Abgeordnete im Netz: Hinterbänkler mit Vorbildfunktion

Abgeordnete im Netz
Hinterbänkler mit Vorbildfunktion

Über vierzig Prozent der Bewohner seines Wahlkreises sind bei Facebook, weiß CDU-Politiker Peter Tauber. Als Abgeordneter ist er ein kleines Licht. Doch beim Thema Social Media dient er seiner Partei als Vorbild.
  • 0

Wenn Peter Tauber morgens mit der S-Bahn zu seinem Abgeordnetenbüro fährt, holt er oft erst einmal sein Handy aus der Tasche. Er klickt herum, geht auf Twitter und guckt erst mal, was in der Nacht so passiert ist. Er leitet interessante Tweets weiter, schreibt auch selber mal was. Dann steigt er aus, geht sich noch schnell einen Kaffee holen und geht ins Büro.

Wenn er dann am Nachmittag noch fünf Minuten Zeit vor dem nächsten Termin hat oder sich sein Gesprächspartner einmal verspätet hat, ruft Tauber schnell einmal Facebook auf. Er sieht sich an, wer seine letzten Einträge kommentiert hat, ließt Nachrichten, die ihm Wähler aus seinem Wahlkreis geschrieben haben. Wenn noch Zeit ist, beantwortet er auch mal schnell eine Frage. Drei, vier kurze Sätze, das reicht. Facebook ist kein Medium für seitenlange Erörterungen.

Der 35-Jährige ist 2009 neu in den Bundestag gezogen, er vertritt den Wahlkreis 180 - Hanau-Gelnhausen. In diesem Jahr will er für den neugegründeten Wahlkreis 175 - den Wahlkreis Main-Kinzig, Wetterau II, Schotten - antreten. Sein Wahlgebiet ist das ländliche Hessen, kleine Städte und Dörfer östlich von Frankfurt. Er sitzt im Bundestag im Arbeits- und im Familienausschuss und ist Mitglied der Enquetekommission Internet und digitale Gesellschaft. „Ich bin der typische Hinterbänkler", sagt Peter Tauber selbst.

Ein Hinterbänkler mit einer Vorbildfunktion. Tauber beschäftigt sich mit Netzpolitik, er ist Mitgründer des Netzvereins cnetz. Und Tauber kennt sich mit Wahlkampf in sozialen Netzwerken aus. Anfang des Monats hat er seinen eigenen Leitfaden für „Soziale Medien in der politischen Kommunikation" geschrieben, den er an seine Kollegen verteilt. Mittlerweile hat die Fraktion den Leitfaden auch ins Internet gestellt.

Auch Facebook selbst hat Tauber für einen Leitfaden, wie Politiker Facebook nutzen können, ausgewählt - neben dem SPD-Abgeordneten Lars Klingbeil, dem Grünen Özcan Mutlu und Manuel Höferlin von der FDP. Sie alle posten beinahe täglich auf Facebook, geben dort einen Einblick in ihren Alltag und informieren ihre Wähler. Das stößt nicht nur auf Zustimmung. Gerade Datenschützer kritisieren Facebook und auch die Politiker, die mit dem Leitfaden werben. Für Tauber spielt das eine untergeordnete Rolle: „Als Kandidaten müssen wir dahingehen, wo die Menschen sind", sagt er.

Tauber hat für sich eine einfache Rechnung aufgestellt: Wie sollen die Menschen im nördlichen Schotten mitkriegen, wenn er im westlichen Schlüchtern auf dem Marktplatz steht? Ganz einfach: Über das Netz. Über 43 Prozent der Bewohner des Wahlkreises 175 - also etwa 100.000 Bewohner - haben einen Facebook-Account, hat Tauber ausgerechnet. Und wer nicht auf dem Marktplatz steht, der guckt vielleicht ins Internet. „Als Kandidaten müssen wir dahingehen, wo die Menschen sind", sagt er. „Ich glaube nicht, dass über Facebook eine Wahl entscheiden werden kann", sagt Tauber. „Aber ich glaube, dass soziale Netzwerke in einigen Wahlkreisen ausschlaggebend sein könnte."

Seite 1:

Hinterbänkler mit Vorbildfunktion

Seite 2:

Durch Werbung in die Wählergunst

Kommentare zu " Abgeordnete im Netz: Hinterbänkler mit Vorbildfunktion"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%