75-minütiges Interview
Susanne Osthoff, die Fremde

Die deutsche Archäologin Susanne Osthoff, die sich 24 Tage lang in der Gewalt irakischer Kidnapper befand, hat erneut ein Fernsehinterview gegeben. Bei Reinhold Beckmann in der ARD bemühte sie sich, einiges geradezurücken. Sie trat unverschleiert auf, sprach verständlich - und untermauerte doch den Eindruck, den die Öffentlichkeit inzwischen von ihr hat.

HB DÜSSELDORF. Osthoff war für das 75-minütige Interview, das am Montagabend ausgestrahlt und vorher aufgezeichnet worden war, das erste Mal wieder nach Deutschland gekommen. Zunächst schilderte sie noch einmal die Hintergründe ihres Projekts im Irak - den Wiederaufbau einer verfallenden Karawanserei in Mossul - und die Einzelheiten ihrer Gefangennahme. Beckmann kam kaum zu Wort, die Ex-Geisel sprach wieder ohne Punkt und Komma. Anders als bei Marietta Slomka mäanderten ihre Sätze jedoch nicht ins Endlose. Detailliert schilderte Osthoff die brutalen Details ihrer Gefangenschaft in abgelegenen Wüstenstationen, ihren Durst, den sie nur leidlich mit Tee stillen konnte, die Schmerzen, die sie durch die Behandlung durch die Kidnapper und die Plastikfesseln erlitt.

Spannend wurde es, als Beckmann konfrontativer auftrat. Da war die Frage nach der Verschleierung im ZDF-Interview, das im Al-Dschasira-Studio in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgezeichnet worden war. Osthoff erklärte dies damit, dass sie von einem einheimischen Fahrer ins Studio gefahren worden sei und sich dafür gemäß der Landessitte verhüllt habe. Im Studio angekommen, sei keine Zeit gewesen, sich die Haare zu richten - also habe sie es vorgezogen, die Burka zu tragen. Dabei blieb Osthoff auch, als Beckmann ihr vorhielt, das ZDF stelle die Sache anders dar. Die Kritik an dem Auftritt nannte die Archäologin eine "nicht nachvollziehbare Hetzjagd".

Als Beckmann wissen wollte, ob es stimme, dass sie im Irak für den Bundesnachrichtendienst gearbeitet habe, dementierte Osthoff energisch: "Wenn ich für den BND gearbeitet hätte, hätte ich meine 540 Euro Miete in Glonn (ihrem Wohnort in Bayern) regelmäßig zahlen können. Wäre ich ein Informant gewesen, würde ich heute nicht mehr leben, dann hätten mich die Entführer umgebracht", sagte sie.

Was von dem Interview im Gedächtnis bleibt, ist der Eindruck, dass Susanne Osthoff eine Frau ist, die anders lebt, die anders fühlt und die auch nicht bereit ist, sich den gängigen Konventionen anzupassen. Die trotz der Todesangst, die sie ausstand und unter der sie nach eigenen Worten bis heute leidet, wieder im arabischen Raum leben möchte. Die ihre 12 Jahre alte Tochter bei Freunden aufwachsen lässt und auch jetzt keinen Grund sieht, das zu ändern. Susanne Osthoff ist die Fremde, die es in die Fremde zieht.

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