Ab 2011
Ende der Wehrpflicht stürzt Unis ins Chaos

Die Wehrpflicht soll kommendes Jahr ausgesetzt werden. Für die Hochschulen wäre das eine enorme zusätzliche Herausforderung: An den Unis würden sich 2011 dann voraussichtlich mehrere zehntausend Studenten zusätzlich einschreiben. Und das in einem Jahr, in dem der Ansturm auf Universitäten und Fachhochschulen ohnehin ein Maximum erreicht.
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BERLIN. Wegen der Aussetzung der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes "könnte es sein, dass die Hochschulen 2011 bis zu 50 000 zusätzliche Studenten aufnehmen müssen", sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), dem Handelsblatt. Die KMK habe daher einen Staatssekretär-Ausschuss beauftragt, nach Wegen zu suchen, wie das Problem gemeistert werden könne. "Dann werden wir sehen, ob möglicherweise eine Ausweitung des Hochschulpaktes nötig ist", sagte Spaenle.

64 000 Studienanwärter mehr können an die Unis drängen

Die Grundsatzentscheidung für die Aussetzung des Wehrdienstes - und damit auch des Zivildienstes - ist gefallen, nun geht es noch um die Umsetzung. Offen ist auch, ob Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) einen freiwilligen Zivildienst einrichtet.

Im vergangenen Jahr wurden 68 000 junge Männer zum Wehrdienst einberufen, 90 000 wählten den Zivildienst. Auf dieser Basis ergibt sich für die Zukunft folgende Rechnung: Geht man davon aus, dass etwa 40 Prozent dieser beiden Gruppen eine Hochschulzugangsberechtigung haben, wären das rund 64 000 potenzielle Anwärter. Da in der Regel nur 70 Prozent auch tatsächlich ein Studium aufnehmen, bleiben immer noch 45 000, die womöglich zusätzlich an die Hochschulen strömen.

Selbst wenn sich die Studienanwärter auf mehrere Jahre verteilen, erfolgt der Ansturm ausgerechnet dann, wenn laut KMK-Prognose ohnehin der Höchststand an Bewerbern erreicht wird. "Für das kommende Jahr erwarten wir schon durch die doppelten Abiturjahrgänge in Bayern und Niedersachsen besonders viele Studienanfänger. Diese Situation wird sich mit Abschaffung der Wehrpflicht noch verschärfen", warnt die Präsidentin der Hochschulrektoren, Margret Wintermantel. Die Hochschulen würden zwar "alles daran setzen, dieser zusätzlichen Herausforderung gerecht zu werden", sagte sie dem Handelsblatt. Doch "dazu brauchen sie die flexible Handhabung des Hochschulpakts. Es müssen also Mittel früher fließen als bisher vorgesehen."

Dazu kommt, dass auch die Prognosen der KMK schon jetzt Makulatur sind. So haben vergangenes Jahr 422 700 junge Menschen ein Studium begonnen - 35 000 mehr als veranschlagt. Die ersten Zahlen aus den Ländern sprechen dafür, dass das nur der Anfang war. So geht etwa Nordrhein-Westfalen davon aus, dass sich in diesem Herbst fast neun Prozent mehr Erstsemester einschreiben als im Vorjahr.

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  • Man muss auch die Chancen sehen. Wenn nicht alle einen Studienplatz bekommen, werden mehr junge Leute erst einmal ein freiwilliges soziales Jahr machen oder sich für kurze Zeit beim bund verpflichten. Für die neuen freiwilligen Dienste ist die Situation von großem Vorteil.

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