Ab Sommer 2011
Verdeckte Ermittler sollen Bankberater kontrollieren

Der Ruf der Banker hat in den vergangenen Jahren stark gelitten. Berater in den Filialen empfehlen ihren Kunden die falschen Produkte, sei es aus Unwissenheit oder um die eigene Provision zu maximieren. Verdeckte Ermittler sollen jetzt die Empfehlungen kontrollieren.
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BERLIN. Die Finanzaufsicht BaFin erhöht den Druck auf die Banken. Um die Finanzberatung in deutschen Banken zu verbessern, sucht die BaFin jetzt „verdeckte Ermittler“. Eine entsprechende Ausschreibung nach externen Dienstleistern sei bereits in Vorbereitung, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen. Die Bundesregierung will mit dem Einsatz von Testkäufern erreichen, dass die Zahl der Falschberatung deutlich sinkt. Die Ermittler sollen erstmals im Sommer 2011 zum Einsatz kommen.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hatte den Plan der Regierung im Interview mit dem Handelsblatt am Montag angekündigt. „Künftig werden von staatlicher Seite aus verdeckte Ermittler eingesetzt und nicht nur die allgemeinen Bedingungen geprüft“, sagte Aigner. Die Verbraucherschutzministerin hatte den Vorstoß zuvor mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) abgestimmt, dem die Finanzaufsicht untersteht. Im Haushalt der BaFin sei bereits entsprechende Vorsorge für die zusätzlichen Ausgaben eingestellt worden, hieß es im Finanzministerium. Wie hoch die Kosten für die zusätzlichen Berater ausfallen, konnten die beiden beteiligten Ministerien gestern nicht sagen.

Grund für die ungewöhnlich scharfen Bankkontrollen sind die eklatanten Mängel, die die Stiftung Warentest zuletzt festgestellt hatte. In diesem Sommer beurteilten die Warentester die Qualität der Anlageberatung bei deutschen Geldinstituten als „jämmerlich“. Nach Testbesuchen in 21 Banken, Volksbanken und Sparkassen bekamen sechs Institute die negativste Note „mangelhaft“. Die Note „gut“ wurde gar nicht vergeben. Das Bankengewerbe räumte damals Defizite ein und gelobte Besserung. Demnach führen viele Finanzinstitute mittlerweile verstärkt hausinterne Kontrollen durch. Nach den Plänen der Bundesregierung soll die Stiftung Warentest mit ihren Vergleichstests auch künftig eine zentrale Rolle spielen. Eine Gesetzesänderung ist nach Einschätzung der Bundesregierung für den Einsatz verdeckter Ermittler nicht nötig.

In Kundengesprächen soll künftig getestet werden, ob und wie die Finanzberater die Vorgaben des Wertpapierhandelsgesetzes umsetzen, hieß es in Regierungskreisen. Vor einer Beratung müssten demnach sowohl die Vermögens- und Einkommenssituation sowie Beruf, Risikobereitsschaft und Schulden des Kunden abgefragt werden.

Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU) unterstützt den Vorschlag, den Verbraucherschutz in der Finanzberatung zu verbessern. „Unser Leitbild ist der aufgeklärte Verbraucher. Aber dazu muss sichergestellt werden, dass der Kunde alle relevanten Informationen von den Finanzinstituten erhält“, sagte Meister dieser Zeitung.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur

Kommentare zu " Ab Sommer 2011: Verdeckte Ermittler sollen Bankberater kontrollieren"

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  • Die banken müssen halt als Sündenböcke herhalten. Es kann daher nur Aktionismus entstehen, der auf basis unsinniger interpretationen und falschen Thesen entwickelt wird. beispiel einer blödsinnigen Aussage: "bänker beraten aus Unwissenheit...oder weil sie die falschen Produkte verkaufen.." Wenn eine Geschäftsleitung Produktvorgaben gibt, sind diese Produkte natürlich in erster Linie zu verkaufen. Oder geht man etwa in eine Weinhandlung und will bier kaufen? Oder geht jemand zum VW-Händler und kauft einen KiA? Anderer blödsinn: Kunden nach den Vermögensverhältnissen fragen. Wie naiv ist denn die Politik, zu glauben, dass Kunden bereitwillig ihre persönlichsten Vermögensverhältnisse einfach so preisgeben? Nein, dieses investigative Schaulaufen ist eine Verarsche von Kunden und auch von beratern, die die letzten sein sollten, die für Verfehlungen der bosse und unlogischer, ausufernder gesetzlichen bestimmungen, im Fokus stehen sollten.

  • Wow. Endlich zäumt da mal jemand das Pferd von hinten auf. Sie kriegen ihren Mund nicht auf, wenn Sie die Milliardenvernichter kontrollieren sollen, aber der kleine berater am Schalter, der in der bürokratie der Frau Aigner erstickt und dann auch noch Geld für seinen Arbeitgeber verdienen soll wird unter Allgemeinverdacht gestellt. Solange für die Dienstleistung Anlageberatung nicht bezahlt wird, kann man auch keine Qualität erwarten, schon garnicht, wenn kein Abschluss zustande kommt, wie bei der Stiftung Warentest im Allgemeinen. Wer kontrolliert eigentlich den Versicherungsvertreter, der mir eine Fondsgebundene Versicherung verkauft, gleich ein paar Tausender Providion einstreicht und mich dann nie wieder sieht, während die Fonds das Geld vernichten ?? Welcher Händler, außer der bank, muss seinen Ertrag offenlegen - wohlgemerkt. ohne die Kosten gegenrechnen zu dürfen ?? Vielleicht sollte ich mir schon mal eine Zelle aussuchen, oder kündigen ... den Job macht ja sowieso bald ein Computerprogramm ... mehr Leistung scheinen wir ja nicht zu erbringen. Komisch, das sich bei mir noch nie jemand beschwert hat. Meine Kunden scheinen so schlau zu sein, den Mund aufzumachen, wenn Sie etwas nicht verstehen, oder wenn Sie kein Risiko wünschen ... ups ... das sind doch nicht etwa mündige bürger ... und die dürfen denken :-???

  • Wieder so ein Pseudosache.
    Ver dekcte Ermittler? und das tönt man dann jetzt im Vorfeld durch sämtliche Medien?
    Das sit ungefähr so, als wenn ein Spion im Vorfeld laut aller Welt maitteilt, was er jetzt vorhat
    Aber was erwartet man bei so einer Krampfhenne Aigner denn schon anderes.

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