Abkehr von der Agenda-SPD
Beziehungskrise in Rot

Die Gewerkschaften und die SPD: Der Aufruf "Wir wählen links" gefährdet die Machtbasis der Sozialdemokraten.

HB DÜSSELDORF. Der Schatz in den Kellern der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn besteht aus 42 Kilometer Akten und 750 000 Fotos, nennt sich "Archiv der sozialen Demokratie" und beherbergt nichts anderes, als die Quellen zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung in Wort und Bild. Michael Schneider ist Historiker, Professor und als Archivleiter Hüter dieses einzigartigen Schatzes.

Als solcher erinnert er dieser Tage gerne an den SPD-Parteitag in Mannheim. 1906, vor 99 Jahren, gestand dort die SPD den Gewerkschaften die politische Gleichberechtigung zu. Seitdem gehören SPD und Gewerkschaften untrennbar zusammen. Die Frage ist nur: Wie lange noch? "Der Kernbereich dieser Zusammenarbeit, die Wirtschafts- und Sozialpolitik, ist heute zwischen SPD und Gewerkschaften umstritten wie noch nie," warnt Schneider. Insofern gebe es eine "neue historische Konstellation", fügt er hinzu.

"wir-waehlen-links-de." heißt der Internetappell, bei der Bundestagswahl die neue Linke zu wählen, jenes außerordentliche Bündnis aus WASG im Westen und PDS im Osten. Mehr als 1 100 Gewerkschafter unterstützen inzwischen den Aufruf, der einer Abrechnung mit der rot-grünen Regierung gleichkommt. Ausgerechnet die Regierung Gerhard Schröders habe "einen bisher beispiellosen Abbau sozialer Errungenschaften" durchgesetzt, heißt es dort. Die Linkspartei solle nun als "starke Opposition in den Bundestag".

Die Bewegung wird von hochrangigen Funktionären aus der IG Metall und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi getragen. Sogar Verdi-Chef Frank Bsirske, von Hause aus Grüner, hat Sympathien für den Aufruf und die Linkspartei erkennen lassen. Das Linksbündnis bringe mehr "Farbe" in die Politik, hat Bsirske gesagt. Und damit demonstriert, wie tief die Entfremdung zwischen Sozialdemokraten und ihrer vielleicht wichtigsten Machtbasis reicht.

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