird deshalb die Nationalhymne gesungen, mal von einem Mädchen mit heller, fast überschlagender Stimme, mal von Profis mit dunkler Bluesstimme, mal jazzig oder mal ganz konventionell - aber immer voller Pathos. Popstars stimmen sentimentale Antikriegslieder an oder animieren mit rockigen Popsongs die Arena zum wogenden Mittanzen und Mitsingen.

Ohnehin begleitet eine 12-köpfige Band den minutiös geplanten Konvent, vier Tage lang, jeweils sieben lange Stunden. Gleißende Scheinwerfer und glitzernde Laufbänder illuminieren die gigantische Sportarena mit ihren 19 000 Plätzen. Und die Delegierten tragen mit Wimpeln, Transparenten, den selbst gebastelten, farbenprächtigen Parteihüten und vor allem mit ihrer Begeisterungsfähigkeit zu der glanzvollen Krönungszeremonie des Präsidentschaftskandidaten bei, die manche als Wahlkampfzirkus empfinden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%