8,50 Euro in der Kritik
Arbeitgeber fordern Überarbeitung des Mindestlohns

100 Tage besteht die Regelung, fast alle Arbeitnehmer müssen seit Jahresbeginn in Deutschland 8,50 Euro pro Stunde verdienen. Die Arbeitgeber ziehen nun kritisch Bilanz. Sie fordern: Die Kanzlerin soll das Gesetz ändern.
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Osnabrück/ PassauIn einer Zwischenbilanz zum flächendeckenden Mindestlohn haben die Arbeitgeber dringend eine Überarbeitung des Gesetzeswerkes angemahnt. „Wir setzen hier auf die Zusage der Bundeskanzlerin, nach Ostern tätig werden zu wollen“, sagte der Generalsekretär des Zentralverbands des deutschen Handwerks, Holger Schwannecke, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Donnerstag an die Adresse von Regierungschefin Angela Merkel (CDU). Schließlich gebe es zahlreiche Probleme bei der Umsetzung des Gesetzes, das an diesem Freitag 100 Tage in Kraft ist.

Schwannecke kritisierte, mit umfassenden und teilweise unsinnigen Dokumentationspflichten zum Mindestlohn stelle der Gesetzgeber zehntausende Familienbetriebe im Handwerk unter Generalverdacht. Das Metzger-, Bäcker- und Konditorenhandwerk müsse ohne jeden Anhaltspunkt mit dem Besuch schwer bewaffneter Zöllner rechnen. „Hier gilt es, auf den Zoll einzuwirken, in Friseursalon oder Bäckereifiliale nicht aufzutreten wie bei der Verfolgung organisierter Kriminalität auf einer Großbaustelle“, sagte Schwannecke.

Auch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer kritisierte in der „Passauer Neuen Presse“ vom Donnerstag die „viel zu bürokratischen Dokumentationspflichten“ sowie Rechtsunsicherheiten beim Umgang mit flexiblen Arbeitszeiten. „Betriebe, die zum Beispiel viel höhere Löhne als den gesetzlichen Mindestlohn zahlen, müssen vollständig von den bürokratischen Regelungen ausgenommen werden“, forderte Kramer. Geändert werden müssten auch die Regeln für Praktikanten und die Haftung der Betriebe für die Subunternehmer.

„Die viel zu weitgehende Auftraggeberhaftung nach dem Mindestlohngesetz belastet mittlerweile große Teile der Wirtschaft“, bemängelte der Verbandschef. Es sei „höchst unklar, welcher Arbeitgeber für welchen Lohn haftet“. „Es geht nicht darum, den Mindestlohn aus den Angeln zu heben. Es geht darum, vernünftige, handhabbare Regelungen für seine Anwendung zu finden“, sagte Kramer der Zeitung.

Auch der Vorsitzende des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian von Stetten (CDU), forderte eine Änderung des Mindestlohngesetzes. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sei „mit ihren Dokumentationspflichten zum Mindestlohn weit über das Ziel hinausgeschossen“, sagte er der „PNP“. Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, sprach sich in der Zeitung für einen „Mindestlohn mit Augenmaß“ aus. „Aufwand und Ertrag müssen in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen.“

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " 8,50 Euro in der Kritik: Arbeitgeber fordern Überarbeitung des Mindestlohns"

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  • Herr Hans Mayer 09.04.2015, 10:25 Uhr

    "8,50 x 160 Std. =1360 Brutto"

    Das wären an Rente ( Rentenanwartschaften/Regelaltersrente) in Zukunft :
    Gehalt Brutto : 1347,51 € / Monat
    gezahlter Rentenbeitrag für das gesamte Jahr : 3056,16 €

    Anrechnung Rente : 13,36 € / Monat , im Jahr 160,32 € x die Arbeitsjahre

    Ein Alptraum !
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    Gehalt Brutto : 2539,68 €
    gezahlter Rentenbeitrag für das gesamte Jahr : 5760,00 €

    Anrechnung Rente : 25,17 € / Monat , im Jahr 302,04 € x die Arbeitsjahre

    Frust, nur noch Frust ! Arbeit lohnt sich nicht in Deutschland, wenn man hier leben muss !
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    Gehalt Brutto : 5800,00 € / Monat
    gezahlter Rentenbeitrag für das gesamte Jahr : 13154,40 € / das ist der Höchstsatz

    Anrechnung Rente : 57,48 € / Monat , im Jahr 689,76 € x die Arbeitsjahre

    Wehe, man erreicht die 45 Arbeitsjahre nicht !

    WIR werden verars..t von unseren "Volksvertretern" und der kranken Lobby !!!

    Wer ein Brutto-Gehalt von 2010,58 € / Monat erhält, hat ein paar Euro mehr als einer, der noch nie gearbeitet hat ! Das sollen 40 % der Arbeitnehmer sein, die unter diesem Gehalt arbeiten gehen !

    Bitte nicht vergessen, die ein paar Euro mehr Rente nur bei erreichen der 45 Arbeitsjahre !

    Sozial ist, was Arbeit schaft ! Ein widerlicher, asozialer Satz !

    Die Riester-Rente = die totale Volksverars..ung !

  • Ja, so wird man u.a. Exportweltmeister, fragwürdiger, unseriöser Titel, auf Kosten anderer !
    Missbrauch bei Leih- und Werkvertrag und prekäre, miese Beschäftigung bei den Zulieferer !

    Durch die Deregulierungen im Arbeitsrecht und Finanzen ( üble Übernahmen bei Firmen ), die durch ROT/GRÜN "kreiert" wurden, haben diese Parteien die Ausbeutung an Arbeitnehmern eingeläutet !
    Die nachfolgenden Koalitionen haben es so belassen oder "weiterentwickelt" in einigen Bereichen !

    Die Deckelung der Beiträge auf der Arbeitgeberseite im Gesundheitswesen und die Absenkung Rentenniveau sind gesparte oder ergaunerte Kosten für die Zukunft, die der Arbeitnehmerschaft die Altersarmut und eine beschämende Lebensqualität beschert !

    Das mittlerweile bereits 40+ jährige Probleme bekommen eine Festanstellung mit einem fairen Gehalt, ist auch eine politisch gewollte Rentenkürzung.
    Bei HartzIV werden keine Rentenbeiträge bezahlt !

    Es steckt ein mieses System dahinter !

    Bei unserem Arbeitsrecht vor ROT/Grün hatten wir in Deutschland einen Mindestlohn nicht nötig !

    Kranker Lobbyismus und ein Lohn-Dumping-Vandalismus in D + EU !


  • @Hans Mayer: Leider muss man das anders sehen: D hat sich im Gegensatz zu den Südeuropäern durch Hartz und niedrige Löhne weltweit konkurrenzfähig(er) gemacht. WIr sind so ziemlich die einzigen, die Reformen konsequent durchziehen und auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig bleiben, während unsere Euro-Kollegen verlangen, dass wir deren ungedeckten, schuldenfinanzierten Lebensstil finanzieren.

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