Abfrage-Pflicht Bundestag stimmt für Organspende-Reform

Jeder Bürger soll künftig regelmäßig von den Krankenkassen Fragen zu seiner Bereitschaft zur Organspende bekommen. Für das neue Gesetz gab es im Bundestag eine breite Mehrheit.
Update: 25.05.2012 - 11:17 Uhr 47 Kommentare

Bundestag stärkt Organspende

BerlinDer Bundestag hat eine umfassende Reform der Organspende in Deutschland beschlossen. Künftig werden alle Krankenversicherten ab 16 Jahren schriftlich aufgefordert, eine Erklärung zur Organspende nach dem Tod abzugeben. Informationen und ein Spenderausweis sollen beiliegen. „Die Regelung akzeptiert, wenn Menschen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht entscheiden wollen“, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) der Deutschen Presse-Agentur. „Aber es wird nicht lockergelassen.“ Der Minister sprach von einem nachhaltigen Schritt.

Wichtig seien aber auch die Abläufe in den Krankenhäusern. Dort soll es künftig Transplantationsbeauftragte geben. „So wird es flächendeckend Ansprechpartner geben, die den Prozess der Organspende im Krankenhaus koordinieren“, sagte Bahr.

Bei Lebendspenden werde geregelt, dass der Spender einen Anspruch gegenüber der Versicherung des Organempfängers hat. Das betreffe etwa Krankenbehandlung, Vor- und Nachbetreuung, Rehabilitation.

Die Grünen hatten vor Abstimmung über den Koalitionsentwurf zum Transplantationsgesetz angekündigt, sich enthalten zu wollen. Die Linken wollten dagegen votieren. Sie kritisieren unter anderem, dass bei der umstrittenen Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) weitgehend alles beim Alten bleibe. Die DSO ist zuständig für die Abwicklung der Organspenden. Sie war wegen angeblich selbstherrlichen Agierens ihrer Spitze und angeblicher Unregelmäßigkeiten bei Organentnahmen in die Schlagzeilen gekommen.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sieht die fraktionsübergreifenden Pläne zur Neuregelung der Organspende als "ausdrückliches Ja" des Bundestages zu Mitmenschlichkeit und Solidarität. Die in dem Gesetzesentwurf vorgesehene regelmäßige Befragung der Bürger nach ihrer Spendenbereitschaft sei "dringend notwendig", betonte Steinmeier am Freitag bei den Beratungen über den Entwurf im Bundestag.

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47 Kommentare zu "Abfrage-Pflicht: Bundestag stimmt für Organspende-Reform"

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  • Vier Fragen -
    1) Warum werden Privatpatienten nicht gefragt?
    2) Wieviel kosten nervige Dauerabfragen?
    3) Wer soll eine steigende Zahl superteurer Organtransplationen bezahlen?
    4) Diene ich als Kassenpatient nur als Ersatzteillager oder habe ich auch die Chance auf ein Organ?
    Nein, ich stelle Geld nicht über ein Menschenleben, bei mir als Kassenpatientin tut das aber jeder Arzt.
    Die Uni Köln - als eine von vielen - hat eindeutig festgestellt, dass eine überproportionale Anzahl von Privatpatienten Organe erhält. Das kostet ja dann auch die Kassen nichts, da die Ausschlatung der Kassenpatienten von der Empfängerversicherung bezahlt wird. Ja, Eurotransplant sucht aus, das ist korrekt, nach objektiven Kriterien. Ich will dies sogar mal glauben, um den Glauben an die Menschheit nicht völlig zu verlieren. Doch dann entscheidet der Arzt, ob der ausgewählte Patient wirklich geeignet ist, fit genug im Moment usw. Nun, wenn da ein privat versichertet Patient auch gleich dringend ein Organ benötigt, könnte da die Versuchung nicht groß sein, ihn für fitter zu halten, die OP und Nachbehandlung bringt ja mehr... Ein Schelm, der Böses dabei denkt....
    Meine Organe behalte ich so lange diese Fragen nicht geklärt sind!!!

  • Vertrauensverlust - Dank den Banken! Hier wurde schon sämtliches Vertrauen verspielt. Heute den Bürger ausschlachten wollen; wer kann da Gutes vermuten?

    Nein, um den Menschen geht es hier nicht; sondern nur (wie immer) um das Geld was mit ihm verdient werden kann!

    Wer traut da noch wem, wenn er verspricht: "Wir finden deinen Ausweis und erst danach werden wir dich ausschlachten?"

    Einfach Pfui Teufel, wo sind wir hingekommen? Nur noch "Kohle machen" regiert die Welt. Mit Anteilnahme und Interesse am Mitmenschen hat das Gesabbel vom "helfen wollen" nichts mehr zu tun! Es bleibt nur noch das "Kohle machen".

  • @wem
    Und genau deshalb habe ich mir einen Nichtorganspender-
    Ausweis ausstellen lassen. Vor einigen Monaten hatte ich die DSO kontaktiert, mit der Anwort, dass eine gelenkte Organspende nicht möglich sei. [...]
    P.S. Wenn Steinmeier eine Niere seiner Frau spendet, ist es seine Privatangelegenheit und das würde wohl auch jeder, wenn er dazu in der Lage ist, für seine eigene Frau tun.

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • Die meisten Ärzte wissen durchaus, was sie tun, und viele von ihnen tun das, was sie tun, aus der Überzeugung, richtig zu handeln innerhalb des Rahmens der ihnen gegebenen Möglichkeiten. Es gibt aber auch durchaus höchst kritische Ärzte, und gerade der Nachwuchs lässt Grund zur Hoffnung. Die Misere: Genau die wandern, gut ausgebildet, in Scharen aus, und dafür holen wir uns ausländische Ärzte, die meist obrigkeitshörig und systemkonform denken und handeln und oft noch nicht mal richtig Deutsch können. Deutschland macht sich selbst kaputt, dabei wäre die Lösung kostengünstig, einfach und human.

  • @ Rob Roy,
    die regelmäßige Nachfrage bedeutet doch nur, dass Politiker ihre "feste Meinung" je nach Lust und Laune ändern - und sie ein solches Verhalten auch den Bürgern unterstellen.
    Eigentlich eine Beleidigung für die Bürger.

  • Transplantationsbeauftragte in Krankenhäusern!
    Man sollte erst mal Hygenebeauftragte in Krankenhäuser einführen, mit sehr geringem Aufwand könnte man durch das eindämmen von Krankenhauskeimen wesentlich mehr Menschen das Leben retten. Damit läßt sich jedoch nichts verdienen.
    Da die Menschen einfach nur gesund aus dem Krankenhaus entlassen werden.

  • Die Menschen sterben weil Sie Krank sind!
    So wie zig andere Menschen auch.
    Ich spende nicht und will auch nichts gespendet haben.
    Im übrigen wo Geld zu verdienen ist, da wird es verdient.
    Glaut denn wirklich einer dass die Dringlichkeitsliste abgearbeitet wird?
    Warum überweisen Ärtzte Kranke in ausgewählte Krankenhäuser? Weil Sie es bezahlt bekommen!
    Ist doch Klasse, erst Erbe ich ohne zu arbeiten ein dickes Vermögen, dann gebe ich mich der Völlerei, der Prasserei dem Saufen und allem verbotenen hin und leiste mir dann, mit einem entsprechndem Bakschis wenns nötig ist neue Organe!
    Die Welt platzt vor Menschen, die meisten wissen nicht was Sie am nächsten Tag essen können, und wir halten uns künstlich mit fremden Organen am Leben, geht es noch?
    Wie viele sterben im Strassenverkehr, bei Unfällen im Haushalt usw.
    Soll man deshalb kein Auto mehr fahren, Privat keine arbeiten mehr verrichten?
    In Deutschland sterben jährlich ca. 2500 Menschen die Hirntod sind, viel zu wenig im Vergleich zu denen die auf ein Organ warten.
    Heute schon gängige Praxis, tue gutes Spende Blut, dass Rote Kreuz freuts, es erhält günstig Blut, und verkauft davon ca 90 Prozent gegen teures Geld um damit seine undurchsichtigen Strukturen und den Wasserkopf zu bezahlen!
    Warum nur sollte es ausgerechnet bei der Organspende anders sein?


  • Sehr schön zu sehen, dass es immer noch Menschen gibt, die sich nicht zur Schlachtbank führen lassen, weil andere es beschlossen haben.
    Der Patient hat ja schließlich keine Ahnung von der Medizin zu haben denn dafür haben wir ja unsere ausgebildeten Mediziner.
    Jedes Widerwort wird mit Missachtung bestraft.
    So ist es nicht verwunderlich, dass Ärzte, jahrelang z. B. NSAR bei Schmerzen verschreiben. Dieses sind aber Mittel gegen Entzündungen oder Fieber und haben als Nebeneffekt eine Schmerzlinderung.
    Sie zerstören mehr im Körper, als dass sie heilen. Schmerzmittel, wie Opioide werden aber aus Unwissenheit oder Aberglauben nicht verschrieben.
    Die Psychotherapie, als Verhaltenstherapie, führt immer noch einen Dornröschenschlaf.
    Es wird Zeit, dass Patienten handeln. Scheiben ist das eine, aufstehen und agieren das andere.
    Jeder hängt an seinem Beruf und sei er noch so mörderisch. Die anderen haben ja die Anordnung gegeben. Da gab es doch mal was????
    Lieber gebe ich meinen Körper zum Plastinieren als dieses monetäre, medizinische Gesundheitssystem zu finanzieren.
    Jeder hat ein Gewissen und sollte diesem Folgen dann würden die „Geldgierigen“ keine Chance haben.
    Als Unfallopfer, weiß ich die Notfall Medizin zu schätzen aber die Mediziner wissen anschließend nicht, was sie tun!
    Man muss Experte auf eigenem Gebiet werden, um in diesem System zu überleben.
    Das ist und bleibet eine traurige Wahrheit. Das ist das Ergebnis nach 15 Jahren in einer Patientenorganisation. Ich weiß, wovon ich rede.
    http://www.patienten-schmerzhilfe.de

  • wenn ich bestimmen könnte, WER meine Organe bekommt, dann gerne ja.
    Doch irgendweilchen (...) werd' ich meine Organe niemals schenken.
    Also eben leider generell nein - auch wenn das heisst, dass ein netter, anständiger und ehlicher Mensch, dem z.B. meine nach meinem Tod noch 'wertvolle', jedoch dann unnütze Niere sehr genützt hätte.

    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

  • Das Problem ist, dass Narkotika ins Blut und damit auch ins Organ gehen. Und der Begriff Hirntod ist dehnbar wie ein Kaugummi und nicht im geringsten wissenschaftlich eindeutig geklärt. Das behaupten die Vertreter einer inhumanen Apparatemedizin, so wie seinerzeit Descartes seine Vivisektionen an Tieren damit rechtfertigte, dass Tiere nur zuckende Apparate wären. Die Befürworter von Tierversuchen meinen das ja klammheimlich bis heute. Nun sind's halt mal die menschlichen Spender, die zu zuckenden Apparaten erklärt werden. Alles ganz human, es lebe der wissenschaftliche Fortschritt.

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